Linienbus und Stadtbahn stoßen zusammen – erneut ist die Kurve in der Gerokstraße den Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) zum Verhängnis geworden. Was steckt dahinter?
Diesmal sind es vier Leichtverletzte und nur eine zertrümmerte Fensterscheibe an einem Linienbus – doch die berüchtigte enge 180-Grad-Kurve von der Gerokstraße zur Haußmannstraße zwischen den Stadtbezirken Ost und Mitte ist am Mittwoch wieder verhängnisvoll gewesen für Fahrgäste der Stuttgarter Straßenbahnen (SSB). Eine Stadtbahn der Linie U 15 und ein Bus der Linie 42 sind dort seitlich zusammengestoßen.
„Die Kurve ist extrem eng“, sagt die Stuttgarter Polizeisprecherin Kara Starke, „und die Fahrer kennen das auch.“ Es ist eine der noch wenigen Stellen, an denen die Schienen mitten in der Fahrbahn liegen, ein Straßenraum, den sich Autofahrer und Bahnverkehr teilen müssen. Hier ist die Stadtbahn eben keine U-Bahn, sondern echte Straßenbahn. „An dieser Stelle ist es für einen Bus oder einen Lkw besser, wenn er an der Seite wartet“, sagt Polizeisprecherin Starke, „die Bahn kann ja nicht ausweichen.“
Freilich: Wer da wie womöglich nicht aufgepasst hat, das ist erst noch zu klären. Nach bisherigen Erkenntnissen war der 53 Jahre alte Busfahrer am Mittwoch gegen 9.40 Uhr talwärts von der Heidehofstraße Richtung Haußmannstraße und Eugensplatz unterwegs, als sich Bus und die von einem 54-Jährigen SSB-Fahrer gesteuerte Bahn am Scheitelpunkt der Kurve auf Höhe Hausnummer 3 begegneten. Die Bahn erwischte das Heck des Linienbusses, ein Außenspiegel der Bahn zertrümmerte dabei eine Fensterscheibe.
Im Bus wurden vier Fahrgäste leicht verletzt – ein 30-jähriger Mann und drei 33, 53 und 58 Jahre alte Frauen. Der Schaden wird mit 15.000 Euro angegeben. Die Unfallaufnahme und Aufräumungsarbeiten dauerten bis gegen 10.30 Uhr, danach war die Strecke wieder frei. Der Verkehr musste in dieser Zeit, wo möglich, umgeleitet werden.
Unfälle nach dem gleichen Muster
Die Engstelle in der Gerokstraße ist tatsächlich seit Jahren bekannt – und trotz aller Vorsicht kracht es dann doch. Am 27. Oktober 2025 war es ein talwärts fahrender 55-jähriger Lkw-Fahrer, der in derselben Kurve mit einer Stadtbahn seitlich kollidierte. Der Anhänger des Sattelzugs war offenbar zu weit in den Gleisbereich ausgeschert. Verletzt wurde niemand, es gab 6000 Euro Schaden.
Die letzte Kollision eines 42er-Linienbusses mit einer Stadtbahn in der Gerokstraße ereignete sich am 22. Mai 2024 – in derselben Kurve, an gleicher Stelle, nach dem gleichen Muster. Damals wurden kurz vor 17 Uhr zwei 33 und 60 Jahre alte Frauen im Bus und eine 29-Jährige in der Stadtbahn leicht verletzt. Der Schaden ging in die Zehntausende. Nach damaligem Ermittlungsstand hatte der Busfahrer zwar angehalten, dennoch kam es zu einer seitlichen Kollision. Am Bus wurden drei Fensterscheiben an der Fahrerseite zertrümmert.