Foto: Roberto Bulgrin - Roberto Bulgrin

Die Millioneninvestitionen in die Esslinger Bildungslandschaft gehen weiter. Die EZ zeigt, an welchen Schulen in den kommenden Jahren die Handwerker in großem Stil anrücken.

EsslingenDer Sanierungsstau in den Schulhäusern, die Wogen in der Bildungspolitik, Bausünden der Vergangenheit, schwankende Schüler- und Anmeldezahlen: Es gibt viele Gründe, warum die Bildungslandschaft immer in Bewegung ist. Das war so und das wird auch weiterhin so sein. In den kommenden fünf Jahren werde die Stadt 100 Millionen Euro in die Schulentwicklung investieren, so der OB beim Neujahrsempfang. Den 2017 erhobenen Sanierungsstau hatte das Technische Rathaus gegenüber der EZ im Sommer 2019 auf rund 60 Millionen Euro beziffert. Experten zufolge ist die erste Zahl zu hoch und die zweite zu niedrig gegriffen. Wie es auch immer sei: Hier ein Überblick, welche größeren Baustellen auf Esslingens allgemeinbildende Schulen über kurz oder lang zukommen.

Unverhofft kommt oft: Aufgrund der massiven Belastung mit dem Umweltgift PCB ist der Hauptbau der dreizügigen Zollberg-Realschule aus dem Jahr 1972 seit Sommer 2019 geschlossen. Die Schüler werden in Containern unterrichtet. Bis zum Schuljahr 2024/25 soll ein neues Schulhaus entstanden sein. Geplant sind drei Züge mit Erweiterungsoption auf einen vierten. Ob er gleich gebaut wird, entscheidet sich im vierten Quartal dieses Jahres. Kostenpunkt: 14 Millionen Euro in der kleineren, 17,7 Millionen Euro in der größeren Version. Der Abriss des alten Gebäudes ist für das erste Quartal 2021 geplant, neu gebaut werden soll ab dem dritten Quartal 2022.

Höchste Eisenbahn: Die Zeller Grundschulkinder sollen zum Schuljahrsbeginn 2022/23 in ein neues Schulhaus samt Turnhalle ziehen können, denn das alte sackt seit Jahren ab. Der Neubau, der sich immer wieder verzögert hat, schafft dann Platz für 2,5 Züge – einen halben mehr als bislang. Kosten: 12,6 Millionen Euro. Der Termin für den Baubeginn ist noch offen.

Realschulen unter Druck: Ende April tagt das Preisgericht des Architektenwettbewerbs, mit dem der beste Entwurf für die sogenannte Neue Schule Esslingen gesucht wird. Die dreizügige Realschule soll am Standort der Adalbert-Stifter-Schule, einer ehemaligen Werkrealschule, gebaut werden. Hier war es zu Verzögerungen gekommen, weil der unvorhergesehene Abriss der Zollberg-Realschule wesentliche Schulentwicklungsfragen noch einmal aufgerissen hatte. Am Ende blieb es bei einem dreizügigen Neubau am geplanten Standort. Weil der Druck auf die anderen beiden Realschulen so groß ist, soll die neue Realschule schon zum kommenden Schuljahr mit zwei Klassen im sogenannten Neubau der Stifter-Schule starten. Die Verwaltung muss nun im März ohne Entwurf der neuen Schule in die Schulanmeldungen für die weiterführenden Schulen ziehen. Der Altbau der Stifter-Schule wird abgerissen, der Baubeginn für das neue Schulhaus ist Ende 2021 vorgesehen. Zum Schuljahr 2023/24 soll die Neue Schule Esslingen fertig sein. Kosten: 10,5 Millionen Euro.

