Beata Noisser hat sich das diesjährige Krippenspiel in Weissach ausgedacht. Bei der Aufführung wird die klassische Weihnachtsgeschichte mit aktuellen Themen verbunden.
Die katholische Kirche ist gut gefüllt am Nachmittag des 24. Dezember. Die Ministrantinnen Bea und Lilly sind bereit für das Krippenspiel. Bevor es losgeht, diskutieren sie noch darüber, welche Geschenke sie sich zu Weihnachten wünschen.
„Ich habe mir ein neues Handy gewünscht“, sagt Lilly. „Normalerweise bekomme ich immer alles, was ich will. Aber das kostet 1299 Euro.“ Bea ist überrascht: „Du hast doch erst vor vier Monaten ein neues bekommen!“ Bevor die Mädchen weiter diskutieren können, beginnt das Krippenspiel.
Heiligabend: Krippenspiel mit modernen Themen
Oder gehört diese Szene bereits zum Krippenspiel? Das Stück, das in diesem Jahr in der katholischen Kirchengemeinde St. Clemens in Weissach aufgeführt wird, hat eine doppelte Rahmenhandlung. Geschrieben wurde es von Beata Noisser, die als Ministrantin Bea auch selbst mitspielt. „Das ist das dritte Stück, das ich selbst geschrieben habe“, erzählt die 21-Jährige am Ende der Probe. Denn natürlich wird das Stück erst Heiligabend, 15 Uhr, in der katholischen Kirche in Weissach aufgeführt.
Doch warum schreibt man eigentlich ein Krippenspiel? „Bei uns haben sich immer die Oberministranten um das Krippenspiel gekümmert. Da gibt es jede Menge fertige Stücke zu kaufen“, erzählt sie, von klassisch bis modern. Als sie dann selbst Oberministrantin war, habe sie zunächst Lieder in die Aufführungen eingebaut. „Vor vier Jahren, also 2021, hatte ich zwei Stücke ausgesucht, die unterschiedliche Themen behandelt haben. Die Abstimmung darüber, welches wir nehmen, fiel unentschieden aus“, sagt die Studentin für Grundschullehramt.
Den mitwirkenden Kindern gefielen jeweils unterschiedliche Aspekte. „Also habe ich aus beiden ein Stück gemacht“, berichtet Beata Noisser, die schon von Kindesbeinen an in Krippenspielen mitgewirkt hat. Dafür musste sie einige Sachen verändern, etwa Handlungsorte oder die Zahl der Personen im Stück. Im Folgejahr schrieb sie dann gleich ihr eigenes Stück.
Die klassische Weihnachtsgeschichte von Josef und der hochschwangeren Maria, die in Bethlehem ein Unterkunft suchen, die kennt vermutlich jeder. Doch auch innerhalb dieser Erzählung könne man inhaltlich verschiedene Schwerpunkte setzen, so die Studentin. Mal geht es um Nächstenliebe, mal steht die Geburt Jesu als Heilsbringer im Vordergrund. Immer geht es um einen Funken Hoffnung in einer dunklen Zeit.
Auch in Beata Noissers diesjährigem Stück in Weissach. Maria und Josef finden ein Obdach, erhalten von der Wirtin Essen, obwohl diese kaum noch etwas übrig hat. Und die Ministrantin Lilly erkennt, dass es wichtigere Dinge gibt als ein neues Handy. Etwa an Weihnachten die Oma im Pflegeheim zu besuchen.
Ein Krippenspiel ist mehr als Maria, Josef und das Jesuskind
„Es gibt beim Krippenspiel diese Bildebene mit Maria und Josef und dem Jesuskind in der Krippe, die jeder kennt. Und es gibt immer eine tiefere Ebene. Jeder wird in diesem Stück von etwas anderem angesprochen“, sagt Beata Noisser. Sei es die Güte gegenüber denen, die weniger haben. Oder sei es den Menschen, die einem wichtig sind, dies auch zu zeigen.
„Vor zwei Jahren war das Thema Friede auf Erden. Am Ende des Stücks hatten wir eine Minute Stille in der Kirche. Man hatte Zeit, in sich reinzuhören. Hinterher haben mir viele gesagt, dass die Weihnachtszeit erst in diesem Moment bei ihnen angekommen ist“, sagt die Weissacherin.