Die sechs Weißweine ab zwölf Euro der Württemberger Weinmeisterschaft unserer Zeitung überzeugen schon jetzt. Aber in manchen schlummert noch viel Potenzial zum Reifen.
Weißweine erfreuen sich immer größerer Beliebtheit, was vor ein paar Jahrzehnten noch ganz anders war. Allerdings, sagt Holger Gayer, Geschäftsführender Redakteur und Moderator der Württemberger Weinmeisterschaft von Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten, werde „Weißwein viel zu häufig viel zu früh getrunken“. Wenn es aber auch so verlockende Erzeugnisse aus Württemberg gibt wie in der zweiten Runde der Weinmeisterschaft mit Weißweinen ab zwölf Euro . . .
Auch hierfür haben die Weinkolumnisten unserer Zeitung mit Dieter Blankenhorn, dem Direktor der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau in Weinsberg, ebendort in einer Blindprobe die Kandidaten für diese Finalrunde bestimmt. Herausgekommen ist laut Holger Gayer „eine sehr vielfältige Weinprobe“ für unsere Leserinnen und Leser, die nun die Qual der Wahl haben, ihren Weinmeister aus diesen sechs herausragenden Weinen zu bestimmen.
Für die Vielfalt im Geschmack kann allein schon eine Rebsorte stehen: Sauvignon blanc, dessen Aromenspektrum von grün-kräuterig bis gelb-fruchtig reicht. In Stuttgarts größter Genossenschaft, dem Collegium Wirtemberg, macht man denn auch aus dieser einen Rebsorte drei ganz unterschiedliche Weine, berichtet deren Aufsichtsratsvorsitzender Peter Kurrle. In den Wettbewerb eingereicht haben die Genossen „eine Symbiose aus Grün und Gelb“, wie Peter Kurrle sagt, dessen Sauvignon-blanc-Trauben rund um die Rotenberger Grabkapelle wachsen. Dort wehe auf über 400 Höhenmeter nachts ein kühles Lüftchen, was die Weine schlanker und frischer mache wie auch dieses 2023er „Denkmal“ mit immerhin 13,5 Prozent Alkohol.
Noch frischer allein schon wegen des 2024er Jahrgangs und nur zwölf Prozent Alkohol ist der Sauvignon blanc aus dem Hause Herzog von Württemberg und der Lage Gündelbacher Steinbachhof. Dennoch stehe dieser Wein „mehr auf der gelben Seite“, wie der Betriebsleiter und Kellermeister Joachim Fischer sagt. Angesichts des allgemeinen Rückgangs von Weinkonsum und Rebflächen weiß er, „dass man den Menschen ein Angebot machen muss, das sie annehmen können und wollen“, womit vor allem ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis gemeint ist.
Grauburgunder mit großem Potenzial
Dass man auf einem unsicheren Markt „lernen muss, schneller entscheiden zu können“, hat sein Bruder Martin Fischer erfahren müssen, der bis zuletzt das 2024 insolvent gegangene Familienweingut Sonnenhof leitete. Seit diesem Sommer ist er Geschäftsführender Vorstand der Felsengartenkellerei Besigheim, zu der auch Weinfactum Bad Cannstatt gehört. Von dort hat Martin Fischer einen 2023er Grauburgunder aus der Drei-Sterne-Premiumlinie mitgebracht, der durch Ausbau im Barrique lange lagerfähig ist und auch Holger Gayer begeistert.
Ein Pionier der Piwis
Apropos Alter von Weißweinen: Klaus-Dieter Warth vom gleichnamigen Weingut in Untertürkheim hat sogar einen 2019er im Wettbewerb. Dafür aber eine noch relativ junge, pilzwiderstandsfähige „Piwi“-Sorte – einen Souvignier gris. Vor 31 Jahren schon Pionier auf diesem Gebiet, wollte Warth einen vergleichbaren Wein wie Grauburgunder machen, hat ihn im Barrique ausgebaut und einen „Zukunftswein“ mit viel Schmelz geschaffen, „der aber gar nicht breit ist“ (Gayer), trotz unglaublicher 15 Prozent Alkoholvolumen.
Ein Chardonnay der Extraklasse
Obwohl es in diese Endrunde kein Riesling geschafft hat, ist immerhin eine andere klassische bis königliche Rebsorte im Rennen – ein Chardonnay. Und was für einer! Ein 2023er „Réserve“, der laut Holger Gayer „locker in einer Blindprobe im Burgund mithalten könnte“. Aber der Wein ist ja auch vom vielfach ausgezeichneten Weingut Zimmerle im Remstal „aus unserem Filetstück“ am Korber Berg mit alten Reben, die der Vater in den 90ern gepflanzt hatte, wie Jens Zimmerle erzählt. Aus dem erkenntnisreichen Gespräch mit ihm erfährt man auch, wie wichtig bei aller Kunst im Keller das „saubere Arbeiten im Weinberg“ sei. Bei den Zimmerles zu 100 Prozent mit Handlese bei vielschichtigen natürlichen Faktoren wie Beschaffenheit der Böden, Alter der Rebstöcke und Zeitpunkt der Lese.
Eine emotionale Bindung zum Wein
Aber auch Marketing wird in der Weinszene immer wichtiger, „eine emotionale Bindung aufbauen“, nennt das Christoph Kern von der Wilhelm Kern GmbH im Remstal. Da die Kellerei selbst keine Weinberge hat, betont der Chef der Kern-Weine „das Cuvetieren als das Schöne am Handwerk“. Die einzige Cuvée in dieser Kategorie besteht zu 60 Prozent aus Chardonnay und 40 Prozent Weißburgunder, woraus ein noch jugendlicher 2024er „Kleiner Kreis“ entstanden ist. Der Name dieses Weins stehe sowohl für die Burgunderfamilie als auch für „die intimeren Momente beim Genuss“. Also gerade richtig für die Leserrunden daheim, die nun bis zum 3. November abstimmen können, welches ihr Favorit ist.
Verkostung
Verkostung
Die zweite Weinprobe der Württemberger Weinmeisterschaft 2025 ist unter dem Link https://zeitung-erleben.de/veranstaltungen/ abrufbar. Im Shop711 sind unter https://www.shop711.de/collections/wein noch alle vier Weinpakete der Endrunden erhältlich; das mit den hochwertigen Weißweinen plus eine Kiste Aqua Römer Quelle für 122,20 Euro.