Gut 25 Millionen für Innenstadtschulen: Die Schule Innenstadt und die Katharinenschule bespielen insgesamt drei historische Schulhäuser aus der Zeit um 1900. Diese Gebäude werden ab dem kommenden August für zusammen rund 25 Millionen Euro saniert. 2016 hatte die Stadt die damalige Gemeinschaftsschule am Schillerpark – eine ehemalige Realschule – und die damalige Gemeinschaftsschule Katharinenschule an der Klaraanlage – eine ehemalige Grund- und Werkrealschule – zur Zwangsehe verdonnert. Der gemeinsame Familienname ist seither „Schule Innenstadt“. Verteilt ist sie auf den Schillerpark und die Klaraanlage. Die ehemalige Primarstufe der Katharinenschule ist jetzt nur noch eine reine Grundschule. Mit den mehrjährigen Bauarbeiten greift die Stadt jetzt nicht nur den massiven Sanierungsbedarf der Häuser auf, sondern passt die Räume auch an die pädagogischen Konzepte der beiden betroffenen Schulen an. Zudem bekommen die Esslinger Gemeinschaftsschüler an der Schule Innenstadt eine gymnasiale Oberstufe. An der Klaraanlage werden die Gemeinschaftsschule, die derzeit unter der Adresse Katharinenstraße 47 im ehemaligen Schulhaus der Schillerschule untergebracht ist, und die Grundschule (ehemalige Burgschule, Blumenstraße 37) ihre Häuser tauschen. Weil die Schülerzahlen in der Innenstadt wachsen, wird das Dachgeschoss in der Katharinenstraße 47 für die Grundschule ausgebaut, sodass sie dann künftig 3,5 statt bislang drei Parallelklassen aufnehmen kann. Die Gemeinschaftsschule ist auf fünf Züge plus dreizügiger gymnasialer Oberstufe angelegt. Baubeginn ist in diesem August an der Klaraanlage, gebaut wird in drei Abschnitten bis Ende 2023. Für die Katharinenschule werden die Kosten auf gut acht Millionen Euro beziffert, für die Häuser der Gemeinschaftsschule Innenstadt auf rund 17 Millionen Euro.

Masterplan für die Kleinen: Die Schülerzahlen steigen – die Verwaltung sitzt an einem Masterplan für die Grundschulen. Handlungsbedarf besteht vor allem in der Pliensauvorstadt – hier würde das Rathaus am liebsten erweitern. Als Entlastung für die nächsten Jahre plant es erst einmal, die Brühler und Weiler Kinder nach Mettingen zu schicken und das Dachgeschoss der dortigen Grundschule zu reaktivieren. Kostenpunkt: rund 800 000 Euro. Handlungsbedarf besteht auch in der Waisenhofschule am Schwörhof. Hier ist es sehr schwierig, mehr Platz zu schaffen. In der Lerchenäckerschule, der Eichendorffschule und in St. Bernhardt peilt die Stadt einen Ganztagsbetrieb an – wobei laut Schulamtsleiter Bernd Berroth mindestens eine Mensa fällig wäre. In der Lerchen­äckerschule läuft im Sommer die Werkrealschule vollends aus, aber dort sind noch Vorbereitungsklassen beheimatet. Derzeit ist geplant, die Grundschüler im Hauptgebäude zusammenzufassen. Neu: Von September 2020 bis Ende 2021 soll der evangelische Kindergarten Dresdener Straße im ersten Stock über der Mensa vorübergehend einziehen. Die Kirche will Gemeindehaus und Kindergarten abreißen. Stattdessen soll dort ein Wohnhaus entstehen, in dem der Kindergarten dann wieder Platz findet. Aber auch bei den Großen gibt es mittelfristig Handlungsbedarf: Die sogenannte Villa im Mörike-Gymnasium muss saniert werden.

Geplant, aber (noch) nicht gebaut: Bei den Arbeiten in der Klaraanlage hätte auch die Turnhalle neu gebaut werden sollen. Sie ist der Haushaltssituation zum Opfer gefallen. Das Georgii-Gymnasium bekommt vorerst nur den kleineren Teil seines Umbau- und Erweiterungspakets für die Ganztagsbetreuung: Der „Glaspalast“ wird für 180 000 Euro zum Lernzentrum umgestaltet. Der Rest des 800 000 Euro schweren Projekts wird geschoben.

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