Auf der Wilde Ranch in Waldenbuch finden viele Tiere ein Zuhause. Sie werden mit Liebe umsorgt und geben vielen Kindern die Möglichkeit, die Tierwelt kennenzulernen.
Lydia steht mit angezogenem Füßchen in ihrem Gehege. Sie legt den Kopf mit ihrer fluffig-fedrigen Frisur schief – als wollte sie fragen, wer da gerade ihre morgendliche Routine stört. Lydia ist ein Huhn. Ein Huhn, das auf der Wilde Ranch in Waldenbuch lebt. Sie ist schon vier Jahre alt und legt eigentlich keine Eier mehr, aber das macht nichts. Denn auf der Wilde Ranch finden Tiere ein Zuhause, egal wie alt oder gebrechlich sie sind.
„Wir gehen auch mit unseren Hühnern zum Tierarzt, wenn etwas nicht stimmt“, sagt Martina Hense, die auf dem Hof arbeitet. Die Tiere dürfen das ganze Jahr draußen bleiben: Alpakas, Schweine, Pferde, Häschen – und eben die Hühner. Lydia pickt Körner, während ihre Kolleginnen sich um Martina Hense scharen, in der Hoffnung, dass sie etwas Essbares aus der Tasche zieht. Auch einige kleinere Hühner befinden sich in dem Gehege: Sie haben allesamt Farbfehler im Gefieder und sind deshalb vom Züchter direkt auf dem Hof gelandet. Wenn die Dämmerung einbricht, sagt Martina Hense, machen sich die Hühner selbstständig auf in den Hühnerstall. „Dann muss ich nur noch die Türe zumachen“, sagt sie. Aus den Nestern holt sie noch eine handvoll Eier heraus – weiß, braun, grün, alle Farben sind dabei.
Vor dem Gehege für die Hühner befindet sich ein Grillplatz mit Sitzgelegenheiten und einem überdachten Bereich, wo gebastelt und gewerkelt werden kann. Regelmäßig finden auf dem Hof Kindergeburtstage statt, es gibt einen Zwergentreff, einen Samstagstreff und Ferienbetreuung – alle Angebote sind darauf ausgelegt, dass Kinder in Kontakt mit Tieren kommen. Gemeinsam füttern sie die Tiere, unternehmen Spaziergänge mit den Alpakas oder reiten. Wenn es mal schlechtes Wetter haben sollte, gibt es noch das sogenannte Reiterstüble, einen Raum mit Tisch und der Möglichkeit zu verweilen.
Velours, Nepomuk, Pherb und Oleander sind Alpakas
Die vier Alpakas sind allesamt Herren namens Velours, Nepomuk, Pherb und Oleander. „Alpakas sind echte Angsthasen“, sagt Martina Hense. Sie verteilt etwas Futter im Gehege und ruft: „Jungs, auf geht’s!“ Da kommen sie auch schon im Galopp von der Wiese in den Stall angerannt. Der zehnjährige Nepomuk ist der Chef der Gruppe, erzählt Martina Hense. Gestreichelt werden mögen die Tiere zwar nicht, aber auf Spaziergänge gehen sie besonders gern. Dass die Tiere keine Streicheleinheiten mögen, akzeptieren die Kinder ohne Probleme, erklärt Martina Hense. Denn freundlich sind die Tiere trotzdem: Oleander verteilt auch gerne Mal Nasenküsse.
Seit über zehn Jahren bietet der Hof seine Programme für Kinder an. Die Philosophie, mit der das Team den Hof führt, ist simpel: Sie nehmen Tiere auf und lassen sie sein: Gerade so wie sie sind. Alles kann, nichts muss. Das merkt man auch Martina Hense an. Sie weiß, wer von den Tieren zurückhaltend oder bockig oder herzlich ist. Die gelernte Hotelfachfrau arbeitet bereits seit vielen Jahren auf dem Hof. Wer anruft oder eine Mail schreibt, landet meist bei ihr.
Little hat Rückenschmerzen und lässt niemanden mehr auf sich reiten
Vier Pferde und Ponys leben auf dem Hof. Das größte namens „Little“ ist 29 Jahre alt und lässt niemanden mehr aufsitzen, weil es Rückenschmerzen hat. „Auf Spaziergänge geht Little aber gerne mit“, sagt Martina Hense. Indi, das Mini-Shetland-Pony ist sehr beliebt unter den Kindern. Klein und süß sieht sie aus, doch in der Pferde-Gruppe ist sie diejenige, die ihren Platz zu verteidigen weiß – da holt sie schon mal gegen ein Pony aus, das dreimal so groß ist wie sie. Nebenan grunzen noch die beiden Schweine Salvatore und Günter um die Wette. Die beiden stammen aus einem Tierheim in Pforzheim.
Wer will, kann auch Patenschaften für die Tiere übernehmen. Mit einem monatlichen Beitrag können die Paten dadurch die Versorgung der Tiere unterstützen. Das ganze Jahr über hat der Hof geöffnet und bietet Kindern die Möglichkeit, in die Tierwelt einzutauchen. Einfach auftauchen sollte man allerdings nicht auf dem Hof: Gäste sind willkommen, allerdings mit Termin. Miterleben zu dürfen, wie viele Kinder die Tiere auf dem Hof in ihr Herz schließen, das findet Martina Hense besonders schön an ihrem Beruf. Einige kommen sogar als Jugendliche zurück und helfen aus.
Wilde Ranch
Angebote
Auf der Wilde Ranch in Waldenbuch gibt es viele Angebote für Kinder: Beim Samstagstreff (ohne Eltern) können Kinder ab drei Jahren von 13 bis 16 Uhr die Tiere auf dem Hof besuchen. Der nächste Termin ist der 28. Februar. An diesem Tag steht Tiere füttern, Pony reiten und Windspiel basteln auf dem Programm. Kosten: 39 Euro. Der nächste Zwergentreff steht am 13. Februar an und geht von 14 bis 16 Uhr. Das Angebot richtet sich an die Kleinsten (mit Elternbegleitung). Kosten: 29 Euro. Im Februar und April bietet der Hof außerdem Ferienbetreuung an. Die Anmeldung erfolgt über die Mail info@wilde-ranch.de oder 0176 76852376.
Patenschaften
Für die Tiere auf dem Hof können Patenschaften übernommen werden. Auf der Webseite gibt es dazu nähere Informationen.