SG-Kreisläufer Wolfgang Zeh erzielt in der ersten Hälfte Tor um Tor. Am Ende gewinnt aber Ostfildern. Foto: Robin Rudel - Robin Rudel

EsslingenGenau 21.50 Uhr am Freitagabend in der Sporthalle an der Römerstraße. Noch 38 Sekunden sind im Derby der Handball-Württembergliga zwischen der SG Hegensberg/Liebersbronn und der HSG Ostfildern zu spielen. Ostfilderns Routinier Timo Flechsenhar hämmert den Ball zur 30:28-Führung in die Maschen. Zuvor hatte SG-Kapitän Fabian Sokele einen Siebenmeter verworfen. Die Entscheidung. „Derbysieger, Derbysieger“, singen die HSG-Spieler und ihr Interimstrainerduo Magnus Gründig und Marco Gassmann wenige Sekunden später. 30:28 (12:16) für die HSG ist auch das Endergebnis. Den Ostfildernern ist nach fünf Niederlagen in Folge und der Trennung von Coach Frank Ziehfreund tatsächlich der Befreiungsschlag gelungen.

Lange hatte es allerdings nicht danach ausgesehen. Zumindest für die Zuschauer nicht. „Für uns war klar, dass wir durch unsere Breite im Kader hinten raus Vorteile haben würden. Wir wussten, dass wir Geduld haben müssen“, analysierte Gründig. Gassmann jubelte derweil: „Die Mannschaft lebt wieder.“ Ein paar Meter entfernt ärgerte sich SG-Trainer Sinisa Mitranic, dessen Team es verpasst hatte, den Konkurrenten auf Abstand zu halten. „Wenn man so viele Fehler macht, ist es klar, dass man verliert“, sagte er frustriert. „Wir waren zu unclever, dabei hatten wir das Spiel komplett im Griff.“

Tatsächlich dauerte es 40 Minuten, bis das Leben in die Ostfilderner Mannschaft zurückkehrte. Vor allem in der ersten Hälfte war dem Team die Verunsicherung deutlich anzumerken. Hinten kassierte die HSG zu leichte Tore, vorne nahm sie zu leichte Würfe. Zu oft versuchten es die Ostfilderner im Willen, kämpferisch dagegenzuhalten, mit der Brechstange. Was mal gelang, und mal nicht. Hegensberg/Liebersbonn tat genau das Richtige und ließ in Sachen Kampf keine Zweifel aufkommen – der Spielern des Gastgebers war klar, dass die HSG-Akteure nach dem Trainerwechsel Vollgas geben würden. Aber auch die SG machte viele leichte Fehler und verpasste es so, deutlicher davonzuziehen. Die 16:12-Pausenführung war am Ende nicht genug.

Ostfildern kam von 17:21 auf 20:21 heran. Plötzlich stimmte die Körpersprache und die Mannschaft verlor auch nicht die Geduld, als sie fünf Mal den Anschlusstreffer schaffte, aber erst in der 49. Minute durch Pascal Reitnauer den 25:25-Ausgleich und in der 55. durch Jon Gehrung die 27:26-Führung. Es war die Wende in einem spannenden, emotionsgeladenen Spiel.

Wenige Minuten nach Spielende saßen Sokele und Flechsenhar nassgeschwitzt auf der Bank und ließen das Erlebte gemeinsam sacken. „Zwischen der 40. und 50. Minute haben wir viel zu viele Fehler gemacht“, erklärte Sokele und schüttelte mit dem Kopf. Flechsenhar nickte: „Es sind die Kleinigkeiten, die es ausmachen. Es lag nicht nur an uns. Aber dass wir die Ruhe bewahrt haben, davor habe ich großen Respekt“, krächzte er – seine Stimme hatte arg gelitten. Das brachte er dann aber noch hervor: „Es war unglaublich wichtig, wieder das Gefühl zu haben, zu gewinnen.“ Für Hegensberg/Liebersbronn wäre ein Sieg auch wichtig gewesen. Aber dieser Freitagabend gehörte am Ende den Ostfildernern.

Statistik

SG Hegensberg/Liebersbronn: Beurer, Funk; Schatz (1), Richter (2), Christian Bayer (3/2), Matthias Bayer (2), Mäntele (3), Zeh (3), Helms (5), Wester-Ebbinghaus, Sokele (7/2), Moritz Hettich (1), Hablizel (1), Wiederhöft.

HSG Ostfildern: Uhl, Weber; Reitnauer (1), Gehrung (9/3), Reinold (2), Kriessler, Strobel, Fingerle, Moritz Grimm, Flechsenhar (6), Tobias Grimm (4), Pollich (1), Durdevic (6), Weber Bubalo (1).

Schiedsrichter: Sanwald/Neumann (Bietigheim/Leinfelden-Echterdingen).

Zuschauer: 350.

Zeitstrafen: 8:18 – zwei Mal zwei Minuten für Christian Bayer (Hegensberg/Liebersbronn), Gehrung, Bubalo (Ostfildern), zwei Minuten für Zeh, Sokele (Hegensberg/Liebersbronn), Reinold, Kriessler, Flechsenhar, Tobias Grimm, Durdevic.

Beste Spieler: Zeh, Sokele/Flechsenhar, Reitnauer, Gehrung.

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