Das Projekt von engagierten Flachter Bürgern stößt nun räumlich an seine Grenzen. Wolfgang Gohl hofft auf eine angrenzende Fläche, die allerdings der Gemeinde gehört. Foto: Simon Granville

Für ein Dorf hat Flacht ein Nahversorgungszentrum beachtlicher Größe: Supermarkt, Getränkemarkt, Ärzte sind versammelt. Entstanden vor 25 Jahren auf Initiative engagierter Bürger.

Es gab einen Metzger, einen Bäcker und Mehl verkaufte die örtliche Mühle, damals in den 1970er-Jahren, als Flacht mit Weissach eine Gesamtgemeinde bildete und die Firma Porsche begann, im Heckengäu einen Standort zu entwickeln. „Zu der Zeit hatte Flacht 1800 Einwohner“ erzählt Wolfgang Gohl, ein Urgestein der Weissach-Flachter Kommunalpolitik.

„Die Leute sind zum Einkaufen nach Weissach, wo es ab Mitte der 1980er Jahre den heute noch bestehenden Rewe-Markt gab, oder Rutesheim gefahren“, erinnert er sich. Heute kommen die Kundinnen und Kunden nicht nur aus Flacht, sondern auch aus Weissach und der Umgebung zum Einkaufen in den kleineren der beiden Teilorte der Strudelbachgemeinde. Seit 25 Jahren ist das dortige Marktzentrum ein wichtiger Baustein in der Nahversorgung der Bevölkerung.

„Es kann doch nicht sein, dass es in Flacht nichts gibt!“

Wolfgang Gohl war von 1975 an 40 Jahre Mitglied des Gemeinderats und hat die Entwicklung des Ortes mitgestaltet. Immer wieder sei er mit den mangelnden Einkaufsmöglichkeiten in Flacht konfrontiert worden. „Leute aus der hiesigen Bürgerschaft sind an mich herangetreten und haben gesagt, es kann doch nicht sein, dass es in Flacht nichts gibt“, erinnert er sich. Doch für einen Einkaufsmarkt schien zunächst die nötige Fläche zu fehlen.

Dann ergab sich aber, dass das Gelände des alten Flachter Sägewerks zur Verfügung stehen würde. Deren Eigentümer haben zusammen mit weiteren Flachter Familien eine Marktgemeinschaft gegründet mit dem Ziel, im Ort ein Lebensmittelgeschäft zu errichten. Der Gemeinderat beschloss einstimmig einen Bebauungsplan für das Gebiet, Ende 1999 wurde der Grundstein für den neuen Einkaufsmarkt gelegt, am 20. Juli 2000 öffnete dieser seine Pforten für die ersten Kunden.

Auf die Gestaltung der Gebäude legten die Eigentümer aus Flacht großen Wert. „Die Bürger sagten, wir wollen jeden Tag daran vorbeifahren und Freude am neuen Marktzentrum haben“, so der Agrarökonom Wolfgang Gohl, der seither nebenberuflicher Geschäftsführer der Eigentümer-Gesellschaft ist. So hat der Einkaufsmarkt, der seit den Anfängen von Edeka betrieben wird, auch nicht das anderswo übliche Flachdach erhalten, sondern ein hohes Giebeldach, wodurch im Eingangsbereich ein großer offener Bereich entstanden ist. Das neue Angebot sei rasch sehr gut angenommen worden, so Gohl.

Schon nach drei Jahren waren die Räume zu klein, ein neuer Getränkemarkt musste her, um das Sortiment erweitern zu können. Das war erst der Anfang der über die folgenden Jahre andauernden Bautätigkeit auf dem Gelände. Denn zur gleichen Zeit suchten zwei örtliche Ärzte für ihre Gemeinschaftspraxis größere Räume und auch ein Zahnarzt meldete Platzbedarf an. Zusätzliche Bauflächen ergaben sich schließlich, als ein Bauernhaus am nördlichen Rand des Gebiets aufgegeben und der Eigentümer die Flächen in die Marktgemeinschaft und die inzwischen gegründete Bauherrengemeinschaft einbrachte.

Neue Gebäude entstanden, in denen neben den Arztpraxen auch eine Apotheke, ein Optiker-Geschäft, ein Blumenladen und eine Versicherungsagentur Platz fanden. Es gibt eine Postagentur, einen Bankautomaten und eine Paket-Service-Stelle. Im Laufe der folgenden Jahre wurden weitere Neu-, An- und Umbauten in dem wachsenden Einkaufs- und Dienstleistungszentrum geschaffen.

Flacht hat für eine Kommune ein Nahversorgungszentrum beachtlicher Größe. Foto: Simon Granville

2004 wurde die erste Photovoltaik-Anlage montiert, 2016 die Beleuchtung im Markt auf LED umgestellt. „Technisch sind wir immer auf dem neuesten Stand“, erklärt Wolfgang Gohl und ein gewisser Stolz auf das Geschaffene ist ihm dabei anzumerken. 140 Parkplätze gibt es, die Bushaltestelle liegt direkt vor dem Zentrum, aber der Markt sei für die Flachter gut fußläufig zu erreichen. Mehr als 100 Menschen arbeiten in den verschiedenen Bereichen des Zentrums. Rund neun Millionen Euro hat die Marktgemeinschaft in das Marktzentrum in den letzten 25 Jahren investiert und damit nicht nur ein Versorgungszentrum für Flacht, sondern für die Gesamtgemeinde geschaffen.

Doch jetzt stößt das Projekt von engagierten Flachter Bürgern räumlich an seine Grenzen. „Wir haben kaum noch Erweiterungsmöglichkeiten“, so Gohl. Der Supermarkt mit 900 Quadratmeter Fläche sei zu klein für heutige Anforderungen, das Sortiment müsse erweitert werden. Es gebe da noch eine angrenzende Fläche, die allerdings der Gemeinde gehört. „Wir hoffen, dass diese mitmacht. Denn wir wollen auch in den nächsten zehn Jahren bestehen und uns nicht rückwärts entwickeln“, betont der 79-jährige Noch-Geschäftsführer der Gesellschaft, der dieses Amt jetzt in jüngere Hände übergibt. Es müsse immer angepasst werden, stehenbleibe gehe nicht. „Unser Ziel ist es, die Gemeinde zu versorgen. Das, was gebraucht wird, machen wir“, sagt Wolfgang Gohl