Seit 40 Jahren sorgen die Wernauer Bodenbachsymphoniker für schräge Fasnets-Töne. Foto: Wernauer Narren

Es wäre eine Übertreibung, zu behaupten, dass die Wernauer Narren die Guggenmusik nach Süddeutschland gebracht hätten. Aber sie haben maßgeblich dazu beigetragen.

Die Idee kam – wo auch sonst – bei einer feucht-fröhlichen Kellerparty auf: Die damals bereits bestehenden Wernauer Narrengruppen wollten nicht länger ohne Musik durch die Straßen ziehen. Aber auch nicht mit Schalmeien, wie sie damals bei der Fasnet noch weit verbreitet waren.

Stattdessen schauten die Wernauer in die Schweiz, wo die Guggenmusik ihren Ursprung hat. Mit einem „du kannsch doch Trompete spielen“ war in Armin Müller auch gleich der erste Dirigent gefunden; weitere Mitspieler, mit oder ohne musikalische Vorkenntnisse, wurden im Freundes- und Bekanntenkreis angeworben.

Mirbauer: Es gibt noch mehr als genug schräge Töne

Und dann ging‘s los. „Wir waren hier im Kreis Esslingen die ersten“, sagt Markus Mirbauer stolz. Er ist aktuell der erste Zunftmeister der Wernauer Narren und hat selbst zehn Jahre lang die Bodenbachsymphoniker geleitet. Deren Name kommt im übrigen von dem Bach, der durch beide Wernauer Stadtteile fließt und von den Narren auf ihrer Website als plätscherndes Rinnsal bezeichnet wird. Zur Musik der „Guggaler“ passt das wiederum nicht, denn die darf tosen und ausgelassen sein, gern auch mal ein bisschen schrill. „Es gibt noch mehr als genug schräge Töne“, sagt Mirbauer, auch wenn sich die Guggenmusik in den vergangenen vier Jahrzehnten „sehr stark weiterentwickelt und professionalisiert“ habe.

Das gilt für die Wernauer wie für all die anderen Guggengruppen, die ab Ende der 1980er-Jahre in den Gemeinden rundum aus dem Boden schossen. Eine richtige Welle sei das gewesen, erinnert sich der Zunftmeister, eine, die allerdings auch wieder abebbte: Etliche dieser Gruppen bestehen heute nicht mehr. Andere haben sich etabliert, darunter die Bodenbachsymphoniker.

CD der Bodenbachsymphoniker war schnell vergriffen

Sie waren vor allem in ihrer Anfangszeit eine echte Größe in der Szene. „Wir hatten schon einen Namen“, erinnert sich der Zunftmeister. 2002 beschlossen die Bodenbachsymphoniker sogar, eine CD aufzulegen. Das war teuer und freute deshalb nicht alle im Vorstand des Gesamtvereins. Weil die Fixkosten hoch waren, entschieden sich die Musikanten schließlich für eine Auflage von 2500 Stück statt der zunächst nur geplanten 500 – und konnten selbst kaum fassen, wie gefragt die Scheiben waren.

„Wir haben dann wirklich bei jedem Auftritt CDs verkauft“, sagt Markus Mirbauer. Nach einer Saison waren alle vergriffen. Das sei mehr als 20 Jahre her, aber sie werde nach wie vor auf die CD angesprochen oder gefragt, ob es eine neue gebe, ergänzt Alexandra Buckenmayer, die Gruppenleiterin der Bodenbachsymphoniker.

Am 14. Februar wird es in den Straßen von Wernau wieder voll werden . Foto: Ines Rudel

Auch mit ihren Schlagzeugwagen sorgte die Wernauer Guggentruppe für Aufmerksamkeit. Ein Mitglied entwarf und konstruierte vor allem für die Fasnetsumzüge ein fahrbares Schlagzeug. Dieses Set können die Drummer vor sich herschieben anstatt sich wie früher ein Gestell umzuhängen, was die Sache deutlich einfacher macht.

Immer wieder kamen Besucher nach Wernau, um sich die Konstruktion anzuschauen und diese dann nachzubauen. Beim Sousafon, einer übergroßen Tuba, die um den Körper herum getragen wird, heißt es aber nach wie vor schleppen, auch wenn das Instrument manchmal annähernd so groß wie sein Spieler sei, spöttelt Mirbauer.

Die jüngsten „Guggaler“ fahren im Kinderwagen mit

Ja, es gibt große und kleine Leute bei den Bodenbachsymphonikern, junge und ältere, Männer, Frauen und Kinder. Wer musikalisch ist und Spaß am Trommeln oder Pusten hat, ist willkommen, auch ohne Vorkenntnisse und ohne Notenlesen: eins, zwei und drei als Markierung fürs jeweilige Ventil am Blasinstrument tun es auch.

