Die Wohnraumknappheit in Deutschland hat ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht. Foto: Windecker

Die Wohnraumknappheit in Deutschland hat ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht, doch eine Entspannung der Märkte ist nicht in Sicht. Die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum in den Großstädten und den deutschen Ballungsgebieten übersteigt bei Weitem das Angebot. Kaum ein Thema ist in der Branche derzeit so präsent wie jenes. Lösungsansätze? Schwierig! Negativbeispiele bestimmen die aktuelle Tagespresse. Auch die Region Esslingen/ Stuttgart ist davon betroffen.

Die Kauf- und Mietpreise steigen in einem so noch unbekannten Maß. Es gelte nun den Wohnraummangel in Ballungsgebieten wie in Esslingen und Stuttgart zu begrenzen indem man Erfolgsgeschichten herbeiführt. „In der Wohnraumvermietung beispielsweise müssen Mieter und Vermieter einander nach Wunsch vermittelt werden“, so Jens Klingohr von der fairvermieten GmbH. Dies sei gleichbedeutend mit der exakten Übereinstimmung von Wohnungsangebot und Wohnungsgesuch. „Der Mietvertrag mit dem Wunschmieter und dem Wunschvermieter ist heutzutage eine Seltenheit“, so Florian Heyer, ein weiterer Geschäftsführer der fairvermieten GmbH. Es gelte nun faire Lösungen zu kreieren, ohne die Kosten durch das Bestellerprinzip, zwischengeschaltete Makler oder hohe Provisionen noch weiter in Höhe zu treiben. Jens Klingohr über mögliche Lösungswege: „Sowohl Mieter als auch Vermieter wollen in der heutigen Zeit möglichst wenig Aufwand, keine Überraschungen und auch keine unnötigen Wohnungsbesichtigungen und eine Wohnungsvermittlung zu geringen Kosten.“ „Die Mieten sind ja schon so hoch, da will keiner mehr viel Geld bei einem Makler liegen lassen“, so Klingohr. „Vor allem die breite Mittelschicht ist betroffen…“, so Geschäftsführer Florian Heyer. Die Auswirkungen sind dementsprechend vielseitig.

Zehn Auswirkungen der Wohnraumknappheit:

  1. Die Kaufpreise für Eigentumswohnungen steigen eklatant. [1]
  2. In Folge steigen die Mieten, um die hohen Kaufpreise zu amortisieren. [2]
  3. Die Kaufpreise steigen deutlich stärker als die Mieten. Die Investition in Wohnraum wird unrentabel. Die Wohnraumknappheit wird noch größer. [3]
  4. Investoren bauen fast ausschließlich im hochpreisig/ luxuriösen Segment, da die hohen Kaufpreise ausschließlich auf diese Weise erwirtschaftet werden. [4]
  5. Der Normalbürger kann sich trotz Niedrigzins kein Eigenheim leisten. Die Nachfrage nach vermietbarem Wohnraum steigt weiter. [5]
  6. Die Gefahr einer Immobilienblase nimmt zu. Deutschland erlebt eine bisher unbekannte Volatilität der Preise für Wohnraum. Die Spekulation endet, wenn es der breiten Masse unmöglich wird, Wohneigentum zu erwerben. Der wirtschaftliche Kollaps droht. [6]
  7. Mittelfristige Umkehrung der Urbanisierung. Wohnraum kann vom Normalbürger effektiv nur noch auf dem Land erworben werden.
  8. Der Kunde steht nicht mehr im Mittelpunkt, da eine Vermietung zum Wunschpreis in kürzester Zeit möglich ist. [7]
  9. Zwang zur Umsetzung von neuen Konzepten, um den gesellschaftlichen Frieden zu erhalten und eine Immobilienkrise präventiv zu vermeiden. [8]
  10. Verzicht auf Wohnfläche. Es müssen Abstriche gemacht werden bei der durchschnittlichen Wohnfläche pro Kopf. Der Trend geht hin zu Mikrowohnungen. [9]

„Wohnraum muss wieder erschwinglich werden“, fordert Jens Klingohr.

