Winzergenossenschaften im Kreis Ludwigsburg haben teils im März ihre Preise für Wein angehoben. Und schon jetzt denken die Wengerter laut über weitere Erhöhungen nach. Wann kommen sie? Was sind die Gründe?
Uwe Ziegler kann bis heute nicht glauben, für was der Russland-Ukraine-Krieg alles herhalten muss. „Egal, ob Glas, Korken, Etiketten, Kartonagen oder Schraubverschlüsse – die Preiserhöhungen unserer Lieferanten werden durchgängig mit dem Krieg in der Ukraine begründet“, berichtet der Geschäftsführer der Bottwartaler Winzer kopfschüttelnd. Preissteigerungen von zum Teil 30 bis 50 Prozent hat Ziegler registriert. Für ihn spielen dabei auch die gestiegenen Energiekosten und die seit der Coronapandemie immer wieder auftauchende Lieferketten-Problematik eine Rolle: „Durch den Lockdown in Shanghai werden Container nicht frei, das wirkt sich auf alle Wirtschaftsbereiche aus“, sagt er.
Wo hoch fällt die Preisanhebung aus?
Bereits im vergangenen Jahr seien deshalb die Weinpreise bei den Bottwartaler Winzern gestiegen, Ende dieses Jahres sei eine erneute Erhöhung geplant, wobei die Höhe noch unklar ist. „Das Problem ist, dass wir unsere Lieferanten nicht so einfach austauschen können. Auch wir setzen, wo möglich, auf lokale Zulieferer, aber die können nicht von heute auf morgen mehrere Millionen Flaschen zusätzlich liefern“, erläutert er.
Um zehn Prozent ist der Rebensaft bei den Weingärtnern Marbach seit Mai teurer geworden. „Wir hatten unsere Preise zuvor vier Jahre lang nicht erhöht, auch nicht während der Corona-Pandemie“, erklärt Antje Friedrich, die Marketing- und Vertriebsleiterin. Nunmehr sehe man sich aber gezwungen, die steigenden Kosten an die Kunden weiterzugeben. „Schon im Herbst vergangenen Jahres haben uns Lieferanten fast täglich angekündigt, dass sie die Preise um circa fünf Prozent erhöhen müssen“, führt Friedrich weiter aus. Hinzu kämen die steigenden Energiekosten und die Inflation.
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Eine wichtige Kennzahl für die WG Marbach sei, wie viel Traubengeld die Winzer erhalten, das heißt was sie für ein Kilogramm Trauben bekommen. „Das ist den vergangenen Jahren immer weniger geworden. Wir sahen uns daher in der Pflicht, den gestiegenen Kosten entgegenzuwirken“, sagt Friedrich. Die Gewinnmarge bei Wein sei ohnehin gering, von daher sei die Erhöhung um zehn Prozent angemessen. Mit Lieferengpässen kämpft auch die WG Marbach: „In Skandinavien hat eine große Papierfirma gestreikt, das hat sich bei uns im Etikettendruck bemerkbar gemacht“, sagt Friedrich und nennt ein weiteres Beispiel.
Mundelsheim und Lauffen haben schon im März erhöht
Steigende Kosten bei Kraftstoffen und Düngemitteln sowie steigender Aufwand bei Flaschen, Kartonagen, Verschlüssen und Etiketten sind für den Vorstandsvorsitzenden Joachim Kölz die Hauptgründe dafür, dass auch bei der Felsengartenkellerei Besigheim und bei Weinfactum Bad Cannstatt, die in Rielingshausen eine Niederlassung haben, Preiserhöhungen unumgänglich sind. Wie hoch diese genau ausfallen, werde derzeit noch intern abgestimmt.
Um vergleichsweise moderate 3,5 Prozent haben die Lauffener Weingärtner beziehungsweise die WG Mundelsheim die Preise im März angehoben. „Aber wir müssen im Herbst nochmals die Preise erhöhen“, stellt Geschäftsführer Marian Kopp in Aussicht. Grund seien Kostensteigerungen bei den Vorlieferanten im zweistelligen Prozentbereich. Auch Kopp sieht die Hauptursachen in den gestörten internationalen Lieferketten und den durch die Ukraine-Krise ausgelösten Energiepreis-Verteuerungen.
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Teilweise sehen die Experten die Gründe für die steigenden Weinpreise aber auch im Lokalen: „Erntetechnisch war das vergangene Jahre Chaos hoch zehn“, sagt Uwe Ziegler leicht sarkastisch. Die Winzer hätten erst mit Frost, dann mit Pilzbefall und schließlich mit zu großer Trockenheit kämpfen müssen. Marian Kopp weiß von Frost, Hagel und Mehltaubefall auf einigen Parzellen seiner Winzer. Ganz aktuell habe das Unwetter mit Starkregen am 19. Mai in Mundelsheim Erosionsschäden in den Steillagen verursacht. Laut Antje Friedrich hat im vergangenen Jahr vor allem bei den Rotweinsorten die Kirschessigfliege hohe Ernteausfälle bei den Winzern der WG Marbach verursacht.
Als weiteren Grund für die steigenden Preise geben die Winzergenossenschaften den größeren Aufwand bei der Weinlese an. Die Coronapandemie habe es in den vergangenen beiden Jahren für die Wengerter deutlich schwieriger gemacht, Saisonarbeiter aus Osteuropa zu gewinnen. Auch der gestiegene Mindestlohn habe zu höheren Kosten bei den Winzern geführt.