Im Handwerksbetrieb braucht es einen „Leiterbeauftragten“ – der muss regelmäßig zu Schulungen und strengt die Unternehmen auch sonst eher an, als dass er von Nutzen ist. Foto: imago images/Geisser

Die IHK-Bezirksversammlung ist so etwas wie das Wirtschaftsparlament im Kreis Böblingen. Sie wurde jüngst neu gewählt. Ihre Themen dagegen sind Dauerbrenner.

Sie repräsentiert so etwas wie den Motor des Landkreises Böblingen: Die Bezirksversammlung der Industrie- und Handelskammer Böblingen, bestehend aus 36 Unternehmerinnen und Unternehmern des Landkreises. Sie wurde zum Jahresende neu gewählt und traf sich jetzt erstmals in Herrenberg. Das Dauerthema für die Unternehmen, die aus den Branchen Industrie, Handel, Dienstleistungen, Finanzen, Verkehr und Gastronomie kommen: Bürokratieabbau. Aber auch andere Probleme beschäftigen in Firmen.

Unter der Überschrift „Stärkung des Unternehmertums und Abbau von Hürden“ hat die Bezirksversammlung, die man auch als Parlament der Wirtschaft im Landkreis Böblingen bezeichnen kann, zahlreiche Themen gesammelt. Dazu gehören insbesondere langwierige Genehmigungsverfahren auf lokaler Ebene, wie zum Beispiel Baugenehmigungsverfahren. Auch die Berufung von Beauftragten zu unterschiedlichsten Themen wird von den Unternehmen kritisch gesehen. Exemplarisch wurde dabei der sogenannte Leiterbeauftragte genannt. Vor allem kleine und mittlere Betriebe tun sich schwer mit derlei Bürokratie, wie eine „befähigte Person zur Prüfung von Leitern und Tritten, gemäß BetrSichV und DGUV Information 208-016 (bisherige BGI 694“ auszubilden und vorzuhalten.

Bürokratieabbau und Fachkräftemangel

„Die Betriebe im Landkreis Böblingen wünschen sich von der Politik wieder mehr Vertrauen in ihre Arbeit und in ihre unternehmerische Verantwortung und weniger politisch vorgegebene Regelungen“, so Andreas Weeber, Präsident der IHK-Bezirkskammer Böblingen. „Die vielen unscheinbaren bürokratischen Details, die einen Großteil der Firmen gar nicht betreffen, aber jedes Unternehmen erfüllen muss, hemmen die Produktivität vieler unserer Betriebe empfindlich“, fährt er fort.

Auch das Thema Ausbildung und Fachkräftesicherung bleibt ein zentrales Thema. So soll beispielsweise die duale Ausbildung besser beworben werden. Zudem setzt sich die IHK für bezahlbaren Wohnraum ein, um den Standort für zugezogene Fachkräfte, aber auch für Auszubildende von außerhalb der Region, attraktiver zu gestalten.

Infrastruktur, Wohnbau und Digitalisierung

Zu guter Letzt benötigt der Landkreis Böblingen, um im Wettbewerb zu bestehen und um für Neuansiedlungen attraktiv zu sein, eine funktions- und zukunftsfähige Infrastruktur. Der Fokus auf der Wunschliste der Betriebe liegt hier insbesondere auf der Digitalisierung in Behörden und deren Prozesse, aber auch auf dem kontinuierlichen, schnellen Glasfaserausbau und ein überall funktionierendes Mobilfunknetz im Landkreis. Auch beim Thema KI will die Bezirkskammer die Vernetzung und den Wissenstransfer fördern.

Die Bezirksversammlung der IHK-Bezirkskammer Böblingen wurde für die Dauer von fünf Jahren neu gewählt. Die Themen wurden von Mitgliedern aus der Bezirksversammlung, die sich im Vorfeld zu einem Workshop trafen, erarbeitet und sollen die Arbeit der IHK in Böblingen in der aktuellen Wahlperiode bis 2029 besonders prägen.