Thomas Kölpin ist seit zehn Jahren Direktor der Wilhelma. Stolz ist er auf die Terra Australis und die Koalas. Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt

Thomas Kölpin ist seit dem 1. Januar 2024 ganz genau zehn Jahre Direktor der Wilhelma in Stuttgart. Eine Zwischenbilanz.

Die neue Australienwelt zaubert Thomas Kölpin immer wieder ein Lächeln ins Gesicht. Das Vorzeigeprojekt ist 2023 erfolgreich gestartet – nach zehn Jahren Planung und vier Jahren Umbau. Der 55-jährige Kölpin, der seit dem 1. Januar zehn Jahre im Amt als Direktor der Wilhelma ist und sonst eher zurückhaltend mit Emotionen,freut sich sichtlich, dass das Koala-Quartett Auburn, Navy, Scarborough und Aero aus dem australischen Queensland nun in Stuttgart lebt. „Das Projekt der Terra Australis hat die Wilhelma enorm vorangebracht. Auch international“, sagt er. Die Eröffnung der Anlage im vergangenen Sommer war der bisherige Höhepunkt seiner Amtszeit aber bei weitem nicht das einzige Vorhaben. Zehn Bauprojekte – von der Schneeleopardenanlage bis zum Asiatischen Schaubauernhof – wurden eröffnet. Das freut den gebürtigen Hamburger, der erst einen kurzen Umweg über die Psychologie machen musste, um dann festzustellen, dass sein Herz eigentlich für die Biologie und die Naturwissenschaften schlägt.

Elefantenanlage ist das wichtigste Projekt

Bevor Thomas Kölpin 2014 nach Stuttgart kam, war er fünf Jahre lang Zoodirektor in Erfurt und hat dort eine Elefantenanlage aufgebaut. Doch der Wunsch, eine solche auch endlich in Stuttgart eröffnen zu können, bleibt ihm noch verwehrt. Die Mittel für den Bau sind vom Land Baden-Württemberg noch nicht freigegeben. Kölpin hofft, dass sein wichtigstes Projekt 2025 verwirklicht werden kann. Auch hier ist, wie bei der Terra Australis, die Entstehungsgeschichte lang: 2014 gab es bereits die erste Machbarkeitsstudie. „Es ist die größte Investition für die Wilhelma“, sagt der Direktor. Wie hoch genau die werden wird, beziffert er nicht. Der Förderverein der Wilhelma will zehn Millionen Euro beisteuern. Kölpin ist klar, dass in diesen Zeiten das Geld nicht mehr so locker sitzt durch Kriegskrisen, Preissteigerungen bei Strom- und Wärme, die nicht mehr wirklich vorauszuplanen sind. „Die Elefantenanlage ist unsere Schicksalsanlage“, sagt Kölpin. Die alte Elefantenhaltung wird auslaufen. „Auf sie zu verzichten, wäre ein Einschnitt.“

In den vergangenen zehn Jahren hat sich einiges getan. Privat ist seine Familie gewachsen: Seine dritte Tochter ist in Stuttgart geboren. Beruflich hat er als Direktor gleich in den ersten Jahren Strukturen verändert: Aus den vier Fachbereichen Parkpflege, Botanik, Zoologie, Verwaltung und Technik ist der Bereich Technik und Bau aufgetrennt worden. Heutzutage sei ein Zoodirektor ein Manager, der mit Bau und Entwicklungsmanagement und Finanzierung zu tun habe, sagt er. 2014 hat er die Umweltbildung und den Artenschutz in einer Stabsstelle neu aufgestellt. Der Zoo ist damit kein reines Zurschaustellen mehr, sondern eine wichtige Einrichtung zum Erhalt der Arten.

Artenschutz in den Fokus gestellt

Kölpin rückt gezielt den Artenschutz in den Fokus. Als er kam, wurden 30 000 Euro im Jahr für Artenschutz-Projekte ausgegeben, 2023 waren es eine Million Euro. Zudem: Die Wilhelma wurde in die internationale Weltnaturschutzorganisation IUCN aufgenommen, in der alle Staaten Mitglied sind. Über die Aufnahme der Wilhelma wurde abgestimmt. „Das war für uns ein Ritterschlag“, sagt der 55-Jährige. Es seien nun 40 Projekte, die der Zoo hier jährlich unterstütze. 2019 hat Kölpin in der Wilhelma den Artenschutz-Euro eingeführt. Der Zoologe kuratiert zudem Tiere wie die Schabrackentapire, die Panzernashörner, die asiatischen Elefanten und den Hirscheber.