Und die Notenlänge? „Man muss halt die Melodie kennen“, sagt der Zunftmeister achselzuckend. Rund 50 Aktive sind es derzeit, die Jüngsten sind zwölf beziehungsweise 14 Jahre alt und zum ersten Mal dabei. Ein paar noch Jüngere fahren im Kinderwagen mit, aber die spielen noch kein Instrument.

Für die Stimmung ist der Dirigent verantwortlich

Das kann sich jedoch ändern. „Man kann das bei uns lernen“, sagt Stephan Jorda, der seit einigen Jahren Dirigent der Bodenbachsymphoniker ist – ein Job, der ihm einiges abfordert. Auf der Straße muss er teils im Rückwärtsgang den Taktstock schwingen, und das ist ein extra langes Modell, damit auch die hinteren Reihen etwas sehen. „Der wiegt ein bisschen was“, sagt Jorda. In Hallen wird dagegen oft auf Biertischen und -bänken stehend gespielt, was auch nicht ohne ist. Für die Stimmung ist der Dirigent sowieso verantwortlich. „Für Introvertierte ist das nichts“, sagt Jorda, körperlich sei’s auch anstrengend. In den Worten von Markus Mirbauer: „Du bist hinterher fertig wie Brot.“

Es gäbe noch eine Menge zu erzählen über diesen bunten Haufen, in dem mehrere Generationen und viele Familien vertreten sind. Dass Gemeinschaft großgeschrieben wird, dass man auch international auf Festivals wie dem Euro-Carneval unterwegs ist. Dass man sich alle vier Jahre ein neues Motto ausdenkt und folglich ein neues Häs näht, und zwar eigenhändig mit Hilfe des Nähteams im Vereinsheim Löwen. Und natürlich, dass man die Bodenbachsymphoniker zurzeit live erleben kann – unter anderem beim Fasnetsumzug in Wernau am 14. Februar.

D I E   F A S N E T   I M   K R E I S   E S S L I N G E N   G E H T   I N  D E N   E N D S P U R T

Aichtal
  12. Februar, 11.15 Uhr: Rathaussturm mit den Täleshexen; 19.30 Uhr: Hexennacht in der Aicher Festhalle.

Aichwald
  17. Februar, 14.30 Uhr: Kinderfasching des ASV in der Schurwaldhalle.

Altbach
14. Februar, 19.30 Uhr: Faschingsparty des TVA in der Gemeindehalle; 16. Februar, 14 Uhr: Altbacher Kinderfasching in der Gemeindehalle.

Baltmannsweiler
7. Februar, 15.30 Uhr: Kinderfasching im katholischen Gemeindesaal; 13. Februar, 15 Uhr: Rathaussturm mit den Kolba-Hexa; 15. Februar, 14 Uhr: Kinderfasching im Bürgerhaus.

Bempflingen
7. Februar, 14 Uhr: Kinderfasching im Dorfgemeinschaftshaus: 12. Februar, 11 Uhr: Rathaussturm mit der Narrenzunft Steidagoischd´r.

Deizisau
7. Februar, 19 Uhr: Fasnetsopening in der Gemeindehalle; 8. Februar, 14 Uhr: Großer Narrenumzug durch den Ort; 12. Februar, 18 Uhr: Rathaussturm mit der Narrenzunft; 16. Februar, 17 Uhr: Platzkonzert der Guggamusigg Granada-Fetza.

Esslingen
8. Februar, 13.30 Uhr: Kinderfasching des TV Hegensberg und des TV Liebersbronn in der TVH-Turnhalle; 12. Februar, ab 8.30 Uhr: Schmodo in Berkheim, mit Besuch von Kindergärten, Schulen und Altenheim; 19 Uhr: Fahnen hissen am Gemeindezentrum; 19.30 Uhr: Narrengericht und Weiberfasnet am Hasenheim; 13. Februar, 9.30 Uhr: Narri-Narro in der Herderschule mit anschließendem Umzug durch Oberesslingen; 16. Februar, 14.30 Uhr: Kinderfasching der Esslinger Karnevalsfreunde in der Ostfeldhalle; 17. Februar, 14.30 Uhr: Kinderfasching der KG Esslingen-Zwieblingen im Salemer Pfleghof; 21.45 Uhr: Fahnen einholen am Berkheimer Gemeindezentrum; 22 Uhr: Fasnetsbeerdigung am alten Rathaus.

Hochdorf
12. Februar, 15 Uhr: Rathaussturm der Dalba-Hexa.

Kirchheim
12. Februar, 17.15 Uhr: Rathaussturm mit den Kloster-Deifeln.

Köngen
12. Februar, 17 Uhr: Rathaussturm der Köngener Narrenzunft.

