Sie sehen niedlich aus und doch bereiten sie Hausbesitzern zunehmend Probleme. Die Waschbären-Population in Städten wie Bietigheim-Bissingen steigt. Wie Stadtjäger nun helfen können.
Laut Oberbürgermeister Jürgen Kessing melden sich immer häufiger Bürger bei der Stadtverwaltung, die Probleme mit Wildtieren haben. Darauf hat die Stadt nun reagiert und drei Stadtjäger bestellt. Die dürfen auch innerhalb des bebauten und damit befriedeten Bereichs gegen invasive Wildtiere vorgehen.
Frank Beutelspacher, Benedict Stirblies und Patrick Gottschling-Lämmle wird man aber künftig kaum mit der Flinte zwischen Fachwerkhäusern auf der Lauer liegen sehen. „Eigentlich passt das Wort ‚Wildtiermanagement’ besser“, findet Beutelspacher, der schon seit zehn Jahren in dem Metier unterwegs ist. Unter anderem in Marbach am Neckar, Leonberg und seiner Heimatkommune Ditzingen ist er ebenfalls Stadtjäger. Stirblies und Gottschling-Lämmle sind noch nicht so lange dabei, aber bereits in Sachsenheim zu Stadtjägern bestellt.
Waschbären und Marder sind aktuell das größte Problem
Größtes Problem in Bietigheim-Bissingen sind laut Kessing aktuell Waschbären. Die niedlichen Wildtiere nisten sich immer häufiger unter Dächern von Wohnhäusern ein. Ganz generell steige die Population auch bei Mardern. Das Verhalten von Hausbesitzern trage dazu bei, dass sich die Tiere immer näher an den Menschen wagen. „Wer räumt schon sein Vogelhäuschen abends leer oder hängt Meisenknödel ab? Auch Futterstationen für Igel locken Waschbären an“, sagt Gottschling-Lämmle.
Wo Marder noch eine Öffnung im Dach brauchen, verschaffen sich Waschbären diese kurzerhand selbst. „Durch ihre Daumen können die selbst Dachziegel anheben und so ins Haus gelangen“, sagt Beutelspacher. Er ist eigentlich Schreinermeister, aber das Wildtiermanagement in der Region bestimmt mittlerweile seinen Alltag. Etliche Fallen hat er in der ganzen Region aufgestellt – stets im Auftrag von Hauseigentümern und Grundstücksbesitzern. Allein diese alle zu kontrollieren kostet Zeit.
Hinzu kommen immer neue Einsätze. Wer Tiere auf seinem Dachboden vermutet und Geräusche hört, kann sich nun einfach an die Stadtjäger wenden. Bezahlen muss deren Einsatz der Auftraggeber selbst. Durch die Bestellung zum Stadtjäger ist deren Einsatz nun aber unbürokratisch möglich. Zuvor musste ein Antrag gestellt werden, weil in der Stadt eigentlich nicht gejagt werden darf. Die drei Männer nun dürfen aber.
Marder, Nilgänse und Nutrias sind Alltag für Stadtjäger
Jagd ist dabei kaum im herkömmlichen Sinn zu verstehen, denn meist geht es um Beratung von Menschen und das Einfangen von Tieren. Stirblies, im Hauptberuf Cheftierpfleger in Tripsdrill, berichtet auch von ungewöhnlichen Einsätzen: „Neulich wurde ich gerufen, weil auf dem Weg zum Kindergarten eine Ente lag.“ Da helfe er genauso wie bei einem kranken Fuchs am Rand der Siedlung.
Meist geht es aber um Häuser und ungewollte Mitbewohner. Dabei sind die Stadtjäger jedoch nicht für Ratten, Wespen oder Haustiere zuständig. Neben Waschbären geht es vor allem um Marder, Nilgänse und Nutrias. Viel Anerkennung erhalten die Stadtjäger meist in der Öffentlichkeit nicht. Sie werden im Internet angefeindet, weil sie so vermeintlich niedliche Tiere wie Waschbären „entnehmen“.
Sie kennen aber auch die andere Seite dieser Tiere. „Mir hat ein Waschbär schon einmal ein Stück aus der Wade gebissen“, sagt Stirblies. Deshalb solle man auf keinen Fall selbst das Einfangen versuchen. „Erst wenn bei den Menschen selbst ein Waschbär auf dem Dachboden ist, wissen viele unsere Arbeit zu schätzen“, sagt Gottschling-Lämmle.
Die Kontaktdaten der Stadtjäger gibt es im Internet unter www.bietigheim-bissingen.de.