Der frühere Kämmerer Klaus Lang (links) hat die Diskussion um einen Platz für Alt-OB Manfred Rommel angestoßen.Archiv Foto: dpa Quelle: Unbekannt

Von Elke Hauptmann

Stuttgart - Um die angemessene Würdigung des ehemaligen Stuttgarter Oberbürgermeisters Manfred Rommel ist vier Jahre nach seinem Tod eine lebhafte Debatte entbrannt. Die Forderung ehemaliger Wegbegleiter, einen zentralen Platz in der Landeshauptstadt nach dem prominenten Unionspolitiker zu benennen, findet jetzt doch noch Gehör. Sowohl der Gemeinderat als auch die Stadtverwaltung sind dem Ansinnen nicht mehr abgeneigt.

Ist die 2014 erfolgte Benennung des Stuttgarter Flughafens und die Schaffung eines ab 2018 alle zwei Jahre vergebenen Manfred-Rommel-Stipendiums ausreichend, um dieser herausragenden Persönlichkeit gerecht zu werden? Nein, sagt Klaus Lang klipp und klar. „Unabhängig davon sollte die Erinnerung an den allseits geschätzten Alt-Oberbürgermeister und Ehrenbürger in geeigneter und angemessener Form in der Stadt verankert werden - wie bei allen seinen Amtsvorgängern“, macht sich der frühere Finanzbürgermeister und langjährige Wegbegleiter in einem Brief an die Gemeinderatsfraktionen für eine Straßen- oder Platzbenennung für Manfred Rommel (1928-2013) stark.

Dass es eine solche repräsentative Würdigung in der Stadt noch immer nicht gibt, kann Lang nicht nachvollziehen. Ähnlich lange habe keiner von Rommels Vorgängern im Amt auf diese Ehrung warten müssen: Heinrich von Sick, Emil von Rümelin und Arnulf Klett hätten die Ehrung am Ende ihrer Amtszeit oder in ihrem Todesjahr erfahren, Karl Lautenschlager sogar bereits während seiner Amtszeit, Friedrich von Hack und Heinrich von Gauß ein Jahr nach Ende ihrer Amtszeit. „Dabei weist Manfred Rommel nach Arnulf Klett die längste Amtszeit auf.“ Ganze 22 Jahre, von 1974 bis 1966, war er Stadtoberhaupt von Stuttgart. „Ich denke, es ist auch nicht übertrieben, wenn man feststellt, dass Manfred Rommel in der Reihe der großen und bedeutenden Oberbürgermeister unserer Stadt einen ganz vorderen und herausragenden Platz einnimmt“, meint Lang.

Bislang war sein Vorschlag allerdings ausgerechnet in der Stuttgarter CDU auf wenig Begeisterung gestoßen. Kreisverband und Gemeinderatsfraktion hätten „abweisend und schroff“ auf seine neuerliche Bitte reagiert, berichtet der 78-Jährige voller Unverständnis darüber, dass sich die Christdemokraten im Rathaus zwar mit Nachdruck dafür einsetzen, einen Abschnitt der Heilbronner Straße nach dem verstorbenen CDU-Altkanzler Helmut Kohl zu benennen, aber sich in keiner Weise dafür engagieren, einen zentralen Platz auf den Namen ihres früheren Aushängeschildes Manfred Rommel zu taufen. Und weil ihn der Umgang seiner Partei mit einer verdienten Persönlichkeit zutiefst trifft, droht Lang nach 51 Jahren Mitgliedschaft gar mit Parteiaustritt. „Ich lasse sie vorerst ruhen.“

Offenbar hat der Streit in den vergangenen Tagen Wirkung gezeigt. Der verbal heftig von Lang angegangene CDU-Fraktionschef Alexander Kotz lenkte nun ein: „Nicht ganz treffsicher habe ich die Stimmung aufgenommen, dass die Öffentlichkeit zusätzlich auch eine Straße oder einen Platz mit dem Namen ihres früheren Oberbürgermeisters wünscht“, räumte er gestern kleinlaut ein - nachdem nicht nur weitere CDU-Mitglieder, sondern auch andere Ratsfraktionen, etwa SPD und SÖS-Linke-Plus, längst ihre Sympathie für das Begehren bekundet hatten. Es dürfe jedoch nicht irgendein Platz sein, sondern müsste „in städtebaulicher Hinsicht von Bedeutung“ und zudem zur Person passen, so Kotz.

Die Freien Wähler kamen der CDU mit einem entsprechenden Vorschlag zuvor: Der bislang als „Straßburger Platz“ bezeichnete Bereich im künftigen Europaviertel, der auf dem Dach des Tiefbahnhofs beim Bonatz-Bau entsteht, solle nach Manfred Rommel benannt werden, hießt es in einem gestern eingereichten Antrag an die Verwaltung. Das werde zwar noch geraume Zeit dauern, bis dieser fertiggestellt sei, räumt Fraktionschef Jürgen Zeeb ein. „Aber es ist genau der richtige Ort.“ Nicht nur, weil der Alt-OB ein Befürworter von Stuttgart 21 gewesen und ein überzeugter Europäer gewesen sei: Der neue Platz sei stattlich, läge zentral mitten in der Stadt und werde eine zentrale Funktion einnehmen als Bindeglied zwischen Königstraße, Hauptbahnhof und dem künftigen Stadtviertel, in dem Kulturstätten wie ein Konzerthaus und ein neues Linden-Museum geplant seien. Zudem passe der Name zu den nach Politikern benannten Straßen und Plätzen im direkten Umfeld.

Kurz darauf reichte die CDU einen inhaltsgleichen Antrag nach. Es sei wünschenswert, eine exponierte Stelle im öffentlichen Raum Stuttgarts nach Manfred Rommel zu benennen, heißt es darin. „Prädestiniert dafür sind zweifellos die Stadtentwicklungsflächen von Stuttgart 21 - Manfred Rommel gehört zu den Initiatoren dieses Jahrhundertprojekts.“ Auch die Union spricht sich für eine Benennung des Bereichs hinter dem heutigen Hauptbahnhof aus.

Oberbürgermeister Fritz Kuhn und Verwaltungsbürgermeister Fabian Mayer kündigten gestern an, am 30. November dem Ältestenrat ebenfalls einen Vorschlag unterbreiten zu wollen, wie Manfred Rommel zusätzlich durch eine Straße oder einen Platz gewürdigt werden könnte. „Das Anliegen ist mir wichtig und für Stuttgart. Wir suchen daher eine Lösung, die von einer breiten Mehrheit im Gemeinderat getragen wird und gleichzeitig dem Ansehen von Manfred Rommel gerecht wird.“

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