Ein Blick ins beinahe Leere: Im Aidlinger Rewe ist das Angebot stark reduziert. Für die Grundversorgung reicht es aber noch. Foto: Stefanie Schlecht

Der Einkaufsmarkt öffnet an diesem Samstag zum vorerst letzten Mal. Wenn er wieder aufmacht, hat sich viel verändert. Die „Umbaupause“ wird auch sonst auf spannende Weise genutzt.

Im Aidlinger Rewe sieht es aus, als hätten Hamsterkäufer die Regale leergekauft. Die Obst- und Gemüsetheke, ebenso die Metzger- und Käseabteilung sowie Kühlfächer und weitere Regale sind zwar noch mit Ware bestückt, je weiter man sich jedoch durch die Gänge des Supermarkts bewegt, desto ausgedünnter wird das Sortiment. Der Blick in die kahlen Regalreihen erinnert ein wenig an die Pandemiezeit, als es mit Mehl, Hefe und Klopapier eng wurde.

„Darf man denn überhaupt noch einkaufen?“

Eine Kundin steht irritiert vor dem halb leeren Supermarkt.

Mit Enge hat die momentane Situation hier im Markt allerdings nichts zu tun. Ganz im Gegenteil: Der Rewe wird nämlich um fast die doppelte Verkaufsfläche erweitert. Dafür muss der Altbau allerdings weichen. Dort, wo heute noch Müsli, Sprudelflaschen oder Tiefkühlpizza lagern, wird es in Zukunft reihenweise Parkplätze und auch einige Ladestationen für E-Autos geben.

Samstag vorerst letzter Öffnungstag

„Unser letzter Öffnungstag ist am Samstag“, sagt Benedikt Bühler, der Geschäftsführende Gesellschafter der Aidlinger Filiale. Statt abends um 22 Uhr schließt der Markt allerdings bereits um 13 Uhr. Dann beginnt das große Ausräumen. Eine Entrümpelungsfirma werde sämtliche Regale, Verkaufstheken und sonstiges Mobiliar auf einen Laster laden und abtransportieren. Nicht verkaufte und haltbare Ware wird in umliegende Filialen verteilt. „Ab Anfang, Mitte März kommen dann die Abrissbagger“, sagt Bühler.

Bis dahin läuft der Verkauf noch ganz normal weiter – wobei das Wort „normal“ aus Kundensicht wohl nicht so ganz passt. An diesem Vormittag ist nämlich außer Bühler und ein paar Verkäuferinnen kaum jemand im Laden. „Ich hab’ mich gefragt, ob ich noch rein kann“, sagt eine Kundin, die sich unsicher umblickt. „Darf man denn überhaupt noch einkaufen?“, fragt sie. „Ja, klar“, sagt Bühler freundlich lächelnd.

Geschäftsführer Benedikt Bühler steht vor einem halb leeren Regal. Foto: Stefanie Schlecht

„Viele haben es noch gar nicht mitbekommen“, erzählt der 32-jährige Kaufmann. Und dass er in solchen Momenten manchmal schmunzeln müsse. Schließlich sind die Veränderungen schon jetzt deutlich sichtbar. Direkt hinter dem Altbau steht bereits der Rohbau. Das Bauwerk überragt um einige Meter den Flachbau, der Ende der 70er-Jahre noch als Tengelmann-Filiale eröffnet wurde.

„Oben drauf kommt dann noch ein Glasdach“, erklärt Bühler. Anders als der alte Markt soll der Neubau komplett von Tageslicht durchflutet sein. In den kommenden Tagen erwartet Bühler dafür eine spektakuläre Schwertransportanlieferung. „Da kommen 28 Meter lange Dachbinder oben drauf. Die wurden ganz speziell für dieses Dach hergestellt“, erzählt er, während über ihm ein Baukran eine schwere Betonplatte zu den Bauarbeitern herabsinken lässt.

Bäckerei Wanner betreibt Café im Rewe

„Hier drüben kommt dann das Café hin“, zeigt Benedikt Bühler in die nach Westen in Richtung Deufringen gelegene Ecke des Rohbaus. Der Holzgerlinger Bäckerei- und Konditoreibetrieb Wanner soll dort künftig der Kundschaft den Einkauf versüßen.

Bis der Marktbetrieb samt Kunden-Café im Neubau losgeht, dauert es aber noch. „Im Moment peilen wir mal an, dass wir im August oder September wieder was schaffen und die Regale einräumen können“, sagt Bühler. Auf ein genaues Datum für die Wiedereröffnung möchte er sich noch nicht festlegen. „Herbst“ muss als grobe Zeitangabe vorerst genügen – zumal es immer wieder Unwägbarkeiten gebe. Vergangenen Sommer verzögerte etwa eine einsturzgefährdete Mauer auf dem Gelände den Fortschritt.

Die Kunden werden voraussichtlich in die Nachbarorte ausweichen. „Vor allem nach Dagersheim und Böblingen“, vermutet Bühler, der schon seit einigen Tagen beobachtet, wie die Frequenz im Markt nachlässt. Wer auf Rewe-Ware nicht verzichten möchte oder in seiner Mobilität eingeschränkt ist, kann auch den regionalen Lieferservice nutzen, den das Unternehmen anbietet. Gegen eine Liefergebühr und ab einem bestimmten Mindestbestellwert wird der Einkauf direkt an die Haustür gebracht.

Und was wird aus den rund 15 bis 20 Mitarbeitenden? „Die kommen zum Teil in unseren anderen Filialen in Pforzheim oder Weissach unter“, sagt Bühler. „Gut die Hälfte wird ein Sabbatical machen. Die haben dafür extra ihren Urlaub angespart“, erzählt er. Zur Wiedereröffnung können alle wieder zurückkommen, versichert der 32-Jährige.

Das wird wohl auch nötig sein. Mehr Verkaufsfläche heißt nämlich auch mehr Personalbedarf. Rund 20 neue Arbeitsplätze sollen im neuen Aidlinger Rewe-Markt entstehen.

Mehr Verkaufsfläche und mehr Parkplätze

Zahlen
Der Aidlinger Rewe-Markt wird von 950 auf 1600 Quadratmeter Verkaufsfläche erweitert. Der Altbau wird abgerissen und in einen Parkplatz umgewandelt. Der Neubau mit einer Gesamtfläche von 2000 Quadratmetern entsteht direkt dahinter auf dem Gelände einer ehemaligen Hagelschadenwerkstatt.

Zeit
Im Sommer 2023 hatte der Gemeinderat die Erweiterungspläne für den Rewe-Markt abgesegnet, ein Jahr später gab auch das Regierungspräsidium Stuttgart Grünes Licht. Am 22. Oktober 2025 fand der Spatenstich statt. Die Wiedereröffnung im Neubau ist für Herbst geplant.