Quelle: Unbekannt

Wie sieht Deizisau heute aus? Wie soll der Ort 2035 aussehen? Diese Fragen beantworteten etwa 70 Besucher des „Bürgerdialogs“ in der Alten Kelter.

DeizisauAls „Wunschkonzert“ sieht Bürgermeister Thomas Matrohs den Bürgerdialog nicht. Wohl aber als Basis für einen „langfristigen Handlungsrahmen“, an dem sich der Gemeinderat und die Verwaltung die nächsten zehn bis 15 Jahre orientieren können. Etwa 70 Bürger waren der Einladung in die Alter Kelter gefolgt und hefteten jede Menge Wunsch- und Kritikzettel an die Stellwände. Gestaltung und Funktion des Marktplatzes liegen offenbar sehr vielen Bürgern am Herzen. Wo und wie kann man in Deizisau wohnen und bauen? Diese Frage tauchte in vielen Varianten auf. Mit Sorge betrachten die Bürger das Gastronomiesterben im Ort.

Wissen, was die Bürger wollen, ist für Matrohs ein Grund, den „ intensiven Dialog“ zu betreiben. Eine Gemeinde muss aber die Bürgerbeteiligung auch beweisen, um an Fördergelder, beispielsweise aus dem Städtebauprogramm, zu gelangen. Das verheimlichte der Bürgermeister nicht. Um den Dialog zu unterstützen und die Handlungsziele zu definieren, hat die Gemeinde das Büro STEG (Stadtentwicklung GmbH) eingeschaltet. Es wird im Februar und März Daten erheben, die dem Gemeinderat dann bei seiner Klausurtagung in der zweiten Märzhälfte zur Verfügung stehen werden, zusätzlich zu den zahlreichen Anregungen der Bürger. Die STEG werde beispielsweise eine Flächenbilanz inklusive vorhandener Baulücken aufstellen, kündigte Moderatorin Wiebke von Wietersheim an. Das Thema Klimaschutz werde man unter verschiedenen Aspekten einarbeiten, etwa bei der Gestaltung des Marktplatzes, der sich eventuell mit mehr Schatten gegen heiße Sommer wappnen könnte. Bereits in diesem Sommer soll das Konzept für die nächsten drei, fünf, zehn bis 15 Jahre präsentiert werden.

Treffpunkte für Jugendliche ein Thema

Was zeichnet Deizisau heute aus? Wo liegen die Schwächen? Mit grünen und rosaroten Kärtchen konnten die Bürger ihre Haltung deutlich machen. Visionen für „Deizisau morgen“ durften sie mit blauen Karten an die Wand pinnen. Nach einer halben Stunde hatten sich die Stellwände gefüllt. Unter dem Titel Freizeit/Kultur hingen – erwartungsgemäß – einige grüne Zettel, die das umtriebige Vereinsleben lobten. Noch glücklicher wären manche Bürger aber, wenn es ein Haus der Vereine geben würde. Sportstätten erhalten und modernisieren, das wird ebenfalls erwartet. Offene Treffpunkte für Jugendliche, das ist ein Vorschlag, der auch in der Sozialraum-Analyse im vorigen Jahr genannt wurde, die sich speziell mit der Lage der jungen Leute befasst hatte.

Das Ortsbild. Nicht ganz überraschend füllte sich diese Stellwand im Eiltempo – vorwiegend mit rötlichen Karten. „Steinwüste Marktplatz“, „Begegnungszone statt Parkzone“, mehr Einkaufsmöglichkeiten – der Handlungsauftrag an den Gemeinderat, der das Thema Marktplatz angesichts anderer Aufgaben zurückgestellt hatte, war eindeutig. Auf der roten Seite fand sich auch die Kritik an der Parkplatzsituation in den Wohngebieten, die gelegentlich schon in der Bürgerfragestunde angesprochen wurde. Das Neckarufer, das vor etlichen Jahren etwas zugänglicher gemacht worden ist, könnten sich die Bürger noch einladender vorstellen, sogar mit „Neckar-Café“.

Verbindung zum Altbacher Bahnhof bleibt Dauerbrenner-Thema

Eine „Strategie für den Umgang mit Baulücken“, empfiehlt ein Dialogbürger, die „Innenentwicklung mit Maß“ ein anderer oder eine andere. Das Zubauen von Kaltluftschneisen soll aber ebenfalls verhindert werden. Die ärztliche Versorgung im Ort beschäftigt viele Menschen. Sie würden gerne wissen, wie es um die Zukunft der Arztpraxen bestellt ist und ob es Möglichkeiten für Fachärzte gibt. Das Thema Gesundheitshaus ist im Gemeinderat schon angekommen.

Ein Dauerbrenner ist die Verbindung zum Altbacher Bahnhof. Die Brücke wird von Radfahrern und Fußgängern als unsicher empfunden. Deshalb wäre die Anknüpfung an den geplanten Radschnellweg ein Riesenfortschritt, denn dann käme die Rad- und Fußwegbrücke über den Neckar. Doch das zählt zu den Projekten, die Deizisau nicht selbst in der Hand hat, wie Bürgermeister Matrohs immer wieder betont. Ein Dauerärgernis in Deizisau: Der Fastfood-Müll am Straßenrand.

Der Gemeinderat, so versprach Matrohs, werde sich mit allen Anregungen befassen. Eines sei jedoch zu vermeiden: dass sich Wünsche gegenseitig ausspielen. Aufgabe des Gemeinderats sei, das unter einen Hut zu bringen. „Nur dann kriegt man eine Weiterentwicklung hin.“ Das Ergebnisprotokoll des Bürgerdialogs soll noch auf der Homepage der Gemeinde veröffentlicht werden.

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