Es ist ein schöner Schein. Doch der wird hart erarbeitet. Vor dem Christmas Garden wird in der Wilhelma letzte Hand angelegt.
Ohne Plan geht nichts. Natürlich nicht. Und ohne viel Mühe. Auch wenn es später so aussehen soll, als sei der Christmas Garden vom Himmel gefallen. Und als ließen himmlische Mächte die Wilhelma leuchten.
Christmas Garden: Die Mühe soll nicht zu sehen sein
Da rieselt Sternenstaub, ein Schutzengel wacht, der Abendstern leuchtet, ein Lichtklavier spielt, Nachtfalter glitzern, man wandelt durch eine Kathedrale des Lichts, poetisch klingen die Namen der 30 Lichtinstallationen, leicht, hell, voll Zuckerguss ist das, Weihnachten halt. Wie viel Arbeit da drinsteckt, wie viel Hirnschmalz und Muskelkraft, ahnt man, wenn man im Arbeitscontainer bei der Firma Boehlke vorbeischaut.
Vier Container sind in einem Hof der Wilhelma aufeinandergestapelt, oben das Organisationsbüro von C2-Concerts, dem Veranstalter des Christmas Garden. Davor stehen vier Elektrolaster, nicht weit weg sind all die Sachen gelagert, die man braucht, um die Wilhelma leuchten zu lassen. 60 Kilometer Kabel, acht Kilometer Lichterketten, 90 Lautsprecher, Absperrseile, Haken, Wegweiser und vieles mehr. Im unteren Container sind die sechs Lichttechniker von Boehlke zugange.
Tritt man ein, hängt gleich links an der Wand ein Plan der Wilhelma. Oder besser gesagt, wie sich die Wilhelma in den Christmas Garden verwandelt. Jeder Lichtpunkt ist eingezeichnet, samt Stromstärke und Leistung. 230 Volt und drei Kilowatt steht da etwa. Und ganz groß: Vorsicht hier! Wertvolle Pfingstrosen beachten!! Sie stammen von den Pfingstrosen ab, die König Wilhelm I. einst 1844 am Maurischen Landhaus pflanzen ließ und sind mindestens zwei Ausrufezeichen wert.
Stuttgarter Christmas Garden ist etwas ganz besonderes
Nicht, dass es das bräuchte, aber es ist eine Mahnung, dass man sich hier in historischem Gebiet bewegt. Was den Stuttgarter Christmas Garden so einmalig und pittoresk macht, macht ihn auch kompliziert für die Planer. Mit der Wilhelma redet man über den Schutz der Tiere, mit dem Umweltamt über den Schutz der Fauna und mit dem Denkmalamt über die historische Substanz der Wilhelma, erzählt Pia Murnc, bei Veranstalter C2 Concerts für den Christmas Garden zuständig.
So muss man vieles mitdenken. Die Kassencontainer stehen nicht nur auf einer Unterkonstruktion, sondern sind mit einer Fassade verkleidet, die der Terrakotta-Wand der Wilhelma entspricht. Der Rundweg führt selbstverständlich nur durch den Teil der Wilhelma, an dem die Besucher die Tiere nicht in ihrer Nachtruhe stören. Aber auch für die Nachtschwärmer gibt es Grenzen. „Die Pelikane mögen keine blinkenden Lichter“, sagt Murnc. Und als man es in einer Installation namens Wolkentunnel donnern lassen wollte, legten die Tierpfleger ihr Veto ein. Ein Gewitter macht den Tieren Angst, also donnerte es nicht.
Christmas Garden: Füchse lieben ihn
Solcherlei Einsprüche werden weit vor dem Aufbau verhandelt. Mitte Oktober rücken die Lichttechniker und zwei Programmierer an, dann wird der Plan mit Leben gefüllt. Die erste Woche wird tagsüber aufgebaut. In den Herbstferien aber gilt es den Besuchern aus dem Weg zu gehen, Nachtschichten bis 2 Uhr morgens sind dann gefordert. Mit Stirnlampen huschen die Techniker durch die Wilhelma ziehen Kabel, bauen die Skulpturen auf, schließen alles an. Auch samstags und sonntags wird vor allem im Dunkeln geschafft. Diese Woche geht es an den Feinschliff, ehe es am Donnerstag heißt: Licht an!
Bis Freitag bleiben die Lichttechniker noch in Stuttgart, für den Fall, dass bei der Premiere noch was flackert und flimmert. Danach bleibt ein dreiköpfiges Team im Einsatz, um Probleme zu beheben. Etwa, dass LEDs ausfallen, mancher Gast eine Absperrung herunterreißt, oder ein Fuchs seinen Hunger stillt. „Die mögen Glasfaser“, sagt Murnc. Nun ja, jeder nach seinem Geschmack.
Christmas Garden: Gedanken an die nächste Auflage
Bis 11. Januar liegen die leckeren Glasfaser-Snacks in der Wilhelma. Doch bereits vor dem Ende der diesjährigen Weihnachtssaison setzen sich die Verantwortlichen wieder zusammen. Im Dezember überlegt man bereits, wie der Christmas Garden 2026 aussehen könne. Ohne guten Plan geht halt nichts.
Christmas Garden
Öffnungszeiten
Der Christmas Garden beginnt am 13. November und endet am 11. Januar. Geöffnet ist von 17 bis 21. 30 Uhr. Letzter Einlass ist um 20.30 Uhr.
Tickets
Die Karten kosten für Erwachsene bis 24,90 Euro, für Kinder von sechs bis 14 Jahren bis 19,90 Euro. Familien zahlen an den Familientagen, 17. und 24. November, am 1. und 8. Dezember und am 7. Januar 41,90 Euro, ansonsten bis zu 69,90 Euro.