Die Stadt Leinfelden-Echterdingen vermittelt seit 2016 zwischen Wohnungseigentümern und geflüchteten Menschen. Wie es nun mit dem Projekt „LE mietet“ weitergeht.
Als Supersorglos-Paket für Vermieter in Leinfelden-Echterdingen hat vor zweieinhalb Jahren Corinne Belz, die damals verantwortliche Mitarbeiterin des Amtes für sozialen Dienste, das Projekt „LE mietet“ beschrieben. Die Kommune schafft als eine Art Zwischenmieter Wohnraum für Zuwanderer – vermittelt zwischen Wohnungseigentümern und Geflüchteten. Das Projekt wurde 2016 ins Leben gerufen, nachdem sehr viele Syrer nach Deutschland gekommen waren. 280 Menschen sind aktuell in LE-mietet-Wohnungen untergebracht. Zwei Drittel davon sind vor dem russischen Angriffskrieg geflohen, ein Drittel kommt aus dem Rest der Welt.
Die Vermieter können sich darauf verlassen, dass die Miete von der Stadt pünktlich überwiesen wird. Die Kommune übernimmt auch die Nebenkosten. Für eventuelle Schäden springt diese ebenfalls ein. Corinne Belz hatte damals festgestellt, dass die Vermieter kaum Interesse daran haben, ihre Wohnung nach Ablauf von zwei Jahren wieder auf dem freien Wohnungsmarkt anzubieten oder sie direkt an die bisherigen Bewohner zu vermieten. Dies hat sich verändert. Vassiliki Tarta, die diese Aufgabe Mitte 2024 übernommen hat, ist es gelungen, 49 LE-mietet-Verträge in normale Mietverträge umzuwandeln. Diese Bewohner haben ihre vier Wände mittlerweile direkt vom Eigentümer gemietet. „Wir kommen mittlerweile sehr gut mit privaten Mietverträgen zurecht. Die Bewohner haben uns dabei geholfen“, sagt die städtische Mitarbeiterin.
Das Projekt spart der Kommune viel Geld. Sie muss für diese geflüchteten Menschen keine Unterkünfte bauen, denn sie kommen ja in privaten Wohnungen unter. Im ersten Quartal dieses Jahres hat die Stadt für die etwas mehr als 100 Wohnungen eine Miete von rund 295 000 Euro pro Monat bezahlt und im Gegenzug von den Menschen, die dort wohnten, eine Nutzungsentschädigung von rund 267 000 Euro erhalten. Zur Erklärung: Die Bewohner sind in der Regel Empfänger von Transferleistungen. Der Zuschuss der Stadt liegt aktuell bei etwa 86 Euro pro Person und Monat.
Die Stadt muss die Renovierung übernehmen
„Die laufenden Kosten sind für uns relativ kostenneutral“, sagt Roman Stuiber, Leiter des Amtes für soziale Dienste. Die Stadt ist allerdings verpflichtet, nach einem Auszug oder Umzug die Kosten für die Renovierung der Wohnungen zu übernehmen, Schäden zu beseitigen. „Das kann auch mal richtig ins Geld gehen“, sagt er. Die Summe dafür variiere jährlich zwischen 80 000 und 100 000 Euro. Wobei die Bewohner künftig an diesen Schäden beteiligt werden sollen – zumindest wenn diese mutwillig entstanden sind – als Signalwirkung. Ein Vielfaches solcher Kosten falle im Übrigen bei den Gemeinschaftsunterkünften an, sagt Bürgermeister Carl-Gustav Kalbfell. „Wir werden das Projekt weiter betreiben, sehen aber, dass wir personell an Grenzen kommen“, sagt er. Will heißen, die Anzahl der Wohnungen könne nicht erhöht werden.
Wenn jemand, der bisher in einer Containerunterkunft gelebt hat, eine Wohnung über „LE mietet“ bekommt, ist das laut Stuiber ein erster, wichtiger Schritt in seine Integration. Ziel des Projektes sei es aber auch, dass diese Mietverträge nach einer gewissen Zeit in Privatmietverträge umgewandelt werden. „Das bedeutet: Wir als Stadt mieten zunächst an, möchten aber, dass die Vermieter nach zwei, drei Jahren einen Mietvertrag mit den Bewohnern selbst schließen“, erklärt er.