Die Windräder auf dem Schurwald bekommen neue Getriebe, damit der Brummton aufhört. Die Bewohner von Baiereck hatten sich monatelang über das Geräusch beschwert.
So ein Getriebetausch ist schon beim Auto ein größerer Eingriff, aber bei einer Windkraftanlage? Da ist alles etwas größer, manches viel größer. Dass was gemacht wird, an den Windrädern auf dem Schurwald oberhalb von Baiereck im schönen Nassachtal sieht jeder, der unten im Filstal auf der B 10 zwischen Uhingen und Ebersbach unterwegs ist.
Ein riesiger, gelber Kran ragt derzeit als dritter Turm neben den beiden Windrädern in die Höhe. 180 Meter hoch ist der Ausleger, sagt Dirk Steinbring von der Firma Buss Wind Services. Steinbring hat noch eine Handvoll Kollegen dabei, Buss aus dem niedersächsischen Wildeshausen hat sich auf den Bau und die Wartung von Windenergieanlagen spezialisiert. Eine Abteilung „Großkomponententausch“ gibt es auch, und die ist im Schurwald im Einsatz.
40 Tonnen – und 570 Liter Getriebeöl
Denn groß ist das Ding, das ausgewechselt wird. Die Anlagen brummen unangenehm, als Ursache haben die Experten des Windkraftanlagenbauers Nordex und des Anlagenbetreibers Uhl die Getriebe der Windkraftanlagen ausgemacht. Die Anlagen wurden stillgelegt, jetzt werden die Getriebe ausgetauscht. Das erste neue steht schon unten vor dem nordwestlichen Windrad bereit, frisch aus Bremen angekommen: „Wiegt 40 Tonnen“, sagt Dirk Steinbring. „Ohne Öl.“ Also noch mal eine halbe Tonne drauf, 570 Liter Spezial-Getriebeöl passen rein.
Wenn alles drin ist, zieht der gelbe Riesenkran das blaue Getriebe nach oben ins rote Maschinenhaus der Windkraftanlage, in 164 Metern Höhe. Vorher muss das alte Getriebe raus, gestern Vormittag waren vier Kollegen von Steinbring im Maschinenhaus damit beschäftigt, das alte, laute Getriebe abzubauen, nachmittags sollte es dann erst aus dem Maschinenhaus hochgezogen und dann langsam runtergelassen werden. Das noch gar nicht so alte Getriebe ist fast schon ein Leichtgewicht, wiegt nur 32 Tonnen, sagt Steinbring. Das neue ist schwerer und hoffentlich leiser. Nach oben kommt es wahrscheinlich an diesem Donnerstag, wenn nicht zu viel Wind ist.
Nach dem Umbau beginnt ein neuer Testbetrieb
Bis Dienstag nächster Woche soll das neue Getriebe dann fertig eingebaut sein. Der große gelbe Kran zieht schon vorher um, zum etwas weiter Richtung Diegelsberg gelegenen zweiten Wind-Riesenrad. Umziehen heißt: Abbauen, auf Tieflader verladen, rüberfahren und wieder aufbauen. Das dauert, der zweite Getriebetausch könnte Anfang übernächster Woche starten, sagt Dirk Steinbring.
Danach wird abgebaut und Steinbring und seine Kollegen verabschieden sich in den Norden. Dann gehen die beiden Windräder mit den neuen Getrieben in den Testbetrieb, hoffentlich ohne Brummton.
Die Suche nach dem Brummen
Störung
Der mittlerweile berühmte Brummton der beiden Windkraftanlagen war ab der Inbetriebnahme der Anlagen im Dezember vergangenen Jahres vor allem in Baiereck im Nassachtal unterhalb der beiden Windräder zu hören.
Grund
Experten des Anlagenherstellers Nordex aus Hamburg und des Anlagenbetreibers Uhl Windkraft aus Ellwangen gingen in den Maschinenhäusern hoch über dem Schurwald auf die Suche und machten das Getriebe als Brummton-Quelle aus. Seit Februar stehen die Windräder still, schon vorher gab es eine Nachtabschaltung.