Ein EWB-Wohnprojekt war die Fertigstellung des Hauses in der Flandernstraße 43 mit 33 Wohnungen auch für Mitarbeitende von Pflegeheimen: Zur Schlüsselübergabe trafen sich im März EWB-Geschäftsführer Hagen Schröter, Jennifer Werner von den Städtischen Pflegeheime Esslingen, OB Matthias Klopfer, Johannes Sipple von der Sozialstation, der stellvertretende EWB-Aufsichtsratsvorsitzende Kai Scholze und Georg Glaser von der ITG Immobilien Treuhand Gruppe. Foto: Roberto Bulgrin

Mieten und Bauen ist in Esslingen teurer geworden. Wie sich die Preise entwickeln werden, war ein Thema bei der Vorstellung der Bilanz der Esslinger Wohnungsbau (EWB).

Nur ein extrem hoher Lottogewinn gewährleistet wegen der hohen Kosten noch ein sorgenfreies Wohnen ohne Alpträume? Das ist zwar eine starke Übertreibung, doch die Preise für Bauen und Mieten gingen auch 2024 nach oben. Billiger wird es wohl nicht werden, wurde auf der Bilanzpressekonferenz der Esslinger Wohnungsbau GmbH (EWB) vorgerechnet.

Schnäppchen sehen anders aus. Die durchschnittliche Nettokaltmiete 2024 bei der preisgünstigeren Esslinger Wohnungsbau (EWB) beziffert EWB-Geschäftsführer Hagen Schröter mit 8,04 Euro pro Quadratmeter. Die ortsübliche Vergleichsmiete in Esslingen gibt er mit 9,74 Euro pro Quadratmeter an.

Die Esslinger Wohnungsbau mit Sitz in der Mettinger Straße wurde 1936 gegründet. Sie gilt als eines der ältesten und größten Wohnungsunternehmen in der Region. Foto: Markus Brändli

In den vergangenen drei Jahren seien die Mieten um etwa zehn Prozent nach oben gegangen. Das seien Größen, mit denen auch künftig gerechnet werden müsse, meint Schröter. Laut Zahlen von Baugenossenschaften werde die Miete voraussichtlich in den nächsten Jahren in der Neckarstadt auf gut 20 Euro pro Quadratmeter bei Neubauten ansteigen. Das mag man bedauern, so der EWB-Geschäftsführer, doch der Markt regle den Preis. Die Nachfrage nach Wohnungen sei höher als das Angebot – das treibe die Miete nach oben. Die Inflation komme hinzu.

Bauen in Esslingen bleibt laut OB Klopfer teuer

Dumpingpreise gibt es auch beim Bauen nicht. Gut 7700 Euro pro Quadratmeter müssen für die Erstellung von Neubauten hingeblättert werden, rechnet Esslingens Oberbürgermeister Matthias Klopfer als Aufsichtsratsvorsitzender der EWB vor. Vor fünf Jahren waren es noch 5200 Euro pro Quadratmeter gewesen. Für diese Preisentwicklung geben Schröter und Klopfer viele Gründe an – hohe Bau- und Energiekosten, den Fachkräftemangel, unzuverlässige Fördermittel, die Folgen des Klimawandels, politische Unsicherheiten diesseits und jenseits des Atlantiks auch mit Blick auf die US-Zölle. Zu Buche schlägt zudem eine Erhöhung der Bauzinsen: 2022, so Kai Scholze als stellvertretender EWB-Aufsichtsratsvorsitzender, lagen sie noch bei etwa einem Prozent. Längerfristig würden sie sich wohl auf den aktuellen Wert von um die 3,5 Prozent einpendeln.

Fehlender Wohnraum treibt die Preise in die Höhe. Die Stadt Esslingen habe ursprünglich 300 Wohnungen pro Jahr errichten wollen, räumt OB Klopfer ein. 2024 sei eine Umsetzung nicht möglich gewesen, und das werde wohl auch bis 2027 so blieben. Als einen weiteren Grund zu den bereits genannten Ursachen fügt der Stadtchef die Unsicherheit bei Investoren wie bei Privatleuten an. Angesichts der allgemeinen wirtschaftlichen Lage, drohender Arbeitsplatzverluste und der gestiegenen Preise herrsche eine große Zurückhaltung bei Geldausgaben.

