Unweit des Sky-Hochhauses in Bietigheim entsteht mit dem Aurain-Carré ein neues Wohngebiet. Foto: Simon Granville

Rund 600 neue Wohnungen könnten in den nächsten Jahren rund um den Bietigheimer Bahnhof (Kreis Ludwigsburg) entstehen. Warum die Stadt bei der Baugeschwindigkeit eher bremst.

50 000 neue Wohnungen werden nach einer Prognose des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung pro Jahr in Baden-Württemberg gebraucht. Für den Landkreis Ludwigsburg sehen die Experten einen Bedarf von jährlich bis zu 2400 neuen Wohnungen.

Da ist die Stadt Bietigheim-Bissingen insofern in einer komfortablen Situation, als sie gleich mehrere Flächen hat, die sich für den Wohnungsbau eignen. Bei einer Informationsfahrt mit dem Gemeinderat zeigten Stadtverwaltung und das städtische Unternehmen Bietigheimer Wohnbau, wo in den nächsten Jahren die meisten Wohnungen entstehen – und warum man nicht überall schnell baut.

Zu Beginn des kommenden Jahres soll der Bau der ersten Wohnungen auf dem früheren Elbe-Areal – jetzt bekannt als Aurain-Carré – beginnen. Die Fläche befindet sich nördlich vom Bietigheimer Bahnhof. Insgesamt sollen dort für etwa 120 Millionen Euro bis 2034 rund 220 Wohnungen entstehen. Die Wohnungen sollen erst nach und nach gebaut werden, zum Start erst einmal in der Größenordnung von 44 Wohneinheiten pro Jahr.

Die ehemalige Firmenzentrale der Bietigheimer Wohnbau könnte Platz für viele neue Wohnungen machen. Foto: Simon Granville

Laut Carsten Schüler, dem Chef der Wohnbau, wird nicht schneller gebaut, weil die Rahmenbedingungen für den Wohnungsbau das nicht hergeben. Er spielt damit auf die gestiegenen Zinsen und Baukosten an. Gleichzeitig hat die Wohnbau mehrere Eisen im Feuer.

Ehemalige Firmenzentrale kostet noch viel Unterhalt

Beim Lothar-Späth-Carré südlich des Bahnhofs sind in den vergangenen Jahren bereits fast 200 Wohnungen entstanden, in einem weiteren Bauabschnitt auf dem Gelände wären noch einmal 200 Wohnungen möglich. Das hängt aber auch von der Einigung mit Wohnbau Layher ab. Dem Unternehmen gehören Teile des Geländes und bislang gibt es keine Einigung, wer wie und wo bauen darf in dem Bereich hinter der neuen Firmenzentrale der Bietigheimer Wohnbau.

Das Gebäude, das wie ein Schiff aussieht, ist mittlerweile bezogen. Die alte Zentrale in der Berliner Straße weiter südlich im Ortsteil Buch steht seit Kurzem leer. Selbst ohne das Gebäude zu heizen koste es die Bietigheimer Wohnbau im leeren Zustand mehr als 20 000 Euro an Unterhalt pro Monat, sagt Schüler. Er drängt deshalb auf eine neue Nutzung, weil der Unterhalt bald aufgegeben wird und das Gebäude dann verfällt.

Neue Wohnungen zu bauen, hat weitreichende Folgen für Stadt

Der Plan ist, den Komplex abzureißen, und auf dem 1,2 Hektar großen Gelände neue Wohnungen zu bauen. Die Wohnbau sieht Potenzial für 150 bis 200 Wohnungen. Die Entwicklung würde wohl 80 Millionen Euro kosten und könnte 2030 bis 2038 abgeschlossen sein. „Das steht alles noch nicht fest. Da hat der Gemeinderat das letzte Wort“, warf Oberbürgermeister Jürgen Kessing ein.

Kessing wies darauf hin, dass ein solches Projekt weitreichende Folgen hätte: „Wir brauchen dann eine neue Kita und vielleicht eine neue Schule.“ Das sei alles zu bedenken, weil das wieder auf die Stadt als Kosten zukomme. Kleinere Schritte im Wohnbau scheinen momentan deshalb beliebter zu sein.

Ganz außen vor gelassen wurde bei der Fahrt das Bogenviertel auf dem ehemaligen DLW-Gelände gegenüber des Bahnhofs. Auch dort sollen einmal Wohnungen entstehen, allerdings wohl erst im Anschluss an die vorgenannten Gebiete.