Im Schwarzwald wurde erstmals ein Wolfspaar gesichtet. Dass sich in Baden-Württemberg nun voraussichtlich ein Rudel bildet, bedeutet dennoch nicht „Alarmstufe Rot“, kommentiert unsere Autorin Julia Bosch.
Das Wichtigste vorab: Menschen stehen nicht auf dem Speiseplan von Wölfen. Das Märchen von Rotkäppchen und dem bösen Wolf ist glücklicherweise wirklich nur ein Märchen. Trotzdem haben viele Menschen Angst vor Wölfen – und das ist auch nachvollziehbar. Die Vorstellung, dass ein Wolf mit seinen spitzen Zähnen ein süßes Kälbchen, ein Reh oder ein Schaf verletzt oder gar tötet, ist gruselig und unappetitlich.
Aber das ist eben die Natur. Menschen dürfen sich nicht soweit von ihr entfremden, dass sie alles abschießen wollen, was ihnen Angst macht. Landes-Agrarminister Peter Hauk spricht von „Alarmstufe Rot“, weil in Baden-Württemberg erstmals wieder ein Wolfspaar gesichtet wurde und sich nun vermutlich ein Rudel bildet. Dieser Alarmismus ist überzogen. Dass sich Tiere, die 150 Jahre in Deutschland als ausgerottet galten, wieder hier ansiedeln, ist etwas Gutes. Es hat sich bewährt, Wölfe unter Schutz zu stellen.
Kein Wolf hat Herdenschutzzaun überwunden
Im Jahr 2022 kam es zu 19 Rissen durch Wölfe im Südwesten, teils von mehreren Tieren auf einmal. Zugleich hat im Südwesten bislang kein einziger Wolf die von Experten empfohlenen Schutzmaßnahmen überwunden. Wenn Landwirte und Schäfer in den entsprechenden Gebieten die nötigen Barrieren anbringen, besteht kein Grund zur Panik.
Warum den Wolf nicht so betrachten wie ein Wildschwein? Mit Respekt, aber ohne Angst. Er ist vielleicht nicht für alle ein Segen. Aber ein Fluch ist er auch nicht.