Auf der Flandernhöhe in Esslingen wurden insgesamt 200 Wohnungen fertig gestellt. Foto: Markus Brändli

Eine Lösung aus Sicht von Klopfer und Schröter ist ein preiswerteres Bauen. Im Grundriss müssten Einsparungen bei den Wohnflächen erfolgen. Eine Vier-Zimmer-Wohnung habe früher etwa 100 Quadratmeter gehabt, nun seien es meist noch 85 Quadratmeter. Alternativen zur Hochpreisigkeit seien auch modulares Bauen, Aufstockungen, Erweiterungen im Bestand oder das Umnutzen von Dachgeschossen in Wohnraum.

Tiny Houses sind laut EWB-Geschäftsführer kein Allheilmittel

Tiny Houses wurden von manchen Quellen als Allheilmittel gegen Wohnungsmangel gehypt. Hagen Schröter möchte das Modell der kleinen, kompakten Gebäude mit in der Regel 50 Quadratmetern auch nicht verwerfen. Aber, so der EWB-Geschäftsführer, die kleinen Häuser seien vor allem dann sinnvoll, wenn sie auf bestehende Gebäude wie etwa Garagen oder Dächer aufgebaut würden. OB Klopfer hält das Modell in einer Stadt wie Esslingen etwas mehr als 96 000 Einwohnern für schwierig. Wenn es denn freie Flächen für Wohnraum geben würde, müssten sie für den Geschossbau und damit für größere Einheiten sowie einen höheren Nutzerkreis entstehen.

Neue Wohnungen entstehen in Esslingen – aber langsamer als geplant

Trotz schwierigem Umfeld hat die EWB laut ihrem Geschäftsführer neu gebaut: „Natürlich können wir angesichts der Umstände nicht voranpreschen, aber entschlossen vorangehen.“ Auf der Flandernhöhe wurden im März die letzten 33 der insgesamt 200 dortigen Wohnungen fertig gestellt. Abgeschlossen sei ebenfalls ein Gemeinschaftsprojekt in Baltmannsweiler mit fünf erschwinglichen Eigentumswohnungen. In der Karl-Pfaff-Straße und in der Tannenbergstraße in Esslingen seien zudem vorhandene Dachgeschosse aufgestockt oder ausgebaut worden. Sieben Wohnungen seien so entstanden.

Ihre Vermietungsquote gibt die EWB in der Mettinger Straße in Esslingen mit 99,23 Prozent an. Der Bilanzgewinn belaufe sich auf etwa 1,66 Millionen Euro. Foto: Markus Brändli

In der Pipeline sind laut Schröter zudem weitere Neubauvorhaben etwa in der Forststraße, wo vier Eigentumswohnungen errichtet werden sollen, oder im Tobias-Mayer-Quartier: „Für diese beiden Projekte erwarten wir bald den Baubeginn.“ Grundsätzlich würden für Bauvorhaben längere Planungsphasen benötigt: „Die EWB kann ihre Strategie nicht ständig wechseln wie andere Leute ihre Unterhose.“

Esslingen und die EWB

Klimawandel
Laut EWB mit Sitz in der Mettinger Straße wurden im Vorjahr etwa vier Millionen Euro für bedarfs- und klimagerechte Modernisierungen ihres Bestandes ausgegeben. Zu den Maßnahmen gehörten der Anschluss an grüne Nah- und Fernwärmenetze, Wärmepumpen oder Wärmedämmungen von Fassaden. Mit 59 Photovoltaikanlagen und der Wasserkraft-Turbine Bäckermühle würden aktuell mehr als zwei Millionen Kilowattstunden Strom aus Sonne und Wasserkraft pro Jahr erzeugt.

EWB
Die Esslinger Wohnungsbau GmbH (EWB) ist zur Hälfte im Besitz der Stadt Esslingen, die anderen 50 Prozent gehören Firmen aus der Region. Auftrag ist es nach eigenen Angaben, Wohnraum zu fairen Preisen zu schaffen. Zudem werden von der Gesellschaft über 3000 Wohn- und Gewerbeeinheiten betreut, verwaltet und bei Bedarf modernisiert. Die 1936 gegründete EWB versteht sich als eines der ältesten und größten Wohnungsunternehmen der Region. Die Vermietungsquote liege bei 99,23 Prozent.