Viele offene Fragen wie etwa ÖPNV-Anbindung beherrschen das linke Lager im Stuttgarter Gemeinderat. Dennoch breite Zustimmung für das weitere Vorgehen der Verwaltung.
Vor einer Woche präsentierte die Nokera AG, die den sogenannten Eiermann-Campus in Stuttgart-Vaihingen von der Adler-Group erwerben möchte, im Ausschuss für Stadtentwicklung ihre Pläne für das rund 20 Hektar große Gelände am Rande der Stadt. Höchste Zeit, denn angesichts der Wohnungsnot in der Landeshauptstadt wären rund 2000 Wohneinheiten Balsam für die Seele.
Mehr Skepsis als Freude
Doch man wird das Gefühl nicht los, dass bei einigen Fraktionen nach wie vor mehr Skepsis als Freude über den potenziellen Investor herrscht. Zwar hatte der Bezirksbeirat Vaihingen sich vor einigen Tagen mehrheitlich für das weitere Vorgehen der Stadt ausgesprochen, doch im Ausschuss für Stadtentwicklung wurde erneut fast 90 Minuten über die möglichen Gefahren und Fehlentwicklungen diskutiert.
SWSG soll Wohnungen kaufen
Zumindest im öko-sozialen Lager. SPD/Volt hatte sogar einen Antrag gestellt. Mit diesem fordert die Fraktionsgemeinschaft unter anderem, dass das Vorkaufsrecht der Stadt bestehen bleiben müsse. Zudem sollen 25 Prozent der geförderten Wohnungen auf dem Eiermann-Campus mittelfristig an die SWSG verkauft werden. „Wir haben einfach schlechte Erfahrungen gemacht“, begründete Lucia Schanbacher den Antrag. Und für Stuttgarter sei es nun einmal wichtig, mehr bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.
Beate Schiener (Die Grünen) fordert vor allem konzeptionelle Qualität, eine Sanierungsverpflichtung der Bestandsgebäude und die Klärung der Verkehrsanbindung. „Wir haben Angst, dass hier eine Schlafstadt entstehen könnte“, so Schiener. Da angesichts der schlechten Haushaltslage eine Stadtbahnanbindung eher unrealistisch ist, brachte sie erneut das Thema Seilbahn ins Spiel. Hannes Rockenbauch (SÖS/Die Linken) hat ebenfalls große Sorge, dass hier eine Trabantenstadt geplant werde. Der Stadtrat bezweifelt weiterhin, dass die Stadt überhaupt ein neues Wohnquartier benötige.
Das bürgerliche Lager spricht dagegen von einem guten Konzept (Carl-Christian Vetter, CDU), das zudem laut Cornelius Hummel von der FDP „alternativlos“ ist. Auch Christoph Ozasek (Puls) sieht eine Chance für Stuttgart.
Gemeinderat stimmt zu
„Wir haben weiterhin Vorkaufsrecht, üben es jedoch nur nicht aus“, betonte noch einmal Baubürgermeister Peter Pätzold. Auch sei es Fakt, dass es sich bei der Nokera-Präsentation nur um einen Vorentwurf gehandelt habe, der Grundlage für die weiteren Schritte sei. Grundlage bleibt die bisherige städtebauliche Planung, die qualitätsvoll fortgeschrieben wird. Zugleich ist vorgesehen, dass rund 60 Prozent der Wohnungen als bezahlbarer und geförderter Wohnraum nach dem Stuttgarter Innenentwicklungsmodell (SIM) realisiert werden. Bislang waren nur 20 Prozent Wohnungen dafür vorgesehen. Vorgabe bleibt zudem die Sanierung der denkmalgeschützten Eiermann-Gebäude und der Erhalt der zugehörigen Freiflächen. Bei zwei Gegenstimmen (SÖS/Die Linke) wurde dem weiteren Vorgehen der Stadtverwaltung zugestimmt.