Zehn Lösungsansätze um der Wohnraumknappheit zu begegnen:

  1. Die Einführung der „Urbanen Gebieten“ mit einer Mischbebauung kann eine dichtere Bebauung mit mehr Etagen in den Innenstadtlagen erlauben. Weitergehend sollte bis zu 80% der Grundfläche baulich genutzt werden dürfen. [10]
  2. Die Modulare Serienfertigung von Wohnhäusern kann Baukosten senken und gleichzeitig in verkürzter Bauzeit auf die Nachfrage reagieren. [11]
  3. Der Ausbau von Dachgeschossen bietet großes Potential für neue Wohnungen. [12]
  4. Die Gemeinden sollten mehr neues Bauland ausweisen und die Genehmigungsverfahren vereinfachen. [13]
  5. Steuersenkungen (z.B. Reduzierung der Grunderwerbsteuer) oder Steuervorteile, wie die Erhöhung der Abschreibung (Afa) auf 4% bei Mietwohngebäuden, können Investoren locken und das Angebot steigern. [14]
  6. Die Ausweitung der Mittel für den Sozialen Wohnungsbau bei gleichzeitig besseren Bedingungen kann den Neubau in diesem Segment steigern. Auch eine direkte Subventionierung durch „Wohnkindergeld“ kann den Eigenerwerb unterstützen. [15]
  7. Mehr Mikrowohnungen an Stelle von großen Wohnungen. [16]
  8. Vereinfachung statt Verschärfung der Kreditvergaben. Die Angst vor einer Immobilienblase darf dem „kleine Mann“ nicht grundlos die Möglichkeit nehmen, Wohneigentum zu erwerben. [17]
  9. Wird die Verkehrsinfrastruktur verbessert, können viele Menschen auch außerhalb der Stadt leben und dennoch mittels guter Verkehrsanbindung die Innenstädte schnell erreichen.
  10. Neue Arten der Wohnungsvermittlung offerieren in Zeiten der Digitalisierung ansprechende Möglichkeiten, die eigene Traumwohnung zu finden. Vor allem das Onlineangebot von Plattformen zur Online-Vermittlung drängt sich stark in den Vordergrund. Die Registrierung erfolgt hier meist schnell, ohne großen Aufwand und zur Zufriedenheit vieler Nutzer. [18]

