Foto: Herbert Rudel - Herbert Rudel

Stand jetzt wären sechs Mannschaften aus der Region in der wieder eingeführten Verbandsliga dabei.

KöngenSimon Hablizel packte Lukas Taxis mit beiden Armen und brüllte gegen den Lärm an: „Wir gucken, dass wir zusammen hochgehen und dann spielen wir in der kommenden Saison wieder so ein Derby.“ Darauf hatten die 600 Fans und die 35 Spieler sowie Verantwortlichen in der Burgschulhalle schon jetzt so richtig Bock: ein Wiedersehen in der zur kommenden Spielzeit wieder eingeführten Verbandsliga.

Die Handballer des TSV Köngen hatten das Landesliga-Derby und Spitzenspiel gegen den TSV Denkendorf am Freitagabend zwar mit 32:26 gewonnen, hatten die Tabellenführung durch eine starke Leistung behauptet und waren entsprechend euphorisch. Aber auch die Denkendorfer waren beeindruckt von der Stimmung in der Halle und davon, Teil dieses wunderbaren Handball-Abends gewesen zu sein. „Was die Jungs geleistet haben – Weltklasse“, schwärmte Köngens Trainer Hablizel. Denkendorfs Urgestein Taxis schwärmte trotz der verdienten Niederlage ebenfalls: „Diese Kulisse – für mich war es das schönste Spiel meines Lebens.“

„TSV, TSV“-Gesänge

Natürlich war es nicht perfekt – und statt Weltklasse „nur“ sehr gutes Landesliganiveau –, was die Mannschaften sportlich zeigten. Und Denkendorfs Coach Ralf Wagner haderte zurecht mit der hohen Fehlerquote, die der Mannschaft ein besseres Ergebnis gekostet hatte. Aber in Sachen Leidenschaft gepaart mit Fairness, taktischem Auftreten und Fanunterstützung machte dieses Spiel tatsächlich Lust auf eine Wiederholung in der Verbandsliga. Einige Denkendorfer Fans hatten einen feucht-fröhlichen Fußmarsch über die Felder nach Köngen unternommen und zeigten vor dem Angriff eine Choreografie, wie man sie vielleicht noch aus der Cannstatter Kurve in der Mercedes-Benz-Arena kennt. Und auch die Köngener Anhänger machten, unterstützt von Guggenmusik, mächtig Krach. „TSV, TSV“ wurde auf beiden Seiten der Tribüne gesungen – und alle durften sich angefeuert fühlen.

Die Köngener sind klar und die Denkendorfer ebenfalls auf Verbandsligakurs. Dazu wären dort aus der Region nach jetzigem Stand der TV Reichenbach, das Team Esslingen und aus der Württembergliga kommend die HSG Ostfildern und die SG Hegensberg/Liebersbronn dabei. Derbys im Wochenendrhythmus. Den nächsten Vorgeschmack gibt es schon an diesem Freitag, wenn die Köngener zum nächsten Derby in der Esslinger Schleztorhalle antreten.

Das Thema Platz vier

Wie sich die Köngener stetig zu einem Landesliga-Spitzenteam entwickelt haben, ist beeindruckend. Trotz personeller Probleme zog die Mannschaft im Derby ihren Matchplan durch. „Es stimmt einfach in diesem Team. Wir harmonieren und haben eine super Mischung aus Jung und Alt“, erklärte Routinier Manuel Tremmel, der zuvor stets getroffen hatte, wenn es nötig war.

Die Denkendorfer dagegen befinden sich in einem kleinen Loch. Und erinnern sich selbst daran, dass sie gerade erst aufgestiegen sind – und trotzdem auf Platz drei stehen. „Wir sind zu verbohrt. Das ständige Thema Platz vier tut uns nicht gut“, erklärte Wagner. Platz vier steht eben für die Qualifikation zur Verbandsliga. Vor einem Jahr warfen die Denkendorfer noch in der Bezirksliga aufs Tor.

Taxis, der auf dem Spielfeld immer wieder versucht hatte, Verantwortung zu übernehmen, stimmte dem Trainer zu. Bloß den Druck rausnehmen und sich darauf besinnen, was die Mannschaft kann. Und das ist eine Menge. „Wir müssen wieder runterkommen und uns nicht zu sehr mit diesem vierten Platz beschäftigen“, erklärte der Spielmacher und fügte fast schon beschwörend hinzu: „Wenn wir am Ende Fünfter werden, haben wir als Aufsteiger trotzdem eine super Saison gespielt.“

Nur würde es dann in der kommenden Saison vermutlich kein Derby zwischen dem TSV Köngen und dem TSV Denkendorf geben. Und das fänden mindestens die 600 Fans und die 35 Spieler sowie Verantwortlichen, die am Freitagabend in der Burgschulhalle waren, schade.

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