Bei der After-Show-Party im Weltweihnachtscircus jubelt Zirkusgründer Henk van der Meijden (links) mit seiner Tochter Elisa. Rechts: Die chilenischen Jonglier-Brüder Hermanos und Reyes haben viel Spaß. Foto: Klaus Schnaidt

Bei der Premierenparty des Weltweihnachtscircus hört man einen Satz immer wieder: „Dies war die bisher beste Show!“ Doch sind die Tauben echt? Welche Promis mitgefeiert haben.

Die Premiere des 31. Weltweihnachtscircus Stuttgart im ausverkauften Zelt, in dem keine Stützmasten mehr die Sicht einschränken, endet nach über drei Stunden in einem rauschenden Finale. Standing Ovations, Jubelrufe, donnernder Rekordapplaus. Die Begeisterung des Publikums ebbt danach nicht ab: Sie setzt sich nahtlos in der After-Show-Party im Gastro-Zelt fort, wo Artisten aus vielen Ländern, prominente Gäste und das Produktionsteam bis weit in die Nacht weiterfeiern.

Was für eine Premiere der Superlative! 120 Artisten wirken in der Show mit – so viele standen in Stuttgart noch nie gemeinsam in der Manege. Untergebracht sind alle im Hilton Hotel, das sich für vier Wochen in ein buntes Artistenhaus verwandelt. Kunst- und Wissenschaftsministerin Petra Olschowski (Grüne) liebt vor allem die „ruhigen, poetischen Nummern“. Die Show sei eine Hommage an die Varietékunst, an die Mischung der Stile mit einfühlsamer Musik, an das Zusammenspiel von Tradition und Innovation.

Sind die Tauben echt?

Immer wieder drehen sich die Gespräche der Premierenparty um den in der Ukraine geborenen Illusionisten Sergii Stupakov. Aus dem Nichts lässt er seine Tauben erscheinen. Können die echt sein? Gudrun Nopper, Vorsitzende des Vereins Stille Not und Ehefrau von OB Frank Nopper, gehört zu denen, die glauben, dass die Vögel eine gute Attrappe sind. „Das höre ich oft“, sagt der Magier. Aber nein, das seien lebende Tier. Jede Taube habe einen Namen und gehöre „praktisch zur Familie“. Ihm sei es wichtig, dass es „allen gut geht“.

Magier Sergii Stupakov versichert bei der After-Show-Party: Die Tauben sind echt! Foto: Klaus Schnaidt



Stuttgarter Wildtierverbot stoppt Stupakovs Papageien-Show

Normalerweise tritt Stupakov nicht nur mit fünf Tauben auf, sondern auch mit zwei Papageien. Doch vom Stuttgarter Rathaus ist dies wegen des vom Gemeinderat beschlossenen Wildtierverbots in Zirkussen kurz vor der Premiere untersagt worden. Dies kennt er aus anderen Städten nicht. Dies sei das erste Verbot in seiner Karriere. Erst kürzlich sei er mit exakt diesem Programm in einem Münchner Dinnerzelt aufgetreten – dort habe keine Behörde ihn gestoppt.

Beide Papageien, so betont der in Riga lebende Ukrainer, seien in Deutschland geboren, „lieben es, über die Köpfe der Zuschauer hinwegzufliegen“ und hätten „sichtlich Spaß dabei“. Die Nacht vor der Premiere in Stuttgart sei für ihn schlaflos gewesen: „Ich hatte große Angst, dass meine Nummer ohne die Papageien nicht funktioniert.“ Doch die Begeisterung im Zelt belehrt ihn eines Besseren: Die Darbietung schlägt ein – und Stupakov strahlt bei der After-Show entsprechend erleichtert.



„Das war die bisher beste Show!“ – Prominente feiern begeistert

Unter den begeisterten Gästen sind: Kabarettist Christoph Sonntag, „Tatort“-Kommissar Richy Müller, Ex-Nationaltorwart Timo Hildebrand, Filmregisseur Benjamin Eicher, die Wirte Sonja Merz und Christian List, Entertainer Roland Baisch sowie Alt-OB Wolfgang Schuster, der das sagt, was er eigentlich jedes Jahr sagt: „Das war die bisher beste Show!“

Auf die Frage, was die beste Nummer gewesen sei, werden vor allem drei Acts immer wieder genannt: das Ballett auf dem Kopf, die Ungarische Post und das Akrobaten-Duo Shcherback und Popov.

Stefanie Schuster, die Präsidentin des Vorstands der Olgäle-Stiftung, bedankte sich im Scheinwerferlicht für die Spende. Moderator Björn Gehrmann überreicht Blumen. Foto: Klaus Schnaidt

Stefanie Schuster, Präsidentin des Vorstands der Olgäle-Stiftung für das kranke Kind und Ehefrau des früheren OB, bedankt sich im Scheinwerferlicht bei der Produzentenfamilie des 88-jährigen Henk van der Meijden. Erneut geht der gesamte Erlös der Premiere an die Stiftung – das in Zeiten sinkender öffentlicher Unterstützung kaum hoch genug bewertet werden könne. Sie freue sich besonders, dass ein holländisches Unternehmer kranken Kinder in Stuttgart helfe.

Zirkusgründer Henk van der Meijden, seine Frau Monica Strotmann, seine Tochter und Nachfolgerin Elisa van der Meijden und deren Mann Dalien Cohen werden im Gastro-Zelt nonstop mit Lob überschüttet. Die Frage, die sich ständig wiederholt: Wie schafft man es, die Show jedes Jahr erneut zu steigern?

Elisa und Dalien – ein wahres Glamourpaar

Zugleich ist immer wieder zu hören, Elisa und Dalien seien ein wahres Glamourpaar – so stilsicher und attraktiv, ist anerkennend zu hören. Das Paar, Eltern von drei Söhnen, gibt sich trotzdem bescheiden. Sie haben Freude daran, Freude zu bereiten und widmen sich mit ganzem Herzen ihrer Leidenschaft für den Zirkus.

Ein viel diskutiertes Thema an diesem Abend ist die Freistellung eines Mitarbeiters der Veranstaltungsgesellschaft in.Stuttgart. Deren Geschäftsführer Andreas Kroll feiert ebenfalls mit und wird darauf angesprochen. Wie unsere Zeitung exklusiv berichtet hat, ist der betroffene Mitarbeiter aus dem städtischen Unternehmen ausgeschieden und hat eine Selbstanzeige bei der Staatsanwaltschaft gestellt. Kroll selbst äußert sich nicht zu den Hintergründen, erklärt jedoch, dass er dies zu einem späteren Zeitpunkt möglicherweise tun werde.

Thema ist die Selbstanzeige eines Mitarbeiters von in.Stuttgart

Einige Besucher zeigen Unverständnis. Eine städtische Gesellschaft müsse, so hört man, transparente Antworten geben, „wenn etwas schiefläuft – schließlich handelt es sich um öffentliche Gelder“. Blieben Stadt und in.Stuttgart weiterhin schweigsam, entstehe der Eindruck, dass versucht werde, „etwas unter den Teppich zu kehren“. Mehrere Gäste bedanken sich ausdrücklich bei der Zeitung, dass sie den Fall aufgedeckt und publik gemacht habe, sonst hätte die Öffentlichkeit davon nichts erfahren.

Die begeisterten Premierengäste werden noch lange von der 31. Show schwärmen – und immer weiter erzählen, wie grandios sie war. Dies dürfte dafür sorgen, dass der große Run auf die Karten jetzt richtig beginnt. Wie in den Jahren zuvor dürften die Tickets schon bald wieder knapp werden.