Und schon wieder Gewitterstimmung: Wer ernten will, muss in diesen Tagen schnell sein. Foto: Thomas Warnack/dpa

Auch im Rems-Murr-Kreis steht noch viel Korn auf dem Feld – weil die Mähdrescher wegen der häufigen Niederschläge stillstehen. Im Weinbau wird die Feuchtigkeit zum Sicherheitsthema.

Seinen Schmalspur-Schlepper für die Arbeit in den Rebzeilen hat Tom Seibold in der letzten Zeit oft lieber stehengelassen. Denn durch die regelmäßigen Regenfälle birgt die Fahrt in die Steilhänge am Fellbacher Kappelberg ein kaum überblickbares Sicherheitsrisiko.

Der Boden ist aufgeweicht, die zur Begrünung angepflanzten Gräser glitschig. „Da rutscht man schneller weg, als man schauen kann“, sagt der Vorstandsvorsitzende der Fellbacher Weingärtner über die sehr reale Sorge, dass die vier Traktorreifen unterm eigenen Sitz jederzeit ihren Halt verlieren könnten.

Für die Weinbauern ist mangelnde Bodenhaftung ein großes Problem

Für die Weinbauern in der Region ist die mangelnde Bodenhaftung ein ernsthaftes Problem: Wenn es wie derzeit fast täglich am frühen Morgen mit Blitz und Donner gewittert und kurz vor Mittag wie aus Kübeln schüttet, verkürzt sich das Zeitfenster für die Laubarbeit in der Traubenzone extrem.

Auf Trockenperioden angewiesen sind die Erzeuger aber auch beim Pflanzenschutz. Ohne Pflege breiten sich Pilzkrankheiten wie der Mehltau oder die als „Geißel des Weinbaus“ gefürchtete Peronospora in rasender Geschwindigkeit aus.

Der regelmäßige Regen lässt das Zeitfenster für die Ernte schrumpfen. Foto: stock.adobe.com

Ausgerechnet in der Hochphase des Arbeitsjahrs stehen die Mähdrescher still, mit bangem Blick schauen die Landwirte auf ihre Wetter-App. „Der Raps sieht gut aus – aber er steht nach wie vor auf dem Feld“, sagt Jürgen Maurer, der Vorsitzende des Bauernverbands Schwäbisch Hall-Hohenlohe-Rems.

Landwirte geraten mit der Ernte unter Zeitdruck

Weil der Himmel immer dann seine Schleusen öffnet, wenn gedroschen werden sollte, geraten die Landwirte mit der Ernte zunehmend unter Zeitdruck. Nach Aussagen der Bauernverbände sind allein beim Getreide noch drei Viertel nicht eingebracht. „Die Natur braucht Wasser – aber jetzt ist es genug“, sagt Bernd Bolkart vom BLHV.

Getreide und Wein: Dauerregen gefährdet die Qualität

Denn mit der Hängepartie auf dem Acker wächst die Gefahr finanzieller Verluste. „Was jetzt noch steht, ist in der Qualität akut gefährdet“, warnen Bauernvertreter aus dem Südwesten. Durch zu viel Regen nimmt unter anderem der Proteingehalt ab, ein entscheidender Parameter, besonders beim Brotgetreide.

Außerdem sind laut Jürgen Maurer erste sogenannte Auswüchse zu beobachten: Dabei beginnt das Korn noch vor der Ernte am Halm zu keimen – ein sicheres Zeichen für den Verlust von Backfähigkeit und Vermarktungswert. Besonders betroffen sind Weizen, Roggen und Hafer, vor allem in zuvor hagelgeschädigten Beständen.

Wenn das Wetter zu feucht ist, drohen unliebsame Pilze

Und: Wie im Weinberg drohen auch auf dem Feld durch hohe Luftfeuchtigkeit unliebsame Pilze. „Die einzige Ackerpflanze, die jetzt noch Wasser vertragen kann, ist der Mais, der nimmt jeden Tropfen. Aber ansonsten hat es jetzt genug geregnet, sagt der Vorsitzende des Bauernverbands.