So war das nicht geplant: Für Bundestrainer Alfred Gislason und das deutsche Team kam das WM-Aus im Viertelfinale gegen Portugal. Foto: dpa/Soeren Stache

Sich in der Weltspitze zurückmelden ist das eine, solch einen Erfolg zu bestätigen, das andere. Genau dabei sind die deutschen Handballer gescheitert, was einen Rückschlag mit Blick auf die Heim-WM 2027 darstellt, kommentiert unser Autor Jürgen Frey.

Mit Platz vier bei der Heim-EM, aber vor allem mit dem folgenden Olympia-Silber hatten sich die deutschen Handballer 2024 in der Weltspitze zurückgemeldet. Das Team von Bundestrainer Alfred Gislason wollte auf der Überholspur bleiben und weiter Gas geben. Doch nach dem WM-Aus im Viertelfinale nach Verlängerung gegen Portugal drängt sich der Verdacht auf: Es war nur eine Momentaufnahme, eben nur ein Ausrutscher nach oben.

Denn der Nachweis, dass die Entwicklung mit dieser Mannschaft nachhaltig vorangetrieben wird, konnte nicht erbracht werden. Auch schon vor der enttäuschenden Niederlage gegen die Portugiesen konnte das Team, vom bedeutungslosen Spiel gegen die ohnehin nur maximal zweitklassigen Tunesier vielleicht mal abgesehen, bei keinem WM-Auftritt so richtig überzeugen. Gegen Dänemark gab’s sogar eine Lehrstunde. Generell fehlte die Kreativität, die Stabilität, die Verlässlichkeit, das Selbstverständnis, das blinde Verständnis – und zwar im Angriff und in der Abwehr, eigentlich traditionell eine deutsche Domäne. Das Warten auf die erste WM-Medaille seit dem goldenen Wintermärchen 2007 geht weiter. Das ist bitter, ernüchternd und ein Rückschlag mit Blick auf die Heim-WM 2027. Bei der zwingend nötigen Aufarbeitung wird es auch um die Frage gehen, an welchen Stellschrauben Alfred Gislason drehen muss. Die besten Spieler hatte der Isländer jedenfalls in seinem Kader. Die Altersstruktur der Mannschaft ist zweifelsohne vielversprechend. Deshalb bleibt – bei durchaus auch etwas Skepsis – vor allem die Hoffnung, dass auf den einen Schritt zurück bei dieser WM zwei nach vorne folgen.