Die Mietpreisbremse gilt in Leinfelden-Echterdingen im kommenden Jahr nicht – anders als in Filderstadt. Foto: LICHTGUT/Max Kovalenko

In Leinfelden-Echterdingen wird mindestens ein Jahr lang keine Mietpreisbremse gelten. Die SPD-Fraktion will das nicht einfach so hinnehmen.

Zum Januar werden die Städte Filderstadt und Leinfelden-Echterdingen einen neuen gemeinsamen, qualifizierten Mietspiegel haben. Die Fraktionen beider Städte haben dem Entwurf, den das Hamburger ALP Institut für Wohnen und Stadtentwicklung vorgelegt hat, in ihrer letzten Sitzung vor Weihnachten zugestimmt. Auf dieser Grundlage wird nun ein neuer Mietspiegel samt Online-Mietpreisrechner erstellt. 3000 Fragebögen sind dafür an Mietende und Vermietende in Filderstadt und Leinfelden-Echterdingen versandt worden, 905 sind in die Erstellung des Mietspiegels eingeflossen. Demnach sind die Mieten im Vergleich zur letzten Fortschreibung um 7,1 Prozent gestiegen. Die durchschnittliche Nettokaltmiete beträgt in Filderstadt 10,88 Euro pro Quadratmeter und in Leinfelden-Echterdingen 11,69 Euro pro Quadratmeter.

Diese Zahlen wollen nicht ganz dazu passen, dass Leinfelden-Echterdingen anders als Filderstadt aus der Gebietskulisse für die Mietpreisbremse geflogen ist. Zumindest im kommenden Jahr wird der Schutzmechanismus in Leinfelden-Echterdingen damit nicht gelten, wie Bürgermeister Carl-Gustav Kalbfell in der Gemeinderatssitzung verdeutlichte. Zur Erinnerung: Wo die Mietpreisbremse gilt, darf bei einer Neuvermietung die Miete zu Mietbeginn höchstens um zehn Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen. Die Regelung wäre eigentlich Ende des Jahres ausgelaufen und wurde nun auf Basis eines Gutachtens verlängert. Sie gilt von 2026 an in 130 badenwürttembergischen Städten und Gemeinden. Trotzdem profitieren weniger Menschen davon. Das liegt daran, dass vereinzelt größere, einwohnerstarke Städte künftig herausfallen.

„Es ist für Menschen mit knappen Budget zunehmend schwer“

Laut dieses Gutachtens soll auch der Wohnungsmarkt in Leinfelden-Echterdingen nicht mehr angespannt sein. SPD-Stadträtin Barbara Sinner-Bartels kritisierte dies in der Gemeinderatssitzung erneut deutlich: Auf die hohe Nettokaltmiete „kommen die Nebenkosten ja noch oben drauf“, sagt sie. Und stellte fest: „Es ist für Menschen mit knappen Budget zunehmend schwer, in dieser Stadt zu leben.“

Die Stadt Leinfelden-Echterdingen liege mit ihren Mieten bundesweit in der Spitzengruppe, betonte sie. Zu der auch Orte wie Westerland auf Sylt oder die Umgebung von München gehöre. „Dieser hohe Mietpreis ist für mich Ausdruck eines angespannten Wohnungsmarktes“, sagte sie. Sie forderte die Verwaltungsspitze auf, das kommende Jahr zu nutzen, sich mit Vertretern anderer Kommunen, die ebenfalls aus der Gebietskulisse genommen worden sind, zusammenzuschließen und gemeinsam die Entscheidungsträger in Stuttgart davon zu überzeugen, dass sie hier nicht auf dem richtigen Weg seien. Das für die Mietpreisbremse ausschlaggebende Gutachten basiere nicht nur auf überalterten Daten, sondern berücksichtige auch die Miethöhe als entscheidender Faktor für den Wohnungsmarkt in unzureichender Weise, sagte sie. Laut Oberbürgermeister Otto Ruppaner sei man dazu schon im Austausch mit anderen Kommunen – auf der Ebene des Städtetags.