Elternsprecher Jan Maurer zeigt die prekäre Raumnot in der Gemeinschaftsschule in Nellingen auf. Foto: oh - oh

Dass die Gemeinschaftsschule in Nellingen erst 2025 einem Neubau bekommt, ist für Eltern wie Lehrer inakzeptabel. Der Ersatzbau müsse viel früher kommen.

OstfildernWir können nicht sechs Jahre in irgendwelchen Containern auf dem Schulzentrum untergebracht werden.“ Rektor Udo Lang brachte bei einem Informationsabend in der Erich-Kästner-Schule (EKS) die Unzufriedenheit vieler Eltern und Lehrer auf den Punkt: Die Raumsituation der Gemeinschaftsschule, in die die EKS 2016 umgewandelt wurde, sei völlig unbefriedigend. Der Platz reiche vorne und hinten nicht, um dem heterogenen Leistungsniveau der Schüler gerecht zu werden. Die Stadt Ostfildern, kritisiert Lang, weil sie es bis heute versäumt habe, verlässliche Perspektiven aufzuzeigen, wie man der stetig wachsenden Schülerzahl begegnen könne. Bis 2025, wie es die Kommune derzeit vorsieht, könne man keinesfalls auf den Neubau warten.

Genauso sieht es der Arbeitskreis von Elternvertretern, der seit Jahresbeginn gegen die eklatanten Raumnot ankämpft. Eltern und Lehrer kämen sich vor, als würde man sie am langen Arm verhungern lassen, sagte Arbeitskreis-Sprecher Jan Maurer vor rund 120 Zuhörern, darunter etliche Stadträte. Seine zentrale Forderung: den Abriss der Sporthalle 1 vorziehen, damit ein Neubau oder alternativ ein Anbau spätestens zum Schuljahrs 2022/2023 bezugsfertig sei. In seiner Präsentation zeigte Maurer die prekäre Situation auf: Schon im kommenden Schuljahr werde es einen erheblichen Engpass geben, wenn drei neue Klassen mit je 27 Kindern hinzukämen und die Zahl der Kinder auf rund 330 steige. Heute verfüge man über 24 Räume, ab September bräuchte man mindestens neun mehr. Nach dem Schulentwicklungsplan der Stadt bräuchte die EKS ab September eine Bruttogeschossfläche von 4700 Quadratmetern. Aktuell verfüge man jedoch nur über 2700 Quadratmeter. Das Problem werde sich weiter verschärfen, denn 2021 benötige man für die dann erwarteten 600 Schüler 50 Räume mit fast 7000 Quadratmetern.

In der Stadt weiß man seit langem um die Raumnot. Doch hat noch keiner eine wirkliche Lösung parat. Dass das EKS-Gebäude durch einen Neubau ersetzt oder zumindest modernisiert und erweitert werden muss, ist in Verwaltung und Gemeinderat unbestritten. Doch steht man vor einem Platzproblem: Erst wenn neben dem Vereinsheim des TV Nellingen ein Ersatzbau für die Sporthalle 1 steht und der marode Vorgängerbau abgerissen ist, gibt es auf dem Nellinger Campus Platz für einen Schulneubau. Was bis dorthin passiert – man spricht von 2025 oder gar 2026 – ist völlig offen. Als Übergangslösung hat man die Container vor der Realschule und vor dem Otto-Hahn-Gymnasium ins Auge gefasst, doch ist noch fraglich, wann und wie viele von ihnen zu Verfügung stehen. Parallel dazu fragt die Verwaltung derzeit freie Kapazitäten in den anderen Schule auf dem Campus ab. Man strebe unter anderem eine bessere Auslastung von Fachräumen an, sagt Stadtsprecherin Andrea Wangner. Im zweiten Halbjahr werde die Verwaltung dem Gemeinderat Vorschläge für Interimslösungen machen. Zunächst müsse man sich um das kommende Schuljahr kümmern.

Rektor Lang hat für September einen Notplan erarbeitet. Angedacht ist beispielsweise einen Aufenthaltsraum und den oberen Flur als Differenzierungsräume zu nutzen. Das Krankenzimmer werde gelöst. Selbst die Nische unter der Treppe werde man für pädagogische Zwecke nutzen. Er wisse allerdings noch nicht, ob er die benötigten zwei Container für den BK-Unterricht (bildende Kunst) bekomme. Die jetzige Situation ist nach Angaben des Rektors frustrierend und belastend zugleich: „Ich habe größte Bedenken, dass es an die Gesundheit meiner Kollegen geht.“ Uli Maute, Lernbegleiter in der Klasse 7c, zeigte eindrücklich auf, wie wichtig es in der Gemeinschaftsschule ist, genügend Räume zu haben, um mit den Kindern auf verschiedenem Lernniveau arbeiten zu können. „Im nächsten Schuljahr kriegen wir das noch einigermaßen hin.“ Aber für danach sieht er massive Probleme. Das bekräftige seine Kollegin Carola Schmillen-Becker. Mehr Eigenverantwortung und Selbstbestimmung funktionierten nur mit genügend Platz, beispielsweise in Lernbüros und -inseln. Maute warnte davor, auch nur eine vorübergehende Auslagerung von Teilbereichen in die Schule im Park anzudenken. „So etwas funktioniert mit einer Gemeinschaftsschule nicht.“

Elternsprecher Maurer beklagte die mangelnde Gesprächsbereitschaft der Verwaltung. Er vermisst den Willen, das auf dem gesamten Campus bestehende Raumproblem zu lösen. Alle Schulen müssten gleich behandelt werden. Deswegen müsse man ohne Tabus alle Freiflächen untersuchen. „Wir brauchen drastische Maßnahmen, denn wir stehen unter Zugzwang.“ Wenn man mit dem Abriss der Sporthalle noch dieses Jahr beginne, könne eine Freilufthalle an den Sportplätzen als Interimslösung dienen. Denkbar wären als Ausweichräume für den Unterricht auch Systembauten am Kubino.

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