Quelle: Unbekannt

Rückzug der Wernauer Sportfreunde sorgt teilweise für Frust bei der Konkurrenz.

WernauZwölf Punkte in 16 Spielen hatten die Wernauer Sportfreunde in der Kreisliga B, Staffel 2, bis zur Winterpause gesammelt. Keine herausragende Bilanz. Und dennoch hätten wohl nur die wenigsten damit gerechnet, dass das Spiel gegen den TSVW Esslingen am 8. Dezember, das die Wernauer mit 1:2 verloren, das letzte der Vereinsgeschichte werden sollte. Wurde es aber: Denn nur wenige Wochen später, am 10. Januar, meldete Trainer und Abteilungsleiter Alex Musumeci die Mannschaft der Sportfreunde beim Württembergischen Fußball-Verband (WFV) vom Spielbetrieb ab. Den Vereinsnamen sucht man seither vergeblich in der Tabelle, auch die bereits absolvierten Partien wurden annulliert. Und die Spieler? Die schlossen sich größtenteils dem TSV Wernau an und werden dort den Kader der ersten und zweiten Mannschaft ergänzen. Die ohnehin für diesen Sommer geplante Fusion der beiden Abteilungen wurde also einfach vorgezogen.

„Für mich kam das ziemlich überraschend, denn bis zu diesem Zeitpunkt war ich fest davon ausgegangen, dass die Sportfreunde die Runde – wie angekündigt – zu Ende spielen und erst zur neuen Saison mit dem TSV fusionieren werden“, sagt Staffelleiter Armin Sigler, der die Entscheidung aber respektieren muss: „Der Rückzug entspricht den Regularien, weshalb ich als Staffelleiter da wenig machen konnte.“ Blöd sei es aus Sicht des WFV dennoch, weil anschließend sämtliche Spielpläne aktualisiert werden mussten. „Und die Begeisterung bei den anderen Vereinen hielt sich natürlich auch in Grenzen, da wir ihnen teilweise gewonnene Punkte wieder abziehen mussten“, sagt Sigler.

Musumeci, der starke Mann bei den Sportfreunden, ist natürlich bewusst, dass der Rückzug bei der Konkurrenz auf nicht allzu viel Wohlwollen stößt. Dennoch steht er voll und ganz hinter dem Entschluss: „Für uns hat es zu diesem Zeitpunkt einfach keinen Sinn mehr gemacht. Der Kader bestand nur noch aus 14 Spielern, bei der Trainingsbeteiligung sah es mit vier, fünf Mann ganz düster aus.“ Und so habe man sich eben innerhalb der Abteilung darauf geeinigt, auf die Verantwortlichen des TSV zuzugehen, um den Cut schon ein halbes Jahr früher als geplant zu vollziehen. „Wir sind dort auf offene Ohren gestoßen. Für die Teams des TSV war es ja in der Hinrunde ebenfalls nicht so gut gelaufen, weshalb man letztlich nichts dagegen hatte, ein paar Spieler dazu zu bekommen“, erzählt Musumeci.

TSV-Abteilungsleiter Thorsten Sobeck kann das bestätigen, wenngleich die Ursache der vorgezogenen Fusion – seines Wissens nach – eine andere war: „Bei den Sportfreunden gab es wohl ein bisschen Ärger, weshalb einige Spieler gedroht hatten, den Verein zu wechseln. Und um das zu verhindern, sind die Sportfreunde dann auf uns zugekommen.“ Zwar suchten sich dennoch ein paar WSF-Spieler einen neuen Club, der Großteil konnte so aber in Wernau gehalten werden. Völlig unberührt davon, wie die vorgezogene Fusion nun zustande kam, bleibe aber der Fakt, dass der TSV die Spieler gerne aufgenommen habe. „Das wird die Personalsituation bei uns an manchen Wochenenden mit Sicherheit etwas entspannen – auch wenn wir jetzt nicht auf die Verstärkung angewiesen waren, wir wären definitiv auch so durchgekommen“, stellt Sobeck klar.

Eines wird aber bereits jetzt deutlich: Die große Verschmelzung im Wernauer Sport, bei der zum 1. Juli die vier Sportvereine TSV, WSF, HC und TC unter dem Dach des TSV fusionieren sollen, wird wohl ohne die ganz großen Emotionen über die Bühne gehen. Am Beispiel der beiden Fußball-Abteilungen zeigt sich, dass die Betroffenen die Zusammenlegung ganz pragmatisch sehen und dieser viel Positives abgewinnen können. „Für mich geht ein Traum in Erfüllung, den ich bereits vor 15 Jahren realisieren wollte, als ich sechs Jahre lang beim TSV als Spielertrainer tätig war“, sagt WSF-Abteilungsleiter Musumeci. „In meinen Augen macht es langfristig absolut Sinn, dass es in Wernau eine Einheit gibt.“ Sobeck kann sich da nur anschließen und sieht in der Fusion eine große Möglichkeit für den Sport in Wernau: „Was die Infrastruktur betrifft, profitieren wir durch den geplanten Kunstrasen sowie die Kaltsporthalle natürlich enorm.“ Und auch sonst sei der Schritt in jedem Fall richtig. „Der Konkurrenzkampf zwischen den Vereinen war zuletzt ohnehin kaum noch vorhanden. Das sieht man ja allein im Jugendbereich, wo die WSF ihren gesamten Nachwuchs bereits vor eineinhalb Jahren beim TSV integriert haben“, sagt Sobeck.

Fehlt eigentlich nur noch, dass der TSV in der Kreisliga A den Klassenverbleib schafft. Dann kann das Projekt ab der Saison 2020/2021 so richtig losgehen.

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