Basteln am Kader für die nächste Saison: Trainer Konstantin Bitter wird unterstützt von Noch-Sportdirektorin Kim Renkema. Foto: Baumann/Cathrin Müller

Neben Sportdirektorin Kim Renkema werden auch einige wichtige Spielerinnen den Volleyball-Bundesligisten Allianz MTV Stuttgart nach der Saison verlassen: Konstantin Bitter steht in der Verantwortung.

Die Volleyball-Saison läuft zwar noch gut drei Monate, trotzdem ist es dringend notwendig, schon jetzt an die Zeit danach zu denken. Besonders gilt das für Allianz MTV Stuttgart. Denn der Bundesligist verliert in einem Vierteljahr nicht nur seine Sportdirektorin Kim Renkema, sondern ziemlich sicher auch einige seiner wichtigsten Spielerinnen. „Wir stehen“, sagt Konstantin Bitter, „vor einem extremen Umbruch, wie ihn dieser Verein noch nicht erlebt hat.“ Und von dem auch der Trainer stark betroffen ist.

Konstantin Bitter führte sein Team im Frühjahr 2024 zum Triple. Nun, ein Jahr später, will er die Meisterschale erneut holen. Allerdings sind derzeit nicht nur seine Fähigkeiten in der Halle gefragt, der 35-jährige Coach erhielt vom Verein zudem den Auftrag, einige der Aufgaben der scheidenden Sportdirektorin zu übernehmen. Die wichtigste? Ist zweifelsohne die Planung des neuen Kaders. „Es bringt jetzt nichts, über etwaige Probleme nachzudenken, wir müssen nach vorne schauen“, sagt Konstantin Bitter, „bei den meisten Bundesligisten ist es so, dass der Trainer auch für die Zusammenstellung des Teams zuständig ist. Ich kenne das aus meiner Zeit in Erfurt, und jetzt mache ich das eben auch in Stuttgart.“ Allerdings (noch) nicht alleine.

Neue Rolle für Kim Renkema

Kim Renkema hat sich mit dem Verein zwar nicht auf eine Verlängerung ihres Vertrages einigen können, bekam aber von den Verantwortlichen zugleich mitgeteilt, dass bis zum Ende des Kontraktes volles Engagement von ihr erwartet werde. Also unterstützt die Noch-Sportdirektorin ihren Coach bei der Kaderplanung. „Meine Rolle ist jetzt eine andere als früher, ich bringe keine eigenen Ideen und keine strategischen Überlegungen mehr ein“, sagt Kim Renkema, „aber ich helfe Konstantin Bitter dabei, seine Wünsche umzusetzen.“

Verlassen Krystal Rivers (li.) und Kim Renkema Allianz MTV Stuttgart gemeinsam? Foto: Baumann/Julia Rahn

Wie viel Expertise dem Verein durch die Trennung von Kim Renkema verloren geht, verdeutlicht ein Telefonat mit Stefano Barbieri. Der Italiener ist Spielerberater, er arbeitete jahrelang mit der MTV-Sportchefin zusammen, zu seinen Klientinnen gehören unter anderem Krystal Rivers, Jolien Knollema und Britt Bongaerts. „Wir haben eine Menge Deals zusammen gemacht und viele Erfolge gefeiert. Ich bin Kim Renkema und Allianz MTV Stuttgart sehr dankbar für das gegenseitige Vertrauen und die gezeigte Professionalität“, sagt Stefano Barbieri: „Ich bin sehr traurig, dass Kim Renkema nicht länger Teil des Vereins sein wird. Ich zolle ihr enormen Respekt für ihre Leistung. Sie ist eine der größten Expertinnen im Volleyball, hat ein tolles Händchen für Spielerinnen, Budgets, die Zusammenstellung eines Kader, den Umgang mit Teams und Trainern – und sie war auch für mich immer erreichbar. Auf einer Skala von eins bis zehn verdient sie mehr als eine Zehn.“ Dafür stehen auch andere Zahlen.

Nicht nur Maria Segura Pallerés wird gehen

Die Mannschaften, die Kim Renkema zusammengestellt hat, holten in den letzten fünf Jahren acht Titel. Sie verpflichtete Identifikationsfiguren wie Krystal Rivers, Roosa Koskelo oder Maria Segura Pallerés. Neben der Qualität stimmte meist auch die Chemie im Kader. „Alles war sorgfältig geplant und wohlüberlegt, wir haben nie kurzfristig gedacht“, sagt Kim Renkema, „diesmal war der Wunsch der Verantwortlichen, es bei den Planungen langsamer angehen zu lassen. Deshalb hinken wir, was die Zusammenstellung des Kaders angeht, anderen hinterher.“

Doch das ist nicht das einzige Problem. Es wird, das steht schon fest, nicht nur auf der Position der Sportdirektorin größere Veränderungen geben. Sondern auch auf dem Feld. Maria Segura Pallerés beendet ihre Karriere nach der WM im September. Auch US-Starangreiferin Krystal Rivers, die ein sehr enges Verhältnis zu Kim Renkema hat, wird ihren Vertrag wegen der körperlichen Belastungen und wegen des Abgangs der Sportdirektorin wohl nicht noch einmal verlängern – alles andere wäre für die Verantwortlichen eine große Überraschung. Die niederländische Nationalspielerin Jolien Knollema wird sich neu orientieren, sie ist laut Renkema „kaum zu halten“. Das dürfte auch für Zuspielerin Pia Kästner gelten: Spielt ihr Rücken mit, wird Deutschlands Volleyballerin des Jahres erneut versuchen, nach Italien zu wechseln.

Lucia Varela Gomez will der Verein halten

Weiterhin geplant wird in Stuttgart mit Zuspielerin Charlotte Krenicky, die einen Zwei-Jahres-Kontrakt hat, sowie mit Diagonalangreiferin Pauline Martin und Libera Florien Reesink, in deren Verträgen Optionen auf eine weitere Saison verankert sind. Unbedingt gehalten werden soll auch Mittelblockerin Lucia Varela Gomez. „Unser Ziel ist, dass die Basis unseres Teams bestehen bleibt. Es gab bereits sehr gute Gespräche“, sagt Trainer und Kaderplaner Konstantin Bitter, „ich bin optimistisch, dass wir wieder eine Mannschaft zusammenstellen können, die um Titel spielt.“

Das würde auch Kim Renkema freuen: „Der Verein und seine Fans liegen mir weiter sehr am Herzen.“ Allerdings weiß die Noch-Sportdirektorin, dass es bei der Zusammenstellung einer Gruppe nicht nur auf die Qualität der Spielerinnen ankommt. „Die Herausforderung ist jetzt, eine Strategie und Ziele für die nächsten drei Jahre zu entwickeln“, sagt sie, „und vor allem wird es darum gehen, neue Identifikationsfiguren zu finden. Sollte das nicht gelingen, ist die Gefahr groß, die Top-Position im deutschen Volleyball zu verlieren.“