Das Unternehmen Balluff aus Neuhausen auf der Hannover Messe. Hier erklärt Geschäftsführer Michael Unger dem Ministerpräsidenten die neuen Technologien. (Foto: Balluff) Foto: Balluff - Balluff

Von Sabrina Erben

Hannover - Sebastian Klenk hatte vor Beginn der Hannover Messe einen Alptraum. Ganz hinten im Eck der riesigen Messehalle sah er seinen Stand, weitab vom Schuss und für die Besucher der weltweit größten Industrieschau kaum zu erreichen. Der Traum wird zumindest teilweise Realität. Der Manager sitzt wirklich im letzten Eck, auf einem schmalen Platz und einem Schälchen Gummibärchen auf dem Tisch. Seine Befürchtung bewahrheitet sich allerdings nicht: Die Besucher finden den Weg trotzdem zu ihm. Der Geschäftsführer des Start-ups 5Analytics aus Köngen ist zum ersten Mal auf der Messe. Sein Fazit ist positiv: „Es lohnt sich auch für eine kleinere Firma, es kommen viele interessierte Investoren an den Stand“, so Klenk. Nächstes Jahr wird die Präsenz der Firma, die Künstliche Intelligenz in Business-Prozesse integriert, dann vielleicht auch schon größer.

Die Firmen aus der Region Stuttgart sind jedes Jahr zahlreich auf der Hannover Messe - die gestern endete - vertreten. 200 000 Besucher und 6000 Aussteller sind insgesamt auf der Messe. Die Digitalisierung der Wirtschaft steht dabei im Fokus. Das Thema Industrie 4.0 steht für viele Experten für Wachstum. Die Messe ist ein zentraler Treffpunkt für alle wichtigen Akteure aus Maschinenbau, IT und Elektrotechnik.

Ob der Kabelhersteller Lapp aus Stuttgart, das Automatisierungsunternehmen Pilz aus Ostfildern, der Sensorhersteller Leuze electronic aus Owen, der Esslinger Automatisierungsspezialist Festo oder der Keramikhersteller Ceramtec aus Plochingen - auf der Industrieschau zeigt man, was man drauf hat. Beim Sensorhersteller Balluff aus Neuhausen auf den Fildern bildet sich das - größer als beim Start-up aus Köngen - auf 264 Quadratmetern Standfläche ab. Für Balluff-Geschäftsführer Florian Hermle ist die Messe in Hannover wichtig. Neuerungen und deren Bedeutung für die Digitalisierung der Produktionsprozesse werden aufgezeigt. „Und es ist natürlich auch eine Imagepflege“, sagt Hermle. Man müsse dem Kunden verständlich erklären, welche Vorteile die Digitalisierung habe. „Das ist manchmal Überzeugungsarbeit.“

Auch der Keramikhersteller Ceramtec ist vertreten. „Etwa 1000 Euro pro Quadratmeter muss man schon rechnen“, sagt Jasmin Heinzelmann von Ceramtec über die Kosten. Aber: „Die Kontakte sind wichtig, das persönliche Gespräch ist durch nichts ersetzbar. Davon lebt die Messe.“ Für die Plochinger gibt es in diesem Jahr Grund zur Freude: Das Unternehmen wurde pünktlich zum Start der Hannover Messe für die Entwicklung der transparenten Hochleistungskeramik mit dem Industriepreis 2017 ausgezeichnet.

Auf der Messe darf natürlich auch die Prominenz nicht fehlen: So besucht Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) den Festo-Stand, Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) schaut unter anderem bei Leuze electronic und Balluff vorbei, Nicole Hoffmeister-Kraut, die baden-württembergische Wirtschaftsministerin, spricht am Stand des Unternehmens Pilz aus Ostfildern mit Chefin Renate Pilz und Esslingens Oberbürgermeister Jürgen Zieger plaudert mit Festo-Chef Alfred Goll über Roboter.

Für Politiker ist die Messe ein sehr angenehmer Termin: Die Unternehmen stehen wirtschaftlich und technisch gut da. Leuze electronic, Hersteller für Optosensorik, schloss das vergangene Geschäftsjahr mit einem Wachstum von 14 Prozent ab. Auch für dieses Jahr wird ein Wachstum im zweistelligen Bereich von mindestens elf Prozent auf 200 Millionen angestrebt. Der Ministerpräsident zeigte sich ob dieses Wachstums im Gespräch mit Geschäftsführer Ulrich Balbach beeindruckt.

Manche Firmen überlegen sich ihre Präsenz auf der Messe dennoch genau: so auch das Unternehmen Elektror airsystems aus Ostfildern. Die früher in Esslingen ansässige Firma stellt Industrieventilatoren her. „Wir reden von einem sechsstelligen Kostenbetrag für die Messe“, sagt Vertriebsleiter Jan Oellers. Der Messebereich für Druckluft- und Vakuumtechnik findet nur alle zwei Jahre in Hannover statt. „Jedes Jahr würde sich der Auftritt für uns nicht lohnen“, sagt der Vertriebsleiter. Ganz wegbleiben sei allerdings auch keine Option. „Die Konkurrenz ist ja auch da.“

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