Der Steinmetz Martin Linß führt die Besucher in sein Handwerk ein. Foto: Roberto Bulgrin

Am mittelalterlichen Stand von Martin Linß können Besucher nicht nur hautnah miterleben, wie der Steinmetz sein historisches Handwerk ausübt, sondern auch selbst aktiv werden.

Es war alles andere als in Stein gemeißelt, dass Martin Linß Steinmetz werden sollte. Lange wusste der heute 60-Jährige gar nicht, in welche Richtung es beruflich für ihn gehen sollte. Bis ihm nach der Schule bei einer Berufsberatung Ausbildungen als Maler, Lackierer oder Steinmetz empfohlen wurden. Linß war sofort klar, dass er weder Maler noch Lackierer werden wollte – wohl aber Steinmetz.

Doch es dauerte, bis der Beruf zur Passion wurde: „Ich bin leider erst einmal in einer Grabsteinbude gelandet“, erzählt Linß. Während der Ausbildung in dem Betrieb für Grabmale habe er das Handwerk aber immer mehr lieben gelernt: „Ich habe gemerkt, dass viel mehr dahinter steckt als nur Schrift in Steine zu hauen“, so Linß. Er sei immer mehr in die künstlerische Richtung gegangen und habe zunehmend Gefallen an der Arbeit mit Steinen gefunden – bis er sich schließlich selbstständig gemacht habe.

Restaurateur, Aussteller und Vorführer

Inzwischen ist Linß seit 23 Jahren als selbstständiger Steinmetz unterwegs. Er unterstütze bei der Restaurierung historischer Gebäude und sei etwa an der Erneuerung des Magdeburger Doms beteiligt gewesen, erzählt Linß. Zudem habe er in der Coronazeit eine Freiluftausstellung für Gartenobjekte auf einer großen Wiese in der Nähe seiner Heimatstadt Weimar aufgebaut. Vor allem aber führt er sein Handwerk auf Märkten vor – wie etwa in Esslingen.

Hier hat der 60-Jährige seinen Stand auf dem Mittelaltermarkt am Hafenmarkt aufgebaut. Neben Edelsteinen, Mörsern und dekorativen Tierchen aus Stein sind hier auch Fackelsteine, unbehauene Steinplatten und allerlei Steinmetzwerkzeuge zu finden. „Bei mir geht es weniger um den Verkauf“, sagt Linß. Er bekomme Honorar dafür, dass er sein Handwerk vorführe – was er darüber hinaus einnehme sei eher ein Taschengeld.

Dabei achtet Linß penibel darauf, dass sein Stand wirklich mittelalterlich daherkommt: „Ich habe keinen Strom und ich nutze ausschließlich natürliche Beleuchtungsquellen“, betont er. Er kann nicht verstehen, wenn Beschicker auf Mittelaltermärkten elektrische Lichterketten in ihre Buden hängen – das habe mit der historischen Epoche rein gar nichts zu tun. Wenn es dunkel werde, stelle er einige Fackeln auf und arbeite im Schein des Feuers, erklärt der Steinmetz. So habe er auf dem Esslinger Mittelaltermarkt bereits ein gotisches Nischenfenster hergestellt, einige Spruchsteine behauen sowie zahlreiche Fackelsteine.

Letztere dürfen Besucher auch eigenhändig direkt vor Ort aushöhlen. Linß stellt das Werkzeug, nur der Stein muss ihm abgekauft werden. Während die Laien-Steinmetze an der Arbeit sind, bereitet Linß das Wachs und den Docht für die kleine Fackel vor, die in der von den Kunden gehauenen Mulde platziert wird. Wer sich auf die ungewöhnliche Arbeit einlässt, kann anschließend einen selbst gehauenen Fackelstein mit nach Hause nehmen. Das Angebot werde in Esslingen durchaus angenommen, berichtet Linß – wenn auch meist nicht ganz spontan. Viele Interessierte würden nicht direkt anfangen zu arbeiten,wenn sie von der Aktion erfahren, sondern an einem anderen Tag speziell fürs Fackelstein hauen wiederkommen.

Esslinger Mittelaltermarkt bei Händlern begehrt

In Esslingen ist Martin Linß gewissermaßen ein Neuling. Er hatte hier zwar im Jahr 2019 schon einmal einen Stand, doch dann folgte wegen Corona eine längere Pause. Jetzt ist der Steinmetz erstmals wieder mit von der Partie – und genießt es offensichtlich: „Der Esslinger Mittelaltermarkt ist einer der schönsten, ich bin stolz, dass ich dabei sein darf“, sagt Linß. Es sei nicht ganz einfach, hier einen Standplatz zu bekommen, denn der Markt sei bei Händlern sehr begehrt: „Esslingen ist immer eine Nummer, der Taler liegt hier etwas lockerer“, erklärt er. Und auch wenn der Verkauf bei ihm nicht im Vordergrund stehe, sei es schön, dass hier auf dem Mittelaltermarkt immer etwas los sei.