Wigald Boning hat eine Menge Anekdoten auf Lager. Foto: dpa/Tim Brakemeier

Wigald Boning hat im Renitenztheater von seiner Kindheit und von seinen sportlichen Aktivitäten berichtet. Ganz normal sind die nicht.

Stuttgart - Diaabend. Die älteren unter den Lesern wissen noch, was das ist, und wer einmal einen erlebt hat, dem dürfte sich dessen Atmosphäre eingebrannt haben. Das Einrastgeräusch des Magazins, wenn per kabelgesteuerter Fernbedienung ein neues Dia in den Lichtstrahl geschoben wurde. Das Summen der Projektorkühlung im verdunkelten Zimmer. Und natürlich die typischen Kommentare wie „Das rechts hinten ist Onkel Ebbi“, wenn wieder ein Urlaubsbild in grisseligen Farben auf der Raufaserwand erschien – sofern es nicht auf dem Kopf stand.

Einiges am Gastspiel von Wigald Boning im Renitenztheater erinnert an dieses ausgestorbene Ritual der vordigitalen Ära. „Worum geht’s hier heute abend? Sport!“ macht Boning zur Begrüßung klar, die Leidenschaft dafür habe er von „seinen Eltern in die Wiege gelegt“ bekommen. Als Beleg habe er „ein paar Bilddokumente“ dabei, doch als er diese auf die Leinwand im Bühnenhintergrund projizieren will, streikt erst mal die Technik. Boning drückt vergeblich auf der Fernbedienung herum, „das ist die Coronakrise“. Ein Techniker kann helfen, und man sieht: Kinderbilder. Wigand als Baby, kopfunter an der Hand der Mutter hängend. So, feixt Boning, habe er die ersten Monate zugebracht. Dann weitere Bilder des Knirpses.

Knickei und Weitsprung

Boning kommentiert sie äußerst launig. Und auch wenn er mitunter vom Hölzchen aufs Stöckchen kommt, fühlt man sich gut unterhalten. Ohne seinen Promistatus aber wären viele von Bonings Anekdoten weniger interessant. Etwa, dass sein Opa Eiergroßhändler war und die Ernährung der Familie deshalb hauptsächlich aus „Knickei“, also beschädigten Eiern, bestanden habe. Irgendwann biegt Boning thematisch ab, schließlich soll sich der Abend, wie angekündigt, um Sport drehen.

Als er im Jahr 2000 im Fernsehen verfolgt habe, wie die zwei Jahre ältere Heike Drechsler bei der Olympiade in Sydney die Goldmedaille im Weitsprung gewann. sei es vorbei gewesen mit der Lethargie. Boning begann mit Laufen. Zunächst kleine Runden ums Müllkraftwerk im heimischen Oldenburg, dann eine Stunde am Stück. Auf der Leinwand zeigt er dazu die Eintragungen in seinem Trainingstagebuch. Auch die täglich gerauchten Zigaretten sind darin vermerkt.

Meister im Langsamschwimmen

Richtig spannend wird der Abend, als Wigald Boning erzählt, wie sich der wachsende sportliche Ehrgeiz mit seinem Hang zu Skurrilität gepaart hat. Nach der mehrfachen erfolgreichen Bewältigung der Marathondistanz etwa kam er auf die Idee, die gut 42 Kilometer mal in Holzschuhen zu laufen. Oder die Alpen nicht mehr mit dem Fahrrad – das kann ja jeder -, sondern mit einem Tretroller zu überqueren. Ein anderes Mal joggte er 100 Kilometer im Dauerregen, wobei er sechs seiner Fußnägel einbüßte.

Körperliche Strapazen, so scheint es, können ihn aber ohnehin nicht mehr schrecken. Im Gegenteil: Boning erfand neue Wettkämpfe wie den 24-Stunden-Skilanglauf „Skiheul“ - zu dem sich aber nur zwei Teilnehmer angemeldet hatten. Und selbst eine ihm ursprünglich verhasste Disziplin wie das Schwimmen trieb ihn zu kuriosen Rekordjagden an, kulminierend in der denkwürdigen Durchquerung des Bodensees, die dem Programm ihren Namen gab: „Wie ich Weltmeister im Langsamschwimmen wurde“. Von der ursprünglich avisieren Durchquerung des Ärmelkanals hat Boning dagegen abgesehen. Zunächst einmal.

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