Das „Zentrum Automobil“ will bei den Betriebsratswahlen eine größere Rolle spielen. Die Gruppierung ist der verlängerte Arm der AfD, kommentiert Peter Stolterfoht.
Die IG Metall hat zuletzt sehr genau in die die Unternehmen der Autoindustrie reingehört, um vor den in diesen Tagen beginnenden Betriebsratswahlen ein Stimmungsbild zu bekommen. Interessant sind dabei die Aussagen von potenziellen Wählern der ultra rechten Gruppierung „Zentrum“. Dabei war zu erfahren, dass deren Anhänger den diskriminierenden „Zentrum“-Kurs unterstützten, gemeint sei damit aber natürlich nicht der langjährige türkische Teamkollege, wie häufig betont wird.
Im Job wird immer auch Integrationsarbeit geleistet
Doch genau diesen allen Unterschieden trotzenden Zusammenhalt will der ursprünglich als „Zentrum Automobil“ gegründete Verein nicht, stattdessen die Spaltung der Gesellschaft in die Betriebe tragen. An einen Ort also, wo wichtige Integrationsarbeit nebenbei erledigt wird.
Dieses ab- und ausgrenzende Schwarz-Weiß-Denken taucht beim „Zentrum“ auch an anderer Stelle auf, wenn der Verbrenner zum völkischen Antrieb und das E-Auto zu einer gegen Deutschland gerichteten Waffe erklärt werden. Gerade jetzt sind aber Grautöne gefragt, die pragmatische Lösungen abbilden und sowohl Verbrenner-Befürworter wie Kritiker vereinen. Einerseits steht die Sorge um die Zerstörung der Umwelt im Fokus, andererseits die um die Arbeitsplätze.
Doch Kompromisse passen nicht ins Weltbild des „Zentrums“, das bei Mercedes in Untertürkheim 2009 vom früheren Gitarristen der Rechtsrockband „Noie Werte“ Oliver Hilburger gegründet worden war. Dessen rechtsradikales Vorleben war ein Grund für die AfD, das „Zentrum“ auf eine Unvereinbarkeitsliste der Partei zu setzen. 2022 wurde dieser No-Go-Beschluss im Zuge einer weiter nach rechts tendierten Ausrichtung der Partei dann aber gekippt.
Heute gibt es zwischen AfD und „Zentrum“ keine Berührungsängste mehr, was dem Wunsch des nationalistischen Parteivordenkers Björn Höcke entspricht. Der hatte 2022 gesagt, man brauche solche „Vorfeldorganisationen“.
Wie eng die AfD inzwischen mit dem „Zentrum“ verbandelt ist, zeigen Recherchen dieser Zeitung. An den Mercedes-Standorten in Sindelfingen und Untertürkheim stehen nämlich auch AfDler auf der „Zentrum“-Vorschlagsliste.
Weidels doppelter Wahlkampf in Stuttgart
Da passt es auch ins Bild, dass die AfD-Parteichefin Alice Weidel vor ein paar Tagen doppelte Wahlhilfe leistete, indem sie sich vor dem Mercedes-Benz-Werktor in Untertürkheim zeigte, um dort die Nähe zum AfD-Landtagswahl-Spitzenkandidaten Markus Frohnmaier und zum „Zentrum-Automobil“-Gründer Oliver Hilburger zu unterstreichen. Allerdings präsentierte sich Weidel dort ewiggestrig, als sie von der Krise bei „DaimlerChrysler“ sprach. So heißt der Konzern mittlerweile seit 19 Jahren nicht mehr.