Klassisch oder mit Lokalkolorit: Krippen im Kreis Esslingen erzählen die Weihnachtsgeschichte in vielfältigen Bildern.
Mal präsentieren sie sich minimalistisch, mal kann man mit den Augen in detailverliebten Krippenlandschaften spazieren gehen. In vielen Krippen fehlt anfangs noch die Heilige Familie, andere enthalten schon das komplette weihnachtliche Personal. An Heiligabend aber wird dann alles komplett sein.
Die Krippe im Esslinger Münster St. Paul ist 1927 vom Münchner Bildhauer Sebastian Osterrieder geschaffen worden. „Eine Besonderheit ist das Christkind, das außer von Maria und Josef von drei Engeln liebevoll umgeben und beschützt ist – Ausdruck dessen, dass die Kinder ganz besonders des Schutzes Gottes und der Menschen bedürfen“, erklärt Pfarrer Stefan Möhler. Aufs Christkind muss man allerdings bis zum Heiligen Abend warten: Die Krippenfiguren werden in der Adventszeit nach und nach in die Krippenlandschaft gestellt.
In der benachbarten evangelischen Stadtkirche gibt die eher schlichte Krippe Rätsel auf. Sie soll im vergangenen Jahrhundert von einem Strafgefangenen geschaffen worden sein, mehr wisse man nicht, sagt Stadtkirchenpfarrer Christoph Bäuerle. Üppig hingegen geht es in Neuhausen zu: In der Liebfrauenkapelle auf dem Friedhof entfaltet sich eine gigantische Krippenlandschaft, die neben den klassischen Szenen auch weitere Bezüge aufweist. In der Adventszeit kommen Woche für Woche neue Motive dazu. Die Kapelle ist täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet. „Menschenwege – Gottes Weg“ hat Pfarrerin Margarethe Schmid, die Schöpferin der Krippe im Chor der Denkendorfer Klosterkirche, ihr Werk genannt. Rund 80 biblische Erzählfiguren, die überwiegend aus Naturmaterialien gefertigt sind, stellen in 24 Szenen nicht nur die Ereignisse um die Geburt Jesu nach, sondern reichen weit über das Weihnachtsgeschehen hinaus. Die erste Szene zeigt Adam und Eva im Garten Eden, am Ende rastet die Heilige Familie auf der Flucht nach Ägypten unter einer Palme. Damit stelle sie die Weihnachtsgeschichte in den Horizont der Menschheitsgeschichte, erläutert Pfarrer Rolf Noormann.
Biblische Figuren aus Naturmaterialien
Die Krippe in der Stadtinformation in Plochingen stammt vom verstorbenen Alt-Bürgermeister Eugen Beck. Dabei hat er allerlei Lokalkolorit eingebaut. Ortskundige können bekannte Plochinger Persönlichkeiten erkennen, die dem Jesuskind vor dem Alten Rathaus huldigen. Auch markante Gebäude wie Stadtkirche, Ottilienkapelle und Hundertwasserturm hat Beck zu einem Ensemble zusammengefügt.
Katholische Tradition
Krippen gehen auf eine katholische Tradition zurück, erklärt Theologe Rolf Noormann. In Italien gab es ab dem späten 14. Jahrhundert die ersten Figurenkrippen. Vom 17. Jahrhundert an kamen Krippen in katholischen Ländern Europas zunehmend auch in den häuslich-privaten Raum. Im 19. Jahrhundert wurde die Weihnachtskrippe als Massenprodukt in weiten Bevölkerungskreisen gebräuchlich.