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Im Zeichen saisonaler Trends erscheint in hoher Frequenz neue Mode in den Geschäften – bis zu 24 Kollektionen jährlich pro Label. Der Bekleidungsmarkt ist von preiswertem Neukauf und schneller Entsorgung geprägt. Das geht zulasten der Umwelt und der allgemeinen Arbeitsbedingungen entlang der Zulieferkette. Die Slow-Fashion-Bewegung ist angetreten, um das zu ändern.

Fast Fashion: Konsequenzen für Natur und Mensch

Der schnelle Kollektionswechsel in der Modebranche gelingt durch die beschleunigte Produktion. 12 bis 15 Tage dauert es durchschnittlich, bis ein Bekleidungsartikel in den Handel gelangt. Die Produktionsschritte verteilen sich dabei auf die jeweils kostengünstigsten Standorte weltweit. Neun von zehn Kleidungsstücke im deutschen Handel werden in Ländern mit niedrigen Lohn- und Produktionskosten hergestellt. Von weltweit etwa 60 Millionen Arbeitnehmern der Textilindustrie ist die Mehrheit in Entwicklungs- und Schwellenländern beschäftigt. Dort führt der hohe Produktionsdruck nicht selten zu menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen.

Auch unter ökologischen Gesichtspunkten sind die Mechanismen der Fast Fashion fatal: Jährlich verursacht die Textilindustrie mehr CO2-Emissionen als der internationale Flug- und Schiffsverkehr. Die Massenproduktion erfordert außerdem einen hohen Chemikalieneinsatz und immensen Wasserverbrauch in den zumeist asiatischen Herstellungsländern.

Fast Fashion als verhängnisvoller Konsumtrend

Der weltweite Absatz von Kleidung hat sich zwischen 2002 und 2015 fast verdoppelt, während gleichzeitig die durchschnittliche Nutzungsdauer eines Kleidungsstückes zurückgegangen ist. In Deutschland werden etwa 60 Kleidungsstücke pro Jahr neu gekauft, aber nur halb so lang getragen wie noch im Jahr 2000. Rund 20 Prozent der erworbenen Kleidung bleibt sogar gänzlich ungetragen. Aufgrund minderer Qualität und niedriger Preise wird ein Kleidungsstück im Schnitt bereits nach etwa einem Jahr entsorgt.

Zwar werden in Deutschland rund 75 Prozent der ausrangierten Kleidung an Altkleidercontainer übergeben – inzwischen sind die Märkte für Altkleider allerdings gesättigt. Viele Nationen haben bereits den Import von Altkleidern beschränkt, um die lokale Textilproduktion zu schützen. Bislang gibt es noch keine echten Recycling-Alternativen: Zwar werden etwa 25 Prozent der gesammelten Altkleider recycelt, es lassen sich aus ihnen aber keine Fasern für neue Kleidung gewinnen. Stattdessen werden die Kleider lediglich geschreddert und beispielsweise zu Füllmaterialien weiterverarbeitet.

Slow Fashion als Antwort?

Angesichts des Klimawandels gilt es daher, weniger Kleidung zu kaufen und verantwortungsbewusst mit dem eigenen Konsum und dessen Auswirkungen umzugehen. Die Slow-Fashion-Bewegung tritt gegen den schnellen Rhythmus der modernen Textilindustrie an. Slow Fashion ist der allgemeine Gegenentwurf zur Fast Fashion und damit nicht einheitlich definiert. Sie umfasst alle Handlungen, die aus einer bewussteren Haltung gegenüber den Produktionsbedingungen der Textilindustrie entspringen. Somit beinhaltet Slow Fashion nicht nur nachhaltige Modelabels mit kurzen Produktionsketten, hochwertigen Verarbeitungsprozessen und ausgezeichneter Bioqualität, sondern auch die Innovation nachhaltiger Fasern und Produktionsmechanismen.

Auch der Kleiderkauf auf dem Flohmarkt und im Second-Hand-Laden, das Tauschen und Leihen von Kleidung oder das Upcycling abgetragener Lieblingsstücke fällt unter Slow Fashion. Die sorgfältige Pflege und das schonende Waschen der Kleidung mit hochwertigen Mitteln ist ebenfalls ein wichtiger Bestandteil der Bewegung: Wenn Kleidung lange schön bleibt, verlängert sich ihre Nutzungsdauer. Ressourcen werden geschont und die Umwelt weniger belastet.

Vom kleinen großen Glück der Nachhaltigkeit

Auch selbstgemachte, umgestaltete und reparierte Kleidung ist im Sinne der Slow Fashion. Das Schöne daran: Handarbeiten wirken nachhaltig entspannend, stressreduzierend und gesundheitsfördernd. Beim Neukauf entsteht durch den kurzfristigen Belohnungseffekt ebenfalls ein angenehmes Gefühl, das zur Stresslinderung beiträgt. Als soziale Wesen sind Menschen allerdings langanhaltender glücklich, wenn sie mit Gleichgesinnten interagieren, einer sinnstiftenden Tätigkeit nachgehen und mit den eigenen Händen etwas erschaffen können. Slow Fashion ist somit nicht nur gut für Umwelt und Ökonomie, sondern auch für das seelische Wohlbefinden.

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