Eine Szene von der letzten Party im Rocker 33. Foto: StZ/7aktuell.de

Bye Röhre, Ciao Rocker 33: Denis Pavlovics Doku „Wo tanzen wir morgen?“ ist eine Momentaufnahme des Jahres 2012 und handelt vom Wandel des Stuttgarter Nachtlebens. Nun hat der Filmemacher sie neu veröffentlicht und zum Streamen bereitgestellt.

Stuttgart - Wenn man den Trailer des Films „Wo tanzen wir morgen?“ sieht, kann man ganz schön wehmütig werden. Nicht nur, weil Clubszenen mit verschwitzten und tanzenden Menschen nach über einem Jahr Corona-Pandemie etwas befremdlich wirken. Denis Pavlovics Doku ist eine Momentaufnahme des Jahres 2012 und handelt vom Abbau der Musik- und Kunstlandschaft in Stuttgart. Es geht um die Schließung der Institutionen Röhre und Landespavillon, um das KimTimJim, um das Engagement von Follow the White Rabbit – und ums Rocker 33.

„Die Lage verschlimmert sich“

„Ich habe die Doku nun re-released und nun zum Streamen bereitgestellt“, erzählt Pavolovic und ergänzt, dass es gerade jetzt ein wichtiges Zeichen ist, da sich die Situation ja nur verschlimmert. Ein Jahr lang hat er damals den Film mit sich herum getragen, hat geschnitten, Menschen interviewt und begleitet. „Man soll durch den Film schon sehen, dass es nicht nur ums Feiern geht, sondern um die Schicksale, die dahinter stecken“, sagt Pavlovic. Auch Vertreter:innen der Stadt wie die damalige Kulturbürgermeisterin Susanne Eisenmann nehmen in dem Film Stellung zur damaligen Situation des Nacht- und Subkulturlebens.

WO TANZEN WIR MORGEN? from Denis Pavlovic on Vimeo.

Ein Schritt nach vorne

Vieles hat sich seit dem Release der Doku verändert, neue Clubs und Bars haben in den letzten Jahren eröffnet und Stuttgart hat mittlerweile sogar einen Nachtmanager: „Ich bin sehr froh, dass Nils Runge diese extrem wichtige Aufgabe übernommen hat. Nun kann das für Stuttgart endlich ein Schritt nach vorne sein, was das Nachtleben angeht“, so Pavlovic. „Zu dieser Welt hatte die Politik einfach noch nie einen Draht und nun kann es sehr gut sein, dass sich das ändert. Aber man braucht einfach mehr Raum – sonst kann sich einfach nichts ändern.“

Wo tanzen wir morgen?

Viele junge Stuttgarter:innen kennen die abgekulteten Clubs und Institutionen von damals gar nicht mehr. Wer trotzdem verstehen will, wie Stuttgart früher getickt hat und wie sehr eine Stadt sich wandeln kann, sollte sich den Film ansehen. So zeigt die Doku, die bei der Filmschau Baden-Württemberg im Programm lief, auch die letzten Tage der Röhre und des Landespavillons kurz vorm Auszug der Locations und begleitet die Akteure in dieser Zeit. Immer mit der Frage: Wo tanzen wir morgen?

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