Leinfelden-Echterdingen
7. Februar, 14 Uhr: Kinderfasching im Walter-Schweizer-Kulturforum; 12. Februar, 6 Uhr: Leinfelden-Wecken in der Innenstadt; Schmotziger in Musberg – Kinderumzug, 17.15 Uhr, Weiberfasnet in der Festhalle, 20.15 Uhr; 13. Februar, 16 Uhr: Rathaussturm in Leinfelden (Warm-Up: 15 Uhr); 14. Februar, 20 Uhr: Lassada Fatza – Fasnetsparty in der Musberger Festhalle; 16. Februar, 19 Uhr: Rosenmontagsparty im Filderer-Vereinsheim in Leinfelden; 17. Februar, 17.30 Uhr: Fasnet-Verbrennung in der Schmotzbiegel-Scheuer; 18 Uhr: Kobold-Verbrennung beim Rathaus.

Lenningen
12. Februar, 16.30 Uhr: Mini-Umzug und Rathaussturm mit den Weilheimer Rossmugga.

Neuhausen
7. Februar, 19.30 Uhr: „Zeitreise…total verrückt“ – Die große Filder-Fasnets-Show des MGV in der Egelsee-Festhalle; 12. Februar, 4.30 Uhr: Wecken mit den Waschlappen-Glunkern; ab 10 Uhr: ganztägiges Schmodo-Treiben im Ort; 19.15 Uhr: Hexentanz auf dem Schlossplatz mit Rathaussturm; 13. Februar, ab 18 Uhr; Fasnetspartys im Café Rotenhans, in der Schindi-Garage, im NBN-Vereinsheim, im katholischen Gemeindehaus und im Saalbau; 19.30 Uhr: „Zeitreise…total verrückt“ in der Egelsee-Festhalle; 14. Februar, 17.30 Uhr: Fasnetspartys im NBN-Vereinsheim, im Café Rotenhans, auf dem Schlossplatz, im Saalbau und beim Musikverein; 19.30 Uhr: „Zeitreise…total verrückt“ in der Egelsee-Festhalle; 15. Februar, 10 Uhr: Narrenmesse im Filderdom; ab 11 Uhr: Fasnetstreiben in ganz Neuhausen; 13.30 Uhr: Großer Fasnetsumzug mit „Nachfeiern“; 16. Februar, ab 17 Uhr: Fasnet im NBN-Vereinsheim, in der Schindi-Garage, auf dem Schlossplatz und in der Schloss-Scheuer; 17. Februar, ab 10 Uhr: Kinderparty und Fasnetsausklang auf dem Schlossplatz, im NBN-Vereinsheim und am Saalbau; 13.30 Uhr: Kinderumzug mit anschließender Schlossplatzfete; 14 Uhr: Fasnet im Bürgertreff; 17 Uhr: Fasnets-Kehraus bei der Bürgergarde.

Neckartailfingen
13. Februar, 15 Uhr: Landfrauen-Fasching im Evangelischen Gemeindehaus Fruchtkasten.

Neckartenzlingen
14. Februar, 13.30 Uhr: Kinderfasching in der Melchior-Festhalle.

Nürtingen
12. Februar, 17.30 Uhr: Rathaussturm und Narrengericht.

Ohmden
7. Februar, 14 Uhr: Kinderfasching in der Gemeindehalle; 20 Uhr: Ohmdener Fasnet in der Gemeindehalle (ab 18 Jahre).

Unterensingen
12. Februar, 16 Uhr: Rathaussturm der Narrenzunft D’Gartazwergla und der Mihlaleidla NydernAnso.

Wendlingen
12. Februar,15 Uhr: Kinderumzug mit Kindernarrentreiben auf dem Marktplatz; 18 Uhr: Rathaussturm; 18.45 Uhr: Narrenparty im Treffpunkt Stadtmitte; 17. Februar, 13.30 Uhr: Kinderfasching im Treffpunkt Stadtmitte.

Wernau
12. Februar, 9 Uhr: Schul- und Kindergartensturm der Wernauer Narren; ab 12 Uhr: Narrenbaumstellen und Rathaussturm; 13. Februar, 19 Uhr: Alemannische Nacht mit Narrengericht, Feuershow und Hexentanz am Ruaßiga Freitig auf dem Rathausplatz; 14. Februar, 14 Uhr: Großer Fasnetsomzug; 20 Uhr: Fasnetsball in der Stadthalle; 17. Februar, 14 Uhr: Kinderfasnet in der Stadthalle; 19 Uhr: Fasnetsbegräbnis in der alten Rathausgarage.

Wolfschlugen
12. Februar, 18 Uhr: Narrenbaumstellen und Rathaussturm mit den Herdhau-Hexen; 13. Februar, 19.30 Uhr: Hexabannertanz mit den Partyfürsten in der Turn- und Festhalle; 17. Februar, 18.30 Uhr: Narrenbaumfällen am Rathaus.