Wohnen in Halbhöhenlage wie hier in der Leonberger Burghalde ist eine Frage des Geldbeutels. Foto: Simon Granville

Der Altkreis ist geprägt von hoher Lebensqualität und der Nähe zu Stuttgart. Warum das Geschäft mit Häusern und Wohnungen gerade so schwankt, erklärt ein Makler-Experte.

In der Regel sorgen ein starker Arbeitsmarkt, ein stabiles Einkommen und wirtschaftliches Wachstum auch für einen stabilen Immobilienmarkt. Eine weitere Regel: Bei niedrigen Zinsen können sich mehr Menschen Kredite leisten, die Nachfrage nach Immobilien steigt. Aktuell herrscht allerdings weltweit eine große Unsicherheit. Wie sich diese auf den Immobilienmarkt aussieht, weiß der Leonberger Experte Bernd Bannasch.

„Der Altkreis Leonberg ist geprägt von einer hohen Lebensqualität, seiner Nähe zu Stuttgart und einer gut entwickelten Infrastruktur und zeigt sich als attraktiver Immobilienstandort“, sagt der Immobilienmakler, der seit mittlerweile 35 Jahren seinen Beruf ausübt. „Die Entwicklungen in den letzten Jahren und vor allem die aktuelle Marktsituation sind von einer dynamischen Nachfrage sowie teilweise knappen Angeboten geprägt.“ Das Jahr 2025 ist von zahlreichen Krisen weltweit geprägt: Der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine dauert an, die internationale Gemeinschaft zeigt sich besorgt. Die von US-Präsident Donald Trump eingeführten Zölle haben zu globalen Handelsstreitigkeiten geführt, die insbesondere exportorientierte Länder wie Deutschland hart treffen.

Unsicherheit auf den Finanzmärkten

Diese Krisen wirkten sich in Folge auch auf den Immobilienmarkt aus. „Die makroökonomischen Einflüsse wie Inflation und Zinserhöhung hatten in den letzten Monaten spürbare Auswirkungen auf den Immobilienmarkt“, sagt Bannasch. Die steigenden Baukosten, gepaart mit einer allgemeinen Unsicherheit auf den Finanzmärkten, hätten das Kaufverhalten sowohl von privaten Käufern als auch von Investoren beeinflusst. „Die Nachfrage nach Wohnraum bleibt im Altkreis Leonberg dennoch stabil“, sagt der Experte, der sein Augenmerk ausschließlich auf Bestandsimmobilien legt. Neubauten seien in der Regel in privaten Händen oder aber Sache von Investoren und Bauträgern. Allerdings: Das Angebot an Bestandsimmobilien werde derzeit knapper. „Im Vergleich zum Vorjahr haben wir 50 Prozent weniger Immobilien in unserem Portfolio.“

Welche Objekte sind gefragt? „Wir haben viele Familien, die drei bis fünf Zimmer suchen oder aber ein Reihen- beziehungsweise Doppelhaus“, sagt Bannasch. Zudem sei eine neue Generation herangewachsen, die Interesse an einer Ein- oder Zwei-Zimmer-Wohnung als Kapitalanlage hätten. „Gefragt ist alles, denn letztendlich entscheidet auch der Geldbeutel darüber, welche Immobilie in welcher Wohnlage realisierbar ist.“ Am teuersten in der Region seien die Halbhöhenlagen in Leonberg und Gerlingen.

Potenzielle Käufer und Verkäufer halten sich zurück

Die Verkaufspreise für Immobilien hätten zugelegt. Einfamilienhäuser im Altkreis Leonberg würden durchschnittlich zwischen 500 000 und 800 000 Euro kosten, wobei die Preise je nach Lage, Größe und Zustand deutlich variieren könnten. „In den letzten Jahren stiegen die Preise um rund 10 Prozent pro Jahr. Seit 2023 haben die Verkaufspreise allerdings etwas abgenommen.“ Allerdings sei eine allgemeine Verunsicherung spürbar – aufgrund von Arbeitslosigkeit, Kurzarbeit oder auch zahlreichen Firmen-Insolvenzen. Potenzielle Käufer würden sich derzeit eher zurückhalten, Immobilienbesitzer warteten derzeit eher ab. „Momentan verkaufen diejenigen, die verkaufen müssen“, sagt Bernd Bannasch. Senioren, die ins Pflegeheim müssten, Erbengemeinschaften oder Immobilienbesitzer, die vor einem Umzug stünden oder finanzielle Engpässe hätten. Ist das einer vielleicht auch einer schwäbischen Zurückhaltung geschuldet?

Denn der Immobilienverband Deutschland (IVD) sieht aktuell wieder einen positiveren Trend. „Infolge der Zinswende Anfang 2022 hatte sich die Nachfrage nach Wohnimmobilien zum Kauf erheblich zurückentwickelt. In Verbindung mit strengen Kreditvergabekriterien der Banken mussten zahlreiche Kaufwillige ihren Traum vom Eigenheim zurückstellen“, erklärt Professor Stephan Kippes, Leiter des IVD-Marktforschungsinstituts in München. Das zeigte sich auch daran, dass deutlich weniger neue Wohnungsbaukredite abgeschlossen wurden. Nun sei in den vergangenen Monaten wieder eine spürbare Zuversicht eingekehrt. „Im Zuge dieses Erholungskurses stieg die Anzahl der Kaufabschlüsse sowie auch das Volumen bei Wohnungsbaukrediten wieder merklich an“, beschreibt Kippes den Trend in den südlichen Regionen Deutschlands.