Auch bei den Bewohnern der Wilhelma hat sich einiges getan: Flusspferde und Eisbären gibt es nicht mehr, neue Tiere wie die Löwen, die Schabrackentapire, die Servale und die Bewohner der Terra Australis kamen hinzu. Auch das Leistenkrokodil Frederick aus dem Norden Australiens zog in Stuttgart ein.

Fortschritte im Artenschutz und den neuen Anlagen

Die World Association of Zoos and Aquariums (WAZA) habe einen Blick auf die Terra Australis geworfen. Für Kölpin sehr wichtig. Denn so sei die neue Australienwelt auch im internationalen Fokus. Fortschritte sieht er in den neuen Anlagen und dem Engagement im Artenschutz: „Wir sind führend in Deutschland im Artenschutz.“ Auch die Umweltbildung mit Schulklassen sei ausgezeichnet. Kölpin, der auch im europäischen Zooverband aktiv ist und seit 2014 an der Universität Stuttgart Wilhelma-Kurse gibt, sieht ein gestiegenes Image seines Zoos durch neue Veranstaltungsformate, die er eingeführt hat wie Halloween, den Artenschutztag, den Kindertag und seit 2018 den Christmas Garden, bei dem er wieder neue Besuchergruppen erschlossen sieht.

Das Land muss unterstützen

Doch auch im Leben eines Zoodirektors läuft nicht immer alles nach Plan: „Die schwierigste Zeit im Rückblick war die Corona-Pandemie und 2022 die Rückkehr in den Normalbetrieb“, sagt Thomas Kölpin und fügt hinzu: „Pfingstmontag 2022 hatten wir erstmals wieder 10 000 Besucher.“

Momentan macht der Wilhelma die angespannte Wirtschaftslage zu schaffen. Wegen hoher Preissteigerungen unterstützt das Land den Zoo mit einer Finanzspritze von gut 2,1 Millionen Euro. Das Geld stammt aus der Haushaltsrücklage. Ohne die zusätzlichen Mittel könne der operative Betrieb für das gesamte Jahr 2023 nicht sichergestellt werden, heißt es. Auch die Eintrittspreise werden zum 1. März erhöht. Der Grund sind steigende Kosten unter anderem für Energie und Tierfutter.

Trotz allem bleibt der sichere Blick nach vorn: Botanik, Zoologie und der historische Park – diesen Dreiklang will der Wilhelma-Chef mit seinem Team beständig weiterentwickeln. Da gibt es noch einige Erneuerungswünsche und -pläne wie die Damaszenerhalle, das Maurische Landhaus, die Subtropenterrassen, die alten Raubtieranlagen sowie das Aquarium und die Greifvogelvolieren. „Der Verein der Förderer und Freunde steht uns zur Seite“, sagt Kölpin. Zur weiteren Unterstützung will er Firmen als Sponsoren für Anlagen gewinnen über Namenspatronate.

Gratulation vom Verband der Zoologischen Gärten

Zur zehnjährigen Amtszeit gratuliert Jörg Junhold, Präsident des Verbands der Zoologischen Gärten: „Die Zoos im Verband der Zoologischen Gärten (VdZ) setzen sich weltweit gemeinsam mit hohem Engagement für den Erhalt bedrohter Tierarten ein. Durch unsere Teilnahme an mehr als 400 Erhaltungszuchtprogrammen leisten wir hier einen entscheidenden Beitrag“, so Junhold. Auch die Weltnaturschutzunion (IUCN) habe erst jüngst die Rolle von Zoos im Artenschutz betont: Zoos wie die Stuttgarter Wilhelma seien nicht nur sichere Refugien für Tiere, sondern auch unverzichtbare Partner im globalen Überlebenskampf der Arten. „Die Wilhelma unter der Führung von Thomas Kölpin gehört dabei zu unseren stärksten Mitstreitern. Über eine Million Euro können alleine 2023 für den Artenschutz durch den Stuttgarter Zoo eingesetzt werden“, sagt Junhold. Er freue sich sehr, mit einem so erfahrenen Partner für das gemeinsame Ziel zu kämpfen, bedrohte Tier- und Pflanzenarten auch für die nächsten Generationen zu bewahren.