Die Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft baut in Obertürkheim ein Wohnquartier. Foto: Visualisierung SWSG/Köster GmbH

Auf einer Brache baut die Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft ein Wohnquartier. Wie entsteht zwischen Gleisen und Weinbergen ein lebenswerten Ort?

Ein besserer Name ist gefunden. Was im Sommer 2022 als „Güterbahnhof-Areal“ bezeichnet wurde, heißt jetzt „StadtQuartier Obertürkheim“, vorläufig zumindest. Korrekt sind beide Namen: Die Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft (SWSG) entwickelt auf dem einstigen Güterbahnhof im Stuttgarter Bezirk Obertürkheim ein Quartier mit 136 Wohnungen – 110 öffentlich geförderte Sozialmietwohnungen und 25 Eigentumswohnungen. Versorgt wird das neue autofreie Quartier über Fernwärme.

Auf der Brache, die an den Bahnhof Obertürkheim und an den Firmensitz der SWSG grenzt, entstehen außerdem eine Stadtteilbibliothek sowie eine sechsgruppige Kindertagesstätte. Realisiert werden zudem eine Pflege-Wohngemeinschaft sowie Büro- und Gewerbeflächen.

Das Stuttgarter Wohnquartier entsteht auf einer Brache

Kostenpunkt: 60 Millionen Euro. 2028 soll alles fertig sein. Dass sich der Baustart von 2024 auf voraussichtlich Herbst 2026 verschoben hat, liegt allerdings nicht an der zu lange währenden Namensfindung. „Durch Verzögerungen im Bebauungsplanverfahren kam es zu Anpassungen im Zeitplan“, sagt SWSG-Sprecherin Saskia Bodemer-Stachelski.

Erhalten hat den Bauauftrag nun als Generalübernehmer die Firma Köster mit Hauptsitz in Osnabrück und zahlreichen Niederlassungen (etwa in Leinfelden-Echterdingen) als Generalübernehmer, die auf Basis der städtebaulichen Leitidee des Büros a+r Architekten das Projekt plant und umsetzt.

Das renommierte und vielfach ausgezeichnete Stuttgarter Architekturbüro, das den städtebaulichen Wettbewerb gewonnen hatte, ist bei der weiteren Planung aber nicht mehr involviert, dies war auf Anfrage unserer Redaktion bei a+r Architekten zu erfahren.

„Natürlich schade, dass wir von a+r Architekten den gewonnenen Wettbewerb nicht fertig planen können“, sagt der Architekt und Geschäftsführer von a+r Architekten Alexander Lange, „trotzdem freuen wir uns, dass die SWSG mit der Firma Köster jemand gefunden hat, der sich streng an unserem städtebaulichen Entwurf orientiert.“

Die Strategie, auf einen Generalübernehmer zu setzen, habe unter anderem organisatorische Gründe, teilt die SWSG auf Anfrage mit: „Im Vergleich zur Vergabe einzelner Gewerke mit einem klassischen Planungsteam – bestehend aus Architekten und Fachplanern – verringern sich bei der Zusammenarbeit mit einem Generalübernehmer die Schnittstellen und damit der Koordinationsaufwand für den Bauherrn spürbar.“

Stuttgarter Bauherrschaft setzt auf Planungssicherheit

Auf der Brache in Stuttgart-Obertürkheim entsteht ein Quartier mit 136 Wohnungen. Foto: Mathias Kuhn

Ein Generalübernehmer übernehme erhebliche Planungsleistungen und arbeite in frühen Projektphasen schon eng mit Architekten zusammen, sagt die SWSG-Sprecherin Saskia Bodemer-Stachelski. Ein weiterer Aspekt sei „die frühzeitige Kostensicherheit, da sämtliche Leistungen bis hin zum Ausbau und zu den Außenanlagen direkt und möglichst früh vergeben werden.“

Generalübernehmer auch bei prominentem Stuttgarter „IBA 27“-Projekt

Die SWSG arbeitet beispielsweise bei den Wohnhöfen am Römerkastell und der Böckinger Straße ebenfalls mit Generalübernehmern zusammen.

Auch andere Bauherrschaften setzen auf das Modell, allerdings auch während des Baus weiterhin in enger Zusammenarbeit mit dem jeweiligen Architekturbüro: Das IBA 27-Projekt „Weissenhof.Forum“ in Stuttgart wird derzeit von dem Generalübernehmer Zech mit Sitz in Bremen und Niederlassungen unter anderem in der Landeshauptstadt Stuttgart und dem Architekturbüro Barkow Leibinger gebaut. Das Landratsamt in Plochingen wurde von den Stuttgarter LRO Architekten und dem baden-württembergischen Generalübernehmer Georg Reisch gestemmt. Zeit- und Kostenrahmen wurden gehalten.