Der Schwabenlandtower – hier eine Aufnahme vom Frühjahr 2017, kurz nach der Insolvenz des Investors Foto: Dirk Herrmann

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat die Insolvenz von 2016 ins Visier genommen. Dem Investorenduo wird vorsätzliche Insolvenzverschleppung und Marktmanipulation vorgeworfen. Was bisher bekannt ist.

Man mag sich wundern, wie langsam die Mühlen der Justiz mahlen. Acht Jahre ist es inzwischen her, dass die Initiatoren des damals noch Gewa-Tower genannten Wohnturms im Osten der Fellbacher Kernstadt in die Insolvenz gingen. Den Investoren – ein Vater und sein Sohn, die ihren Unternehmenssitz in einem erstaunlich kleinen Büro im Esslinger Stadtteil Mettingen hatten – war lange vor der Vollendung des 60-Millionen-Euro-Projekts das Geld ausgegangen. Sie hatten nicht genügend der vorgesehenen 64 Luxuswohnungen speziell in den oberen Etagen verkaufen können. Das Projekt musste im November 2016, zwei Monate nach dem freudig zelebrierten Richtfest, gestoppt werden.

Vom Gewa-Tower zum Schwabenlandtower 107

Sensationelle Perspektive: Die Tower-Baustelle im Jahr 2020. Foto: Patricia Sigerist

Seitdem war von den damaligen Investoren quasi nichts mehr offiziell zu hören. Der 107 Meter hohe Wolkenkratzer firmiert seit einigen Jahren unter dem Namen Schwabenlandtower 107. Doch der aktuelle Investor, die Adler Group, ist ebenfalls in finanziellen Schwierigkeiten und sucht seit mittlerweile eineinhalb Jahren einen Käufer für das unvollendete Hochhaus.

Nun steht ein neues Kapitel an, jedoch kommt keine Erfolgsmeldung der Übernahme durch einen anderen Investor. Vielmehr kommt Leben in die offenkundig justiziable Sache. Denn die Ermittlungsbehörden haben sich mit dem Fall befasst und dabei insbesondere die acht Jahre zurückliegenden Vorgänge ins Visier genommen.

Dies bestätigt ein Sprecher des Landgerichts Stuttgart auf Nachfrage, wobei die entsprechenden Aktivitäten auch schon wieder etliche Monate zurückliegen. „Im Zusammenhang mit Vorgängen um den Gewa-Tower aus dem Jahr 2016 hat die Staatsanwaltschaft Stuttgart am 20. September 2023 Anklage gegen zwei Beschuldigte erhoben“, teilt das Landgericht mit. „Diesen wird eine vorsätzliche Insolvenzverschleppung in zwei Fällen, betreffend einer Kommanditgesellschaft sowie der Komplementär GmbH, vorgeworfen“, so der Sprecher.

Außerdem wirft die Staatsanwaltschaft ihnen Marktmanipulation in zwei Fällen vor. „Hierbei sollen die beiden Beschuldigten in einem Fall durch eine Ad-hoc-Mitteilung und eine Mitteilung gegenüber der Presse sowie im anderen Fall durch eine Ad-hoc-Mitteilung falsche und irreführende Angaben über die wirtschaftlichen Verhältnisse verbreitet und hierdurch den Börsenpreis der Gewa-Anleihe stabilisiert haben“, erläutert der Landgerichtssprecher.

Derzeit noch keine Verhandlungstermine in Sicht

Baukran im September 2022 Foto: Gottfried Stoppel

Das Verfahren wird am Landgericht Stuttgart unter dem Aktenzeichen 11 KLs 158 Js 86054/18 geführt. Über die Eröffnung des Hauptverfahrens und die Zulassung der Anklage wurde bislang nicht entschieden. „Dementsprechend sind derzeit keine Verhandlungstermine bestimmt, und es ist nicht absehbar, wann dies erfolgen wird.“

Konkrete Namen von Beschuldigten könne das Landgericht wie üblich nicht bestätigen, heißt es. Aber in Fellbach ist bekannt, um wen es in dieser Anklageerhebung geht.