Erneuerbare Energien, wie etwa die Windenergie, sollen weiter ausgebaut werden, um das Klima zu schützen. Foto: dpa/Patrick Pleul

Das Umweltbundesamt warnt: Wenn die Wirtschaft wieder anspringt, dürfte der Treibhausgas-Ausstoß wieder deutlich steigen.

Berlin - Jahrelang galt es als ausgemachte Sache, dass Deutschland sein Klimaziel für 2020 krachend verfehlen würde. Minus 40 Prozent weniger Treibhausgase im Vergleich zu 1990, das erschien nicht mehr erreichbar zu sein. Nun hat die Bundesrepublik im vergangenen Jahr doch noch das selbst gesteckte Ziel erreicht – aber nur, weil die Corona-Pandemie starke Bremsspuren in Wirtschaft und öffentlichem Leben hinterließ.

Wie Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) und der Präsident des Umweltbundesamtes (UBA), Dirk Messner, am Dienstag in Berlin mitteilten, sanken die Treibhausgas-Emissionen 2020 um rund 70 Millionen auf 739 Millionen Tonnen. Das entspricht einem Minus von 8,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Den Angaben zufolge handelte es sich um den dritten Rückgang in Folge und den größten seit der deutschen Einheit.

Damit konnte Deutschland den Ausstoß klimaschädlicher Gase um 40,8 Prozent unter das Niveau von 1990 drücken und den eigenen Klimaschutz-Verpflichtungen nachkommen. UBA-Chef Messner sagte, die klimapolitischen Instrumente begännen zu wirken – insbesondere der Ausbau der erneuerbaren Energien und die Kohlendioxid-Bepreisung.

Autos bleiben in den Garagen

„Doch ohne die Corona-Lockdowns mit den Einschränkungen bei Produktion und Mobilität hätte Deutschland sein Klimaziel verfehlt“, betonte Messner. „Das bedeutet, dass die Emissionen wieder steigen werden, wenn die Wirtschaft anspringt.“

Etwa ein Drittel der Minderung war auf die Corona-Beschränkungen zurückzuführen, insbesondere in den Sektoren Verkehr und Energie.

Auch Ministerin Schulze verwies auf verstärkte Anstrengungen zum Klimaschutz, betonte jedoch: „Dass Deutschland sein Klimaziel für 2020 jetzt doch geschafft hat, ist für mich kein Grund zum Ausruhen.“ Das höhere EU-Klimaziel – vorgesehen ist nun eine Minderung der Emissionen um mindestens 55 Prozent bis 2030 – werde „auch Deutschland mehr abverlangen“. Schulze plädierte unter anderem dafür, das Ausbautempo bei Windkraft und Solarstrom im laufenden Jahrzehnt zu verdoppeln.

Mit dem neuen Klimaschutzgesetz gibt es erstmals einen verbindlichen Plan zur Senkung der Emissionen, und zwar aufgeschlüsselt nach Sektoren. Demnach erreichten fast alle Bereiche im vergangenen Jahr die Vorgaben.

Besonders stark fiel 2020 der Rückgang des Treibhausgas-Ausstoßes in der Energiewirtschaft und im Verkehr aus. Die Bedeutung der Kohle für die Stromerzeugung sinkt.

Im Verkehr war der Rückgang darauf zurückzuführen, dass während des ersten Lockdowns im Frühjahr erheblich weniger Auto gefahren wurde, insbesondere auf langen Strecken. Auch niedrigere Emissionen neuer Fahrzeuge machten sich bemerkbar, etwa von Elektroautos. Der inländische Flugverkehr verursachte fast 60 Prozent weniger Kohlendioxid.

Seehofer muss nachlegen

Auch in der Industrie gingen die Emissionen zurück, der Konjunktureinbruch infolge der Pandemie schlug voll auf die Produktion und damit auf den Energieverbrauch durch. Das galt insbesondere für die Stahlerzeugung.

Im Gebäudebereich sank der Treibhausgas-Ausstoß zwar ebenfalls – doch geschah dies langsamer als im Klimaschutzgesetz vorgesehen. Gewerbe, Handel und Dienstleistungen benötigten aufgrund der Maßnahmen zur Corona-Bekämpfung weniger Brennstoffe, die privaten Haushalte hingegen mehr.

Wie vom Gesetz vorgeschrieben, soll sich jetzt ein Expertenrat mit den Daten befassen und innerhalb eines Monats eine Bewertung abgeben. Danach hat Bundesinnen- und Bauminister Horst Seehofer (CSU) drei Monate Zeit, um Sofortmaßnahmen zur Senkung der Emissionen im Gebäudesektor vorzuschlagen.

Deutschland steht – wie alle Industriestaaten – bei seinen internationalen Partnern im Wort, in den kommenden Jahren und Jahrzehnten die Treibhausgas-Emissionen weiter radikal zu senken. Dafür ist ein umfassender Umbau der Volkswirtschaften notwendig.

Die Europäische Union will bis zur Mitte des Jahrhunderts klimaneutral sein. Hierzulande sollen unter anderem der schrittweise Ausstieg aus der klimaschädlichen Kohleverstromung, der Ausbau der Erneuerbaren und die Förderung der Elektromobilität dazu beitragen, dass weniger fossile Energieträger wie Kohle oder Erdöl verbrannt werden. Maßgeblich für alle Anstrengungen ist das Pariser Klimaschutzabkommen aus dem Jahr 2015.

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