Nach Angaben der Meteorologen wird in den kommenden Tagen noch mehr Schnee erwartet. Foto: dpa/Wolfgang Kumm

Flockenwirbel, eisiger Wind, Verkehrschaos: So ging in Teilen Deutschlands die Woche los. Für manche wurde der Winter zum ungemütlichen Abenteuer. Bleibt es weiter so kalt?

Berlin - Da sieht der Winter wie ein Kostümfilm aus: Mit Zylinder und schwarzem Cape fegt ein Mitarbeiter vor dem Berliner Hotel Adlon den Schnee weg, im Hintergrund das winterliche Brandenburger Tor. Die blaue Maske des Mannes zeigt, welches Jahr es ist: Der Schneesturm hat Deutschland in der Corona-Zeit erwischt.

Am Montag versanken Städte wie Leipzig und Erfurt knietief im Schnee, an der Ostsee hing an den Molen Eis. „Es schneit wie verrückt“, hieß es von der Autobahnpolizei bei Hannover. Beim Löschen eines Supermarkt-Brandes in Mülheim im Ruhrgebiet mussten sich die Feuerwehrleute in der Kälte abwechseln. An den Helmen hatten sich Eiszapfen gebildet.

Obdachlose fanden Zuflucht in Kirche

Flockenwirbel, eisiger Wind, Verkehrschaos: So ging in Teilen des Landes die Woche los. Wieder steckten viele Lastwagen fest, Züge fielen aus. Wer zur Arbeit gehen musste, watschelte im Pinguin-Stil über die vereisten Bürgersteige. Für Menschen ohne Wohnung ist es derzeit besonders hart. In Hannover fanden Obdachlose in einer Kirche Zuflucht.

Das Schneetreiben brachte neben der Pandemie einen zusätzlichen Grund fürs Homeoffice und das Daheimbleiben. Verkehrsminister Andreas Scheuer empfahl den Menschen im Norden und in der Mitte des Landes, mindestens bis Mittwoch auf Reisen zu verzichten. „Bei solchen extremen Bedingungen können selbst die beste Weichenheizung und das beste Räumfahrzeug an ihre Grenzen geraten“, sagte der CSU-Politiker den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Dienstag). Wer nicht unbedingt unterwegs sein müsse, solle zuhause bleiben. Die schwierige Lage sei noch nicht überstanden.

Der Pianist Igor Levit hatte bei Twitter vorhergesagt: „Wegen Schneesturms müssen morgen leider alle Restaurants, Konzertsäle, Theater, Clubs, Geschäfte, Schulen, Salons, etc. schließen.“ Das war natürlich Galgenhumor. Wegen Corona ist eh fast alles dicht.

Es geht weiter mit zweistelligen Minustemperaturen

Und wie geht es beim Winterwetter weiter? Es gibt weniger Schnee. Dafür wird es kalt - sehr kalt. „Jetzt sind Kälte und Frost das große Thema“, sagte Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst. Zweistellige Minustemperaturen sind diese Woche nicht selten. „Extreme Nachtfröste von minus 20 Grad sind gerade in klaren Nächten über Schneeflächen möglich“, sagte Friedrich.

Hinter der Wetterlage steht wie beim Schneesturm ein sogenannter Polarwirbel-Split. Normalerweise bewegt sich dieser Luftwirbel kreisförmig direkt über der Region des Nordpols - daher auch der Name. Der Wirbel verstärkt sich regelmäßig im Winter, wenn kein Sonnenlicht die Atmosphäre dort erwärmen kann und diese sich zunehmend abkühlt, was zu einem Druckabfall in der Höhe führt. Kommt es zu einem Ausbruch, teilt sich der Wirbel und kann sich verlagern - zur Zeit auch nach Deutschland.

Laut Friedrich spricht vieles dafür, dass die polare Luft noch bis mindestens Mitte Februar klirrende Kälte in Deutschland bringt. Lediglich zu Beginn der kommenden Woche könnte es vorübergehend mit Temperaturen um den Gefrierpunkt vergleichsweise milde sein. „Autofahrer sollten ihr Fahrzeug besser winterfest machen“, rät Friedrich. Auch wenn Schneeketten dann nicht gebraucht werden, Batterien können einfrieren.

Rekordverdächtig sind die Schneehöhen allerdings nicht

Wirklich rekordverdächtig sind die Schneehöhen im Flachland allerdings nicht, heißt es beim DWD. Vor zehn Jahren, im Winter 2010/2011, sei der Schnee etwa in Berlin und Brandenburg noch höher gewesen. Da habe es auch das letzte Mal flächendeckend weiße Weihnachten in Deutschland gegeben. „Wir sind verwöhnt worden durch diese Serie sehr milder Winter“, sagt Friedrich. „Viele Leute sind gar nicht mehr auf einen richtigen Winter eingestellt.“

Bis das Tiefkühltruhen-Wetter vorbei ist, gilt: Nerven bewahren und am besten zu Hause bleiben. Autofahrten können zum ungemütlichen Abenteuer werden. Das hat eine dreiköpfige Familie im thüringischen Landkreis Sömmerda erlebt. Sie blieb laut Polizei am Sonntagabend mit ihrem Auto im Schnee stecken. Eigenen Angaben zufolge versuchte die Familie fünf Stunden lang, das Auto vom Schnee zu befreien. Erst gegen Mitternacht wählte sie den Notruf. Dann wurden die Eltern und ihre siebenjährige Tochter von der Feuerwehr gerettet und in eine Notunterkunft gebracht.

Dass die Nerven manchmal blank liegen, zeigte sich ebenfalls im Landkreis Sömmerda. Dort griff eine 55 Jahre alte Frau eine Nachbarin mit einem Schneeschieber an. Laut Polizei wurde die 62 Jahre alte Frau dabei leicht verletzt und ihre Brille ging kaputt. Vorher sollen sich die Frauen über das Schneeschieben gestritten haben.

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