Die ersten Tankstellen verlangen für einen Liter Super E5 bereits 2 Euro. Foto: Peter Kneffel/dpa/dpa-tmn

Der Schock an den Zapfsäulen geht weiter: In Stuttgart kostet Super-Benzin erstmals über 2 Euro pro Liter. Wer zur richtigen Zeit tankt, kann viel Geld sparen.

Die Spritpreis-Explosion in Stuttgart nimmt kein Ende. Am Dienstagvormittag knackten die ersten Tankstellen in der Landeshauptstadt die symbolträchtige 2-Euro-Marke beim Benzinpreis. Wie aktuelle Daten der Markttransparenzstelle zeigen, die unserer Redaktion über den Dienst tankerkoenig.de vorliegen, verlangten mehrere Tankstellen um 13:03 Uhr bereits 2,009 Euro pro Liter für Super E5. Auch Super E10 erreicht Spitzenpreise von bis zu 2,049 Euro.

„Die Situation verschärft sich von Stunde zu Stunde“, warnt ADAC-Kraftstoffexperte Christian Laberer. Die am Dienstagmorgen erfassten Daten deuteten auf weitere deutliche Anstiege hin. Tatsächlich zeigen die Zahlen aus Stuttgart: Zwischen den günstigsten und teuersten Tankstellen liegen mittlerweile Welten – bei Super E5 bis zu 20 Cent, bei E10 bis zu 17 Cent und bei Diesel bis zu 18 Cent pro Liter.

Diesel überholt erstmals E10

Eine bemerkenswerte Entwicklung vollzieht sich beim Diesel: Erstmals seit langer Zeit ist der Dieselpreis teurer als Super E10. Am Dienstagvormittag kostete Diesel in Stuttgart zwischen 1,869 und 2,049 Euro pro Liter – und liegt damit vielerorts über dem E10-Preis. „Diesel reagiert erfahrungsgemäß sensibler auf äußere Faktoren wie Krisen oder Kriege“, erklärt ADAC-Fachmann Laberer. „Die Preisausschläge – sei es nach oben oder unten – sind daher meist stärker.“

Die Spritpreis-Explosion in Stuttgart nimmt kein Ende Foto: Jens Büttner/dpa

Bundesweit hatte Diesel bereits am Montag mit 1,816 Euro im Tagesdurchschnitt den höchsten Wert seit Oktober 2023 erreicht. Super E10 kletterte auf 1,839 Euro – der höchste Stand seit Mai 2024. Damit verteuerte sich E10 von Freitag bis Montag um 6,1 Cent, Diesel sogar um 7 Cent. Am Dienstag setzt sich dieser Trend fort.

Keine Versorgungsengpässe zu befürchten

Trotz der drastischen Preissteigerungen gibt der Wirtschaftsverband Fuels und Energie Entwarnung: „Versorgungsengpässe sind nicht zu befürchten, weder bei Benzin und Diesel, noch bei Heizöl oder Flugkraftstoff“, heißt es von dort. Ein Grund: Deutschland beziehe Rohöl aus rund 30 Ländern. „Hauptlieferländer sind Norwegen, die USA, Libyen, Kasachstan und Großbritannien.“

Die steigenden Preise an den Tankstellen begründet der Verband damit, dass sowohl Rohöl als auch fertiges Benzin und Diesel teurer geworden seien. „Kritik an deutschen Tankstellengesellschaften und -betreibern ist unberechtigt“, betont ein Sprecher. „Weder die einen noch die anderen sind für den Nahostkonflikt verantwortlich, der die globalen Ölpreise und die europäischen Produktpreise für Benzin und Diesel steigen lässt.“

Preisvergleich lohnt sich mehr denn je

Für Stuttgarter Autofahrer gilt derzeit mehr denn je: Vergleichen lohnt sich. Die enormen Preisspannen im Stadtgebiet bieten erhebliches Sparpotenzial. Wer am Dienstagvormittag eine günstige statt eine teure Tankstelle anfuhr, konnte bei einer 50-Liter-Füllung E10 bis zu 8,50 Euro sparen, bei Super E5 sogar bis zu 10 Euro.

