Seit mehr als 20 Jahren wirft Monika Silberhorn Zeitungen in die Briefkästen der Leserinnen und Leser. Foto: Roberto Bulgrin

An sechs Tagen in der Woche wird die Zeitung Leserinnen und Lesern pünktlich vor dem Frühstück geliefert. Dafür muss Zustellerin Monika Silberhorn früh aufstehen. Doch sie liebt ihren Job, auch wenn sie schon häufig kuriose Dinge in der Nacht erlebt hat.

Esslingen - Um kurz nach zwei Uhr in der Nacht klingelt der Wecker. An sechs Tagen in der Woche und egal bei welchem Wetter heißt es dann: Ab nach draußen und dafür sorgen, dass die Zeitungen pünktlich zum Frühstück auf den Küchentischen liegen. Was sich für Langschläfer wie ein Albtraum anhören muss, ist für Monika Silberhorn seit mehr als 20 Jahren morgendliche Routine. „Als gelernte Konditorin wusste ich ja, worauf ich mich einlasse. Zumindest was das frühe Aufstehen angeht“, sagt die 63-Jährige. Silberhorn ist eine der etwa 250 Zustellerinnen und Zusteller, die in den 350 Zustellbezirken des Verbreitungsgebietes der Eßlinger Zeitung den morgendlichen Lesestoff zu den Briefkästen bringt.

Während ein Großteil noch schläft, schlüpft Silberhorn mitten in der Nacht in ihre rote Jacke. „Nicht die schönste, aber sie werden sowieso immer dreckig von der Druckerschwärze“, erklärt sie und zeigt auf die verfärbten Ärmel. Ausgestattet mit einer Taschenlampe und ihrem Wagen voller Zeitungen läuft sie dann täglich zu Fuß ihre Tour in Oberesslingen. Mit dabei hat sie eine Liste, auf der alle Namen sowie deren Abonnements stehen. Eigentlich brauche sie die nicht mehr, da sie ihren Bezirk wie ihre Westentasche kenne. Wenn Silberhorn einmal Urlaub nimmt und eine Vertretung die Zeitungen verteilt, werde ihr häufig gesagt, dass die Leserinnen und Leser es bemerkt hätten. „Sie sehen es wohl an der Art, wie die Zeitung im Briefkasten steckt“, erklärt sie.

Nachts ist alles etwas anders

Doch das war nicht immer so. „Als ich das erste Mal alleine einen Bezirk abgelaufen bin, dachte ich wirklich, ich schaffe es nicht“, erinnert sich die erfahrene Zustellerin. Um sechs Uhr spätestens sollen die Zeitungen nämlich in den Briefkästen sein. Zur Vorbereitung laufe sie neue Strecken auch heute noch immer vorher tagsüber ab, doch nachts sei alles etwas anders: Hausnummern seien schwieriger zu erkennen, Straßenschilder nicht mehr so auffällig wie unter dem Licht der Sonne, und manchmal finde man einfach nicht den passenden Namen am Briefkasten. Dazu kommt, dass es inzwischen zahlreiche verschiedene Abonnements gibt. Von Tages-, Probe- und Wochenendabos bis hin zur täglichen Zustellung: „Gerade zu Beginn muss man immer wieder die Liste überprüfen und unglaublich aufpassen“, sagt die Esslingerin.

Zwar bereitet ihr die Angebotsvielfalt in ihrem Bezirk schon lange kein Kopfzerbrechen mehr, doch langweilig sei es auf ihren Touren trotzdem nie. „Einmal wollte ich die Zeitung in ein Rohr stecken, als plötzlich ein Waschbär vor mir stand“, erzählt Monika Silberhorn. Auch Füchse, Dachse, Rehkitze und sogar ein junger Hirsch seinen ihr bereits gegenüber gestanden, berichtet sie – noch immer sichtlich begeistert von diesen besonderen Begegnungen. Diese Momente würde sie am liebsten mal mit der Kamera einfangen, doch „es geht immer alles so schnell“. Schnell ging es auch, als sie ihren Wagen eines Nachts plötzlich mitten durch einen SEK-Einsatz zog. Auch andere Polizeieinsätze wegen Einbrüchen oder häuslicher Gewalt hat die 63-Jährige zu Zeiten mitbekommen, in denen die meisten Menschen tief und fest schlafen. Wenn ihr dann hin und wieder im Dunkeln „dubiose Gestalten“ entgegenkommen, bekomme sie schon mal ein mulmiges Gefühl. „Aber Angst darf man nicht haben. Sonst ist man für diesen Job nicht geeignet“, meint die Zustellerin.

