Fidelis Stehle in Belém: zusammen mit Mitgliedern seiner Delegation führt der Stuttgarter zahlreiche Gespräche als Stimme der Jugend. Foto: privat

Fidelis Stehle ist mit Mitte 20 bereits zum vierten Mal bei einer Weltklimakonferenz dabei. Was er diesmal anders findet uns was er mindestens erreichen möchte.

Die Messlatte ist hoch. „Es geht um etwas Ambitioniertes, also das, was es für eine lebenswerte Zukunft braucht“, sagt Fidelis Stehle. Eine gute Weltklimakonferenz werde es für ihn und die, für die er spricht, wenn drei Ziele erreicht seien. Dass den Worten endlich Taten folgen, also die Ambitionslücke zum 1,5-Grad-Ziel durch ein Ende der Fossilen geschlossen wird; dass es ein für alle gerechter Übergang wird; und dass die reichen Staaten, die maßgeblich verantwortlich sind für den hohen CO2-Ausstoß, für Klimaschutz, Anpassung und für die Schäden aufkommen. „Wir haben Rechte“, sagt der 25-Jährige. „Wir wurden in diese Welt geboren.“

Mit „wir“ meint er die junge Generation. Der Stuttgarter ist als Delegierter des internationalen Kinder- und Jugendverbands (kurz: FIMCAP) nach Belém (Brasilien) gereist, um an der 30. Weltklimakonferenz teilzunehmen. Die vergangenen beiden Jahre war er der ehrenamtliche Europapräsident des Verbands.

Fidelis Stehle aus Stuttgart bei der COP in Brasilien Foto: privat

Fidelis Stehle gilt als erfahrener Jugendpolitiker. In seinem Lebenslauf stehen – angesichts der jungen Jahre – auch noch viele weitere Ämter und Funktionen. Er war zum Beispiel deutscher UN-Delegierter für nachhaltige Entwicklung, und er ist nach wie vor Vorsitzender des Kreisjugendrings Rottweil. Seit rund einem Jahr ist er hauptberuflich Diözesanleiter des Bundes der Katholischen Jugend (BDKJ) in Stuttgart. Seine Ehrenämter hat er leicht zurückgeschraubt.

Stuttgarter freut sich über Demos

Aus der Erfahrung bei Weltklimakonferenzen kann Fidelis Stehle sagen, was diesmal anders ist. Es sei die erste COP seit Jahren in keiner Autokratie, sagt er. Das bedeute mehr Freiheit, eine gelöstere Stimmung, Gastfreundschaft. Dass Demos möglich seien, „daraus ziehe ich unfassbar viel Energie“.

Kindern und Jugendlichen weltweit gehe es vor allem um Klimagerechtigkeit. Dass das in Stuttgart nicht zwangsläufig dasselbe meint wie in einem Inselstaat, das erfährt der 25-Jährige bei diesen Reisen hautnah. Er teile sein Appartement in Belém mit einem jungen Mann von den Philippinen. „Die Klimakrise prägt deren Alltag.“

Fan vom VfB, seit er denken kann

Mit seinem weißen Hemd und den druckreifen Zitaten wirkt Fidelis Stehle sehr reif und erwachsen. Wie schafft man es in so jungen Jahren wiederholt zur Weltklimakonferenz? Fidelis Stehle sagt, er sei schon früh in das Engagement hineingewachsen, wollte sich immer für andere einsetzen. Schon in der Grundschule war er Klassensprecher, mit 15 Jahren begann er als Fußballtrainer.

Er kickt immer noch in seiner Geburtsstadt Rottweil. Doch sein Herz gehört, seit er denken kann, dem VfB Stuttgart. An dem ist er jetzt ganz nah dran: Er wohnt in Untertürkheim. Das Auf und Ab seines Lieblingsvereins hat ihn übrigens auch Geduld in Sachen Klima gelehrt: „Es kann auch wieder positiv werden.“

Es sei ja nicht so, dass Klimaschutz keinen interessiere. Fidelis Stehle sagt: „75 Prozent der Menschen in Deutschland finden das wichtig.“ Auch wenn das Zukunftsthema von anderen, sehr drängenden Fragen überlagert werde. Allen voran von der gestiegenen Unsicherheit in Europa.