+++ Lesen Sie hier: Newblog zur militärischen Eskalation im Nahen Osten +++

Doch nicht nur der Ort, auch der Zeitpunkt des Tankens entscheidet über die Kosten. Eine ADAC-Auswertung aus dem Mai 2025 zeigt ein klares Muster der Preisschwankungen im Tagesverlauf – und dieses Muster hat auch in der aktuellen Krise Bestand.

Zwischen 19 und 20 Uhr am günstigsten

Die Analyse von über 14.000 Tankstellen in Deutschland ergab: Am teuersten ist Tanken am Morgen, kurz nach 7 Uhr. Hier erreichen die Preise ihr Tageshoch. Nachdem die Spritpreise nachts über längeren Zeitraum weitgehend konstant bleiben, ziehen sie ab circa 6 Uhr deutlich an und erreichen gegen 7 Uhr ihre Spitze.

Autofahrer in Stuttgart müssen derzeit tief in die Tasche greifen. Foto: Marcus Brandt/dpa

Im Tagesverlauf fallen die Preise dann mit weiteren Spitzen gegen 13 Uhr, 15 Uhr, 17 Uhr, 19 Uhr und 21 Uhr – die aber jeweils niedriger ausfallen als die vorherige. Am günstigsten tankt man zwischen 19 und 20 Uhr. Beinahe genauso preiswert ist der Zeitraum zwischen 21 und 22 Uhr. Auch zwischen 17 und 18 Uhr liegen die Preise bereits deutlich unter dem Tagesdurchschnitt.

Bis zu 13 Cent Unterschied im Tagesverlauf

Das Sparpotenzial durch die Wahl des richtigen Zeitpunkts ist enorm: Die durchschnittliche Preisdifferenz zwischen dem teuersten Zeitpunkt am Morgen und der günstigsten Tankphase am Abend betrug im Mai 2025 bei Benzin 12,5 Cent und bei Diesel 13,3 Cent je Liter. Bei einer 50-Liter-Tankfüllung macht dies mehr als 6 Euro aus – allein durch die Wahl des richtigen Zeitpunkts.

„Die Schwankungsbreite ist im Vergleich zum Vorjahr fast doppelt so hoch“, betont der ADAC. „In volatilen Zeiten wie jetzt können die Preisunterschiede noch größer ausfallen.“ Ab 22 Uhr klettern die Preise wieder auf ihr nächtliches Niveau, das von 23 Uhr bis 5 Uhr relativ stabil etwas über dem Tagesdurchschnitt liegt – das morgendliche Tanken sollte man also auf jeden Fall meiden.

Vergleichsportale überlastet

Der Ansturm auf Spritpreis-Vergleichsportale ist enorm. Am Sonntag nutzten laut ADAC fünfmal so viele Menschen den Spritpreisvergleich des Verkehrsclubs wie üblich, was zu Überlastungen führte. Auch am Montag kam es noch zu kürzeren Aussetzern. „Inzwischen haben wir die Serverkapazitäten angepasst“, sagte ein ADAC-Sprecher. Der Rat des Verkehrsclubs: Die morgendliche Preisspitze meiden und die Preise verschiedener Tankstellen vergleichen. Gerade in Krisenzeiten mit viel Bewegung gebe es besonders große Unterschiede.

Treiber der dramatischen Preisentwicklung ist der eskalierende Iran-Konflikt. Der Iran hat den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus eingeschränkt – eine der wichtigsten Engstellen des weltweiten Öltransports. Rund ein Fünftel der globalen Öltransporte passiert täglich die Meerenge am Persischen Golf. Der Ölpreis – in Kombination mit dem Dollarkurs typischerweise der wichtigste Treiber für Veränderungen bei Sprit und Heizöl – reagiert entsprechend nervös und legte weiter zu.

„Sollte der Ölpreis nicht bald wieder nachgeben, kann der Aufwärtstrend auch über die nächsten Tage anhalten“, prognostiziert ADAC-Experte Laberer. Am Dienstagmorgen deuteten erste Daten darauf hin, dass Benzin und Diesel im Tagesverlauf noch einmal um einige Cent im Vergleich zum Montag steigen könnten.