Wohnen für junge Menschen in Stuttgart bleibt teuer: Laut einer Studie steht die Stadt gleich in zwei Negativ-Kategorien ganz weit vorne.
Es klingt erst einmal nach einer guten Nachricht, was Michael Voigtländer über den studentischen Wohnungsmarkt in Stuttgart sagt: „Es gibt eine gewisse Entspannung.“ Allerdings bezieht sich der Immobilienexperte vom Institut der deutschen Wirtschaft mit seiner Aussage lediglich auf die Mietpreissteigerung: Die fällt in diesem Jahr mit 1,4 Prozent vergleichsweise moderat aus; in den drei Vorjahren lag sie im Schnitt bei 3,6 Prozent. Zu diesem Ergebnis kommt der MLP Studentenwohnreport 2025 zur Mietentwicklung an 38 deutschen Hochschulstandorten, den der Finanzdienstleister MLP nun mit dem arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW) veröffentlicht hat.
Bafög-Wohnkostenpauschale reicht nur in drei Städten aus
Weniger entspannt wird es beim Vergleich der Median-Mieten für kleine Wohnungen (unter 40 Quadratmeter). Hier steht Stuttgart im Negativ-Ranking der Untersuchung zusammen mit Frankfurt und Freiburg auf Platz zwei hinter München. 19 Euro Kaltmiete je Quadratmeter werden in den drei Städten im Mittel fällig, in München sind es 26 Euro.
Mit der monatlichen Bafög-Wohnkostenpauschale von 380 Euro können Studierende der Untersuchung zufolge lediglich in Bochum, Magdeburg und Chemnitz die Miete der 30-Quadratmeter-Musterwohnung (warm) komplett abdecken. In München bekommt man dafür lediglich 15 Quadratmeter kalt, in Stuttgart, Frankfurt und Freiburg 20 Quadratmeter – diese Städte teilen sich in dieser Kategorie den zweiten Negativ-Platz.
Studierendenwerk Stuttgart: Können vermutlich auch 2025 nicht alle unterbringen
Vergleichsweise günstig sind die Zimmer in Wohnheimen. Das Studierendenwerk Stuttgart betreibt 22 Wohnanlagen mit insgesamt 3779 Wohnplätzen. Studierende zahlen dort durchschnittlich 396 Euro, wie Geschäftsführer Marco Abe mitteilt – also nur etwas mehr, als die Bafög-Pauschale abdeckt. Aber: „Wir können in Stuttgart vermutlich auch 2025 nicht alle Studierenden unterbringen“, sagt Abe. „Auf den Wartelisten in Stuttgart-Mitte stehen derzeit 591 Personen.“ Immerhin: In den vergangenen Jahren seien die Wartelisten kleiner geworden. „2024 standen in Stuttgart-Mitte 940 Studierende auf der Warteliste, von denen zu Beginn des Wintersemesters nur noch rund ein Drittel Wohnraum benötigten“, teilt Abe mit.
Für Niveauvergleiche zwischen den Städten eignen sich der Studie zufolge vor allem die hypothetischen Mietkosten für eine studentische Musterwohnung. Bei diesem Modell geht man von identischen Wohnungen in gleicher Lage aus. Dabei landet Stuttgart auf Platz acht der teuersten untersuchten Hochschulstädte: 640 Euro für 30 Quadratmeter betragen die Mietkosten hier (warm). Den ersten Platz belegt erneut München (837 Euro für die 30-Quadratmeter-Musterwohnung), auf den Plätzen dazwischen liegen Frankfurt, Köln, Heidelberg, Berlin, Münster und Freiburg. Zum Vergleich: Chemnitz ist mit 296 Euro am günstigsten. Bei den Muster-WG-Zimmern von 20 Quadratmetern ist Stuttgart mit 593 Euro an neunter Stelle (Platz eins: München mit 790 Euro, Platz 38: Chemnitz mit 274 Euro).
Insgesamt bleibt der Wohnungsmarkt für Studenten in Deutschland angespannt. Dem MLP Studentenwohnreport zufolge sind die Kosten für studentisches Wohnen im vergangenen Jahr im Schnitt um 2,3 Prozent gestiegen. Mit Blick auf die vergangenen drei Jahre zeigt sich laut Report ein durchschnittlicher Anstieg von 4,6 Prozent pro Jahr.
Die studentischen Mieten in Berlin gingen nach zuvor extremen Steigerungen erstmals leicht zurück (minus 0,8 Prozent). Die höchsten Mietsteigerungen in den letzten drei Jahren gab es in Leipzig, Freiburg und Konstanz mit jeweils mehr als 6 Prozent pro Jahr, während es auf dem Markt in Chemnitz, Trier und Stuttgart sowie Würzburg, Tübingen und Ulm vergleichsweise weniger dynamisch zuging. Im aktuellen Untersuchungszeitraum war Rostock mit einem Anstieg um 9,1 Prozent Spitzenreiter.