Rüdiger Knöß ist seit drei Jahren begeisterter Imker. Quelle: Unbekannt

Dass immer mehr Menschen von der Imkerei fasziniert sind, merkt man auch beim Bezirksbienenzüchter-Verein Esslingen (BVE). Im Oberesslinger Bienengarten bietet der Verein Kurse für Neu-Imker an. Und die sind ständig ausgebucht.

ES-OberesslingenBienenvölker sind eine Demokratie: „Die Macht geht von den Bienen aus – nicht von der Königin“, sagt Ute Gasselin, die Vorsitzende des Bezirksbienenzüchter-Vereins Esslingen (BVE), der in Oberesslingen seinen Bienengarten unterhält. Ganz vorsichtig und mit ruhigen Bewegungen nimmt sie eine Wabe nach der anderen aus dem Bienenstock, begutachtet sie und stellt sie wieder zurück – ohne Imkerhut oder sonstige Schutzkleidung. Die Bienen zeigen sich entspannt. Auf den Waben tummeln sie sich zu Tausenden und gehen unbeirrt ihrer Arbeit nach. Im komplexen System des Bienenstocks erfüllen sie jeweils unterschiedliche Aufgaben, etwa bei der Brutpflege, als Wächterinnen oder beim Futtersammeln.

Immer mehr Menschen erliegen der Faszination der Bienen und wenden sich der Hobby-Imkerei zu; so auch in Esslingen. Der BVE zählt mittlerweile 250 Mitglieder, „Tendenz steigend“, sagt Ute Gasselin. Auch immer mehr Frauen wenden sich in ihrer Freizeit den „wilden Haustieren“, wie Gasselin sie nennt, zu. Unter den 180 aktiven Imkern im Kreis Esslingen sind immerhin 30 weiblich. Das war nicht immer so: Als er 1984 mit der der Imkerei begonnen habe, seien nur zwei aktive Imkerinnen mit dabei gewesen, erinnert sich Werner Blumentritt, der stellvertretende Vorsitzende des BVE.

Kurse für Neueinsteiger

Ziel des Vereins ist es, die Imker im Vereinsgebiet, dem Altkreis Esslingen, bei allen Fragen der Bienenhaltung zu unterstützen. Für Neueinsteiger bietet der Verein jedes Jahr einen Neuimker-Kurs an, der sich über das ganze Jahr erstreckt. Nach der theoretischen Ausbildung zu Beginn können die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Lehrbienenstand im vereinseigenen Bienengarten in Oberesslingen in die praktische Arbeit einsteigen – selbstverständlich unter Anleitung erfahrener Imker. „Man hat eine Verantwortung für die Lebewesen“, sagt Rüdiger Knöß, der designierte Nachfolger von Ute Gasselin.

Eine Unterhaltung am Gartenzaun brachte ihn vor drei Jahren auf die Idee, sich mit der Imkerei zu beschäftigen. „Der Nachbar und ich haben festgestellt, dass es zu wenig Bienen gibt“, sagt Knöß. Als einige Wochen später ein Imker in die Nachbarschaft kam, um nach einem Bienenschwarm zu sehen, knüpfte er den Kontakt. Inzwischen lässt ihn das Hobby nicht mehr los. Ausgelernt habe man als Imker nie, sagen auch alte Hasen wie Werner Blumentritt. „Jedes Jahr ist die Situation anders“. Und jeder Honig schmecke anders, „auch der vom Kollegen, der seine Bienen nur 300 Meter entfernt stehen hat“, betont Rüdiger Knöß.

Ute Gasselin schätzt an der Imkerei, „dass man ganz tief in die Kreisläufe der Natur eintaucht“. Überdies könne man dabei auch kreativ sein, so zum Beispiel bei der Arbeit mit dem Bienenwachs. Oder bei der Frage, wohin man mit den Bienen wandert.

Bevor die Bienen etwa in den Wald gebracht werden können, müssen Imker dort „spionieren“. Denn Waldhonig gibt es nur in Jahren, in denen der Wald „honigt“ – in denen es also genügend Pflanzenläuse gibt, die Honigtau erzeugen. Der wiederum wird von den Immen abgesammelt. Lebenswichtig ist es für die Bienen, dass die Varroa-Milbe in den Bienenstöcken bekämpft wird. All dies lernen die Neuimker in den stets ausgebuchten Kursen. Für die Zeit danach sei es üblich, sich unter den erfahrenen Imkern einen „Paten“ zu suchen, erklärt Ute Gasselin.

Ein großes Jubiläum steht dem BVE in zwei Jahren ins Haus: Dann wird der Verein 100 Jahre alt. Das soll groß gefeiert werden. Vorher gebe es noch einiges zu tun, kündigt die Vorsitzende an. Der vor zehn Jahren bezogene Bienengarten mit Vereinsheim und Hütte soll auf Hochglanz gebracht werden. Unter anderem ist das Anlegen einer Bienenweide mit einheimischen Pflanzen geplant.

Angesichts des Insektensterbens könne auch jeder Gartenbesitzer etwas für die besonders bedrohten Wildbienen und andere Insekten tun, empfehlen die Imker – etwa mit einheimischen Wildblumen im Garten und einigen „unordentlichen Ecken“, in denen die Insekten Unterschlupf finden können.

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