Quelle: Unbekannt

Der VfB Stuttgart verfügt über eine Reihe von jungen Spielern. Ihre Entwicklung ist dem Zweitligisten wichtig – weshalb er sich in seiner Nachwuchsarbeit bestätigt sieht.

StuttgartFrüher ist es einfach gewesen, eine passende Vergleichsgröße zu finden. Sie standen auf den Straßen ja an allen Ecken herum, die Telefonzellen. Sie schienen in Fußballerkreisen wie für einen bestimmten Spielertypen gemacht. Weshalb die gelben Häuschen mit der Grundfläche von einem Quadratmeter gerne herangezogen wurden, wenn es darum ging, zu beschreiben, wie ein Techniker auf engstem Raum die Kugel beherrschte und seinen Gegenspieler schwindlig spielen konnte.

Giovanni Reyna ist so ein Spielertyp, wie er in dieser Pokalwoche gezeigt hat. Der 17-jährige Dortmunder tanzte nahezu auf einem Bierdeckel (die kleinste Vergleichsgröße im Fußball) mehrere Bremer Verteidiger aus und schlenzte den Ball in den Winkel. Auch der VfB Stuttgart weiß zwei Talente mit extrem guter Ballbehandlung und besonderem Bewegungsgefühl in seinen Reihen: Mateo Klimowicz und Lilian Egloff. Sie verfügen zwar noch nicht über die Qualität eines Reyna, aber auch sie befinden sich auf dem Weg vom verheißungsvollen Teenager zum ernst zu nehmenden Profi. „Es ist für die Entwicklung der jungen Spieler wichtig, dass wir sie in Momenten einsetzen, wenn ihre Form aufsteigend ist“, sagt der Sportdirektor Sven Mislintat. Eine Reihe von Nachwuchskräften hat zuletzt überzeugt. Klimowicz und Egloff erhielten nun im DFB-Pokal ihre Showbühne. Spielerisch wussten sie diese beim 1:2 in Leverkusen zu nutzen – Klimowicz fehlte nur ein Tick, um sich womöglich auf die nächste Stufe zu hieven. Der 19-jährige Argentinier hatte kurz vor dem Abpfiff die große Möglichkeit zum Ausgleich. Er vergab sie jedoch wie im vergangenen August in Heidenheim, als der Offensivspieler nach Vorarbeit von Anastasios Donis nur den Pfosten traf, statt das Siegtor zu erzielen.

In Stuttgart sind sie sich jedoch sicher, dass Klimowicz an diesen beiden Szenen nicht zerbrechen, sondern wachsen wird. Der Sohn des früheren Bundesligaprofis Diego Klimowicz gilt als charakterlich gefestigt. Er bringt neben seiner fußballerischen Begabung auch die Bereitschaft mit, sich ständig zu verbessern – und hat sich vor dem Heimspiel gegen Erzgebirge Aue an diesem Samstag (13 Uhr) wieder den Mühen des Alltags zugewendet. Zunächst läuft das in den Übungseinheiten. Dieses Credo gilt beim VfB seit Saisonbeginn, weil sich während des Trainings die Stärken fördern und die Schwächen ausmerzen lassen. „Das hilft den Talenten, wieder mehr Spielzeit zu erhalten“, sagt Mislintat. Ebenso wie der Umweg über die zweite Mannschaft. Klimowicz und auch Roberto Massimo (als rechter Verteidiger) sind ihn während der Hinrunde gegangen und profitieren nun davon. Egloff hat diese Ausbildungsstufe übersprungen, bietet sich dem neuen Coach aber ebenso als Alternative an. „Lilian Egloff und Clinton Mola sind gegen Aue noch keine Option für die Startelf“, sagt Pellegrino Matarazzo über die Youngster. Ebenso wenig Klimowicz, der aber als erster Nachrücker für den Spielmacher Daniel Didavi gilt. Eine Rolle, die der Südamerikaner stellvertretend für den Rest der jungen Generation einnimmt. Sie soll Druck auf die Etablierten ausüben, ohne schon die Verantwortung für das Spiel zu tragen.

Noch geben neben Daniel Didavi auch Mario Gomez, Gonzalo Castro und Holger Badstuber (wenn er wieder fit ist) dem Team Halt. Im Schatten der Routiniers soll der Nachwuchs reifen und so seine Leistungsschwankungen reduzieren. Ein Prozess, der dauert – aber auch eine Aufgabe, die Matarazzo mit Freude angeht, wie er betont. Der Trainer versteht sich als Spielerentwickler, der 42-Jährige stellt jedoch klar: „Es kann ein Spannungsfeld zwischen der Entwicklung von Spielern und den notwendigen Ergebnissen entstehen. Ist das so, werde ich mich stets für den Sieg entscheiden. Ich glaube aber, dass sich diese Linien parallel ziehen lassen.“

Für Klimowicz und Co. bedeutet das dranzubleiben, sich weiter über Fleiß zu empfehlen und selbstbewusst zu präsentieren. „Ein junger Spieler muss selbst überzeugt sein, dass er es kann. Dann kann er auch den Trainer besser überzeugen“, sagt Matarazzo – mit Blick auf Antonis Aidonis, das 18-jährige Abwehrtalent. Nicht weit weg von einem Einsatz sei Aidonis, sagt der Trainer. Noch hat es für ihn aber nicht gereicht in der 2. Bundesliga, wobei Innenverteidigern grundsätzlich eine längere Entwicklungszeit zugedacht wird. Und sie werden seltener eingewechselt als Offensivspieler. „Wichtig ist deshalb auch, wie Trainer mit Talenten umgehen, die keine Einsatzminuten erhalten“, sagt Mislintat und lobt Matarazzo, der seit Januar viel Energie für die jungen Wilden aufwendet.

Kalajdzic kehrt auf den Rasen zurück

Sasa Kalajdzic hat sich in der Sommervorbereitung Mitte Juli 2019 bei einem Testspiel gegen den FC Basel schwer verletzt, schließlich lautete die erschütternde Diagnose im Fall des VfB-Stürmers: Kreuzbandriss, Innenbandriss und Einriss im Außenmeniskus. Nun meldet sich der 22-jährige Zweimetermann auf dem Rasen zurück. Gemeinsam mit dem Athletiktrainer Martin Franz absolvierte Kalajdzic am Freitag erstmals eine lockere Einheit mit Ball. Bis zu einem Comeback des Österreichers in der Liga ist es aber noch ein weiter Weg.

Holger Badstuber wird in der nächsten Woche wieder nach Stuttgart zurückkehren, wenn er seine Zeit in der Reha in München beendet hat. Ende Februar soll der Verteidiger, der sich im Wintertrainingslager der Stuttgarter in Spanien eine Verletzung im Adduktorenbereich zuzog, dann wieder einsatzbereit sein und die Abwehr verstärken.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: