Jan Böhmermann hat Sand zum Thema gemacht: und nicht bloß gescherzt. Foto: ZDF

In seinem „ZDF Magazin Royale“ will der Satiriker Jan Böhmermann nicht nur das bieten, was man erwartet. Die Überraschung ist ihm diese Woche mal wieder gelungen.

Stuttgart - Nach einer Woche Spott im Netz und in anderen Satiresendungen – nach „Extra 3“ hat auch Oliver Welkes „heute show“ der Stuttgarter „Querdenker“-Demo an Ostern gedacht – hat Jan Böhmermann in der aktuellen Ausgabe des „ZDF Magazin Royale“ über den Rummel der Maskenlosen kein Wort mehr verloren. Was nicht heißt, dass Corona gar kein Thema war.

Noch einmal hat sich Böhmermann über die Wirrnis der Impf-, Öffnungs- und Ausnahmeregelungen lustig gemacht: in Rheinland-Pfalz etwa, wollte er klarstellen, würden mit Astrazeneca „nur CIS-Männer unter 25“ geimpft, im Saarland „Landräte und Paarhufer bis zu einem Stockmaß von 1,45 Metern“. Und so weiter und so fort: die Erfindung immer neuer Zielgruppenabsurditäten ist längst ein vertrauter Standardgag in Pandemiezeiten. Die Wiederholung zeigt, wie langsam wir vorankommen, und das vielleicht auch nur im Kreis.

Verwüstete Landschaften

Das Hauptthema von Böhmermanns Sendung war dagegen wirklich überraschend: Sand. Außer Menschen vom Bau dürfte sich kaum jemand Gedanken darüber machen, dass Sand ein wichtiger Bestandteil von Straßen und Gebäuden ist. Noch weniger Menschen dürfte klar sein, dass der weltweite Bauboom mit den legalen Liefermöglichkeiten von Sand nicht bedienbar ist.

Massiver Raubbau an der Natur ist die Folge. Und eine Sandmafia verwüstet nicht nur Landschaften und vernichtet Biotope, sie geht auch extrem brutal gegen Menschen vor, die ihr in die Quere kommen. Sie schreckt vor Morden an Umweltschützern, aufmüpfigen Arbeitern und Journalisten nicht zurück – erklärt bei Böhmermann die Autorin und Forscherin Kiran Pereira.

Das Sandmännchen als Verschwender

Mit Pereira hat Böhmermann ein Gespräch geführt, das die Problemwarnung im „ZDF Magazin Royale“ vertieft und in der Mediathek des Senders abrufbar ist. Solches Zusatzmaterial zur Hauptsendung bietet Böhmermann ja regelmäßig. Diesmal wird man sehr neugierig auf Pereiras Buch „Sand Stories. Surprising Truths about the Global Sand Crisis and the Quest for Sustainable Solutions“, das es bislang allerdings nur auf Englisch gibt. Diesmal gibt es sogar ein zweites Extra im Netz, ein „Werkstattgespräch zu Kunstfreiheit“ mit Danger Dan und Igor Levit, die in der Sendung Musik machten.

Interessant an der Sendung ist aber auch mal wieder Böhmermanns Courage zur Selbstironisierung. Im selben Moment, in dem er ein reales Problem aufs Tapet bringt und als Mahner ernst genommen werden möchte, überdreht er ins Absurde. Er klagt das Sandmännchen als Ressourcenverschwender an und rechnet in einer Schlaumeiersequenz, die ein bisschen an Benedict Cumberbatchs Knobeleien in „Sherlock“ erinnert, aus, dass der kleine Kinderfreund seit 1959 in DDR und BRD 89 000 Tonnen Sand verbraucht habe. Später greift Böhmermann selbst in ein Sandsäckchen und streut welchen umher.

Einwände vorab entkräften

Eigentlich sollte man erwarten, dass solche Scherze und Blödeleien das Anliegen unterminieren, die Aussage schwächen. Erstaunlicherweise funktioniert das bei Böhmermann aber anders. Er betreibt da die Vorwegnahme juxender Einwände, mit denen im Zeitalter like-hungriger Twitterkomiker unbedingt zu rechnen ist.

Ja, zeigt Böhmermann mit seinen Gags, natürlich kann man ein reales Problem ins Absurde verlängern und kurz mal feixen. Aber das Problem geht dadurch nicht weg. Was der Satiriker verdeutlicht, indem er nach der albernen nahtlos zur besorgt kritischen Perspektive zurückkehrt. Und einen aus der Blödelei mit dem Gedanken entlässt, dass man sich zu Sand dringend mal kundiger machen sollte.

Diese Ausgabe des „ZDF Magazin Royale“ ist hier in der Mediathek des Senders abrufbar, bis zum 9. Juli 2021.

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