Kein Job für zartbesaitete Seelen

Allgemein sei der Job nichts für zartbesaitete Seelen. Denn auch bei zugeschneiten Fußwegen und stürmischem Regenwetter müsse die Zeitung ausgetragen werden, erklärt Silberhorn. Das störe sich jedoch nicht. Deutlich mehr ärgert es die Zustellerin, wenn Briefkästen so zugestellt sind, dass man sie kaum erreichen kann, oder wenn sie im Dunkeln über liegengelassenes Spielzeug stolpert. „Das erschwert uns die Arbeit genauso wie unleserliche Namen“, sagt Silberhorn.

Trotz alledem wolle sie den Job noch so lange machen, wie es ihr möglich ist. Auf die Frage, warum und was ihr daran so gut gefällt, breitet sich ein strahlendes Lächeln auf ihrem Gesicht aus. „Ich habe meine Ruhe, bin mein eigener Chef und könnte nebenbei Seilspringen, wenn ich das wollte“, erklärt sie. Die „magischen Momente“, wenn die ersten Vögel wieder zwitschern, Katzen sich von ihr die täglichen Streicheleinheiten abholen oder ihre Begegnungen mit Wildtieren – all das wolle sie nicht missen. Und offenbar begeistert sie ihr Job sogar so sehr, dass sie ihren Ehemann mit Beginn seiner Rente quasi zwangsrekrutiert hat. „Ich will doch nicht, dass er den ganzen Tag auf der Couch liegt und dick wird“, scherzt sie und lächelt ihren Gatten verschmitzt an.

Die diesjährigen Jubilarinnen und Jubilare der Zustellgesellschaft

Jubilare
Auch dieses Jahr ehrt die Zustellgesellschaft wieder zahlreiche Zustellerinnen und Zusteller, die im Verbreitungsgebiet der Eßlinger Zeitung tätig sind. Wegen Corona musste die diesjährige Weihnachtsfeier und damit die offizielle Ehrung abgesagt werden, teilt Thomas Flaig, Organisatorischer Leiter der Gesellschaft, mit. Man wolle dies aber bei Gelegenheit nachholen

10 Jahre
Armin Kamaras, Zusteller in Esslingen-Berkheim; Vanessa Schneider, Zustellerin in Ostfildern-Ruit; Monika Veit, Zustellerin in Köngen; Harry Wölk, Zusteller in Ostfildern-Parksiedlung; Detlef Peter, Zusteller in Esslingen-Rüdern; Tanja Beetz-Anderka, Zustellerin in Esslingen-Oberesslingen; Angelika Stuhler, Zustellerin in Wernau.

20 Jahre
Hildegart Elsäßer, Zustellerin in Ostfildern-Ruit; Veronika Matthe, Zustellerin in Ostfildern-Nellingen; Silvia Mayer, Zustellerin in Ostfildern-Scharnhauser Park; Susanne Thabor, Zustellerin in Esslingen-Krummenacker und Esslingen-Zell; Stefan Dürr, Zusteller in Esslingen-Oberesslingen; Monika Silberhorn, Zustellerin in Esslingen-Oberesslingen.

25 Jahre
Andreas Honti, Zusteller in Esslingen-Sulzgries; Jörg Scheel, Zusteller in Esslingen-Oberesslingen; Uwe Schwarz, Zusteller in Wernau.

30 Jahre
Michael Plehn, Zusteller in Ostfildern-Scharnhausen.

35 Jahre
Slavicia Stevanovic, Zustellerin in Neuhausen.