QUELLEN

[1] Vgl. Immobilien Zeitung (Hg.): Kaufpreise hängen Mieten ab, in: Immobilien Zeitung, Ausgabe 44 vom 03.11.2016, S. 7.
[2] Vgl. Schimmel, Sascha-Pascal: Viele Immobilieninvestitionen lohnen sich nicht mehr, in: Focus online vom 28.09.2014, online verfügbar unter: http://www.focus.de/immobilien/kaufen/haus-oder-wohnung-mickrige-rendite-fuer-wen-sich-immobilieninvestition-ueberhaupt-noch-lohnen_id_4136869.html, zuletzt geprüft am 12.01.2017.
[3] Vgl. Immobilien Zeitung (Hg.): Kaufpreise hängen Mieten ab, in Immobilien Zeitung, Ausgabe 44 vom 03.11.2016, S. 7.
[4] Vgl. Die Zeit (Hg.): Der Erbe des Miethais: Wohnungsunternehmen errichten am liebsten Luxuswohnungen, online verfügbar unter: http://www.zeit.de/2016/26/vonovia-wohnungsunternehmen-wohnungsnot-fluechtlinge/seite-4, zuletzt geprüft am 16.01.2017.
[5] Vgl. Immobilien vermieten & verwalten (Hg.): „Politik sperrt breite Schichten von Wohneigentum aus“, in: Immobilien vermieten & verwalten, Ausgabe 12, September 2016, S. 22.
[6] Vgl. Ettel, Anja/Zschäpitz, Holger: Deutsche Immobilienblase wird offiziell zum Risiko, in: Die Welt, online verfügbar unter: https://www.welt.de/finanzen/article159549235/Deutsche-Immobilienblase-wird-offiziell-zum-Risiko.html, zuletzt geprüft am 16.01.2017.
[7] Vgl. Kippes, Stephan: Marktmonitor Immobilien 2013, Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen, online verfügbar unter http://www.marktmonitor-immobilien.de/fileadmin/Resources/Public/Redaktion/Dokumente/Marktmonitor2013_Report.pdf, zuletzt geprüft am 16.01.2017, S. 26.
[8] Vgl. beispielsweise: Energie + Technik (Hg.): „Gemeinsames Wohnen“ in nachhaltigem Neubau, Ausgabe 14, November 2016, S. 2f.
[9] Vgl. Hunziker, Christian: Viele Deutsche können sich nur Mikro-Wohnungen leisten, in: Die Welt, online verfügbar unter: https://www.welt.de/finanzen/immobilien/article153631080/Viele-Deutsche-koennen-sich-nur-Mikro-Wohnungen-leisten.html, zuletzt geprüft am 16.01.2017.
[10] Vgl. Die Bundesregierung (Hg.): Zusammenleben in der Stadt: Neue Spielräume für den Wohnungsbau, online verfügbar unter: https://www.bundesregierung.de/Content/DE/Artikel/2016/11/2016-11-30-urbane-gebiete.html, zuletzt geprüft am 16.01.2017.
[11] Vgl. Die deutsche Bauindustrie (Hg.): Serieller Wohnungsbau: Bauindustrie und Wohnungswirtschaft setzen auf serielles Bauen - Bedarf an mindestens 140.000 Mietwohnungen jährlich zusätzlich, online verfügbar unter: http://www.bauindustrie.de/presse/pressemappen/serieller-wohnungsbau/, zuletzt geprüft am 16.01.2017.
[12] Vgl. Brüdgam, Bettina: Es wird verdammt eng, in: Immobilien vermieten & verwalten, Ausgabe 12, Dezember 2016, S. 16ff.
[13] Vgl. Immobilien vermieten & verwalten (Hg.): Trotz Umsatzrekord müsste viel mehr gebaut werden, in: Immobilien vermieten & verwalten, Ausgabe 12, Dezember 2016, S. 19.
[14] Vgl. von Freyend, Eckart John: Wünsche und Forderungen der Immobilienwirtschaft an die Politik, in: Immobilien & Finanzierung - Der Langfristige Kredit, Ausgabe 1 vom 02.01.2009, S.14.
[15] Vgl. Die Tagesschau (Hg.): Zu wenig Sozialwohnungen: Wohnungen als Ware, online verfügbar unter: https://www.tagesschau.de/inland/sozialer-wohnungsbau-101.html, zuletzt geprüft am 16.01.2017.
[16] Vgl. Der Tagesspiegel (Hg.): Kleinstwohnungen: Apartments – Eine Klasse für sich, online verfügbar unter: http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/immobilien/kleinstwohnungen-apartments-eine-klasse-fuer-sich/11666540.html, zuletzt geprüft am 16.01.2017.
[17] Vgl. Südwest Presse (Hg.): Hausbaukredite: Vergabe soll wieder einfacher werden, online verfügbar unter: http://www.swp.de/ulm/nachrichten/wirtschaft/hausbaukredite_-vergabe-soll-wieder-einfacher-werden-14093043.html, zuletzt geprüft am: 16.01.2017.
[18] Vgl. Fairvermieten GmbH (Hg.): So funktioniert das fairvermieten-Prinzip, online verfügbar unter: www.fairvermieten.de, zuletzt geprüft am 16